Mach's wie Hansi! Warum Bayerns Basketballer auf den Flick-Effekt hoffen

Setzt auf Kommunikation: Der neue Chefcoach Oliver Kostic (r.) im Gespräch mit Maodo Lo. Foto: Lackovic/imago

Bayerns Basketballer setzen wie die Fußballer mit Oliver Kostic auf den Ex-Assistenten als Coach: "Es ist schon eine ähnliche Situation".

 

München - Als die Frage der AZ nach Hansi Flick kam, konnte Oliver Kostic nicht anders: Der neue Chefcoach der Bayern-Basketballer fing laut an zu lachen. Schon einige Freunde und Kollegen hätten ihn auf die Parallelen zum Interimstrainer der FC-Bayern-Fußballer angesprochen, verriet er. Entsprechende Nachrichten sammeln sich auf seinem Handy.

Kein Wunder. Der Vergleich drängt sich schließlich förmlich auf. Genau wie Flick, der nach Niko Kovacs Abschied im November zum Cheftrainer aufstieg, ist nun auch Kostic – nach Dejan Radonjics Entlassung – von der Assistenten- in die Chefrolle geschlüpft. Was bei den Fußballern bislang bestens klappt, soll jetzt also auch bei den Basketballern, die auf den nächsten Flick-Effekt hoffen, funktionieren. "Wir planen mit Kostic bis zum Saisonende", sagte FCBB-Sportdirektor Daniele Baiesi und erklärte die Trainersuche damit – zumindest vorerst – für beendet.

Kostic hat also – genau wie Flick – die Chance, sich mit einer überzeugenden Rückrunde für ein Engagement über diese Saison hinaus zu empfehlen. "Es ist schon eine ähnliche Situation", sagte Kostic, "wir gehören zur gleichen Organisation, sind eine große Familie." Der Serbe will sich daran "versuchen, das Beispiel und den Erfolg der Fußballer in dieser Sache zu verfolgen". Und dabei wählt er durchaus eine ähnliche Herangehensweise.

Gute Kommunikation ist Kostic genauso wichtig wie Flick 

Flick suchte direkt die Nähe zur Mannschaft, führte mit allen Spielern Einzelgespräche. "Die Kommunikation ist mir schon aufgefallen", sagte Kostic, der Kapitän Danilo Barthel bereits zum Treffen unter vier Augen bat. "Auch für mich ist gute Kommunikation sehr wichtig, ein Schlüssel – gerade in unserer jetzigen Situation."

Daraus entstehe schließlich "alles, auch das Basketballerische auf dem Feld". Dieser Ansatz war in Kostics ersten Trainingseinheiten zu sehen – und zu hören. "Es war sehr laut im Training", berichtete Baiesi: "Zum ersten Mal wieder nach langer Zeit." Ein Satz, der erahnen lässt, dass Kommunikation auch bei Radonjics Entlassung eine Rolle spielte. Die Frage, ob die Englischkenntnisse des Montenegriners ausreichen, um den Spielern seine Ideen punktgenau zu vermitteln, begleitete den 49-Jährigen seit dem Wechsel nach München.

Kostic begrüßte die Journalisten nun mit einem "Servus" und ist durchaus imstande, Pressegespräche auf Deutsch zu führen. Weil er seine Gedanken aber (noch) besser auf Englisch in Worte fassen könne, bat er darum, auf die internationale Basketballsprache zu wechseln.

Kostic war Assistant-Coach in Rom, Belgrad und in den USA

Als Trainer im Nachwuchsprogramm war Kostic 2013 zu Bayern gekommen. Mit der U19 gewann er 2015 die erste Meisterschaft des FCBB im Jugendbereich. 2016 führte er die zweite Mannschaft zum Aufstieg in die Zweite Bundesliga ProB. Als Assistant-Coach im Profibereich sammelte er unter anderem in Rom, Belgrad und beim Mitteldeutschen BC sowie als Chefcoach beim bulgarischen Klub Sofia Erfahrungen. Seit Radonjics Verpflichtung im April 2018 gehörte er dann zu dessen Stab.

Im vergangenen Juli reiste Kostic übrigens gemeinsam mit Baiesi zur NBA Summer League in die USA, arbeitete im Coaching-Staff der Houston Rockets. Und hinterließ offenbar Eindruck. Jetzt steht Kostic "im Scheinwerferlicht", wie er es formulierte. "Er ist kein Zauberer, der alles mit einem Fingerschnippen ändern kann", sagte Baiesi und gab die Erwartungen weiter: "Die Spieler müssen jetzt reagieren."

"Gegen ZSKA Moskau wollen wir unser Euroleague-Gesicht zeigen"

Gleich zum Debüt wartet aber die in Europa größtmögliche Aufgabe auf Kostic. Am Donnerstagabend (20.30 Uhr/Magenta Sport) ist Euroleague-Champion ZSKA im Audi Dome zu Gast. Für Kostic "eine schöne Herausforderung", auf der in dieser turbulenten Woche "von der ersten Sekunde an unser Fokus" gelegen habe: "Da wollen wir unser Euroleague-Gesicht zeigen."

Zumindest an der Seitenlinie wird es in jedem Fall ein neues sein.

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