Marechiaro Poesie aus Neapel

Das Kultgericht aus Neapel: Pizza Tronchetto. Foto: Daniel von Loeper

Liebe, Luft, Leckereien – dafür steht der neue Italiener „Marechiaro“ am Goetheplatz. Seine Spezialität ist in Neapel gerade sehr angesagt

 

Der kleinen Geschichte im Schaukasten nach zu urteilen, müsste die Tochter des Hauses Carolina heißen. Tut sie aber nicht. Die Tür öffnet eine junge Frau namens Sara, klein und quirlig, die sich sogleich charmant für ihren Vater entschuldigt. „Italiener sind nicht sehr pünktlich“, sagt sie. Saras Vater Massimo Aloise (51) hat vor ein paar Wochen unweit vom Goetheplatz das „Marechiaro“ aufgemacht.

Der Chef lässt noch auf sich warten, da dem Herrn Papa aber ohnehin noch das Italienische eher als das Deutsche auf der Zunge liegt, übernimmt zunächst die Tochter das Reden.

Sara (25) erzählt vom Dichter Salvatore di Giacomo, dessen Volkslied „Marechiaro“ und dem Mädchen Carolina, das darin verehrt wird. Das Lied stehe für das Leichte, das „Dolce Vita“ – Liebe, Luft und Leckereien, all das eben, wofür auch das Ristorante ihres Vaters stehe, sagt Sara. Nur, dass es dort eben keine Carolina gebe.

Marechiaro ist ein Stadtteil von Neapel, vielleicht der romantischste. In den Sechziger Jahren genossen viele Stars und Sternchen dort das süße Leben. Die historischen Bilder im „Marechiaro“, alle aus dem Fundus der Großeltern, zeugen von dieser Zeit. Nun soll das süße Leben auch am Goetheplatz zu haben sein.

Auf der Tageskarte stehen immer wieder so wohlklingende Gerichte wie „Fusilli in Ragu di Faraona“, also Spiralnudeln mit Perlhuhnragout (9,80 Euro). Spezialität des Hauses ist jedoch der Tronchetto, ein Pizzazopf, gefüllt mit Parmaschinken, Mozzarella und Rucola (7,50 Euro). In Neapel gehöre die Pizza Tronchetto gerade fest zum kulinarischen Stadtbild, „fast so wie der Sprizz in München“, sagt Carmine Caggiano, der Küchenchef und Mitbetreiber des „Marechiaro“. Caggiano (42) ist ein Altgedienter in Münchens Gastronomiewelt.

Schon mit 20 Jahren hat er in Untersendling die Küche im „La Meridiana“ geleitet. „Seit 25 Jahren spielt sich mein Leben nur in der Küche ab“, sagt er. Etwas Eigenes zu machen, dazu haben Caggiano und Aloise die Leute aus dem Viertel gedrängt. Ein klassischer Italiener fehlte rund um den Goetheplatz noch. Jetzt ist diese Lücke geschlossen.

Darüber werden sich vor allem die freuen, die Carolina heißen. Denen spendieren die Wirte des „Marechiaro“ nämlich ein Getränk. 


Waltherstraße 30, Mo. bis Sa. 11.30-14.30 und 18-23 Uhr, Tel.: 59 91 81 10

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