Körner: Radonjic scheiterte beim FC Bayern an der Sprach-Barriere

Nach der Entlassung von Trainer Dejan Radonjic bei den Basketballern des FC Bayern erklärt Experte Michael Körner in der AZ, warum sich die Trennung schon vor Wochen abzeichnete. "Ihm sind die Argumente ausgegangen."
| Interview: Johannes Schnabl
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Angeschlagen: Bayern-Trainer Dejan Radonjic.
Rauchensteiner/Augenklick Angeschlagen: Bayern-Trainer Dejan Radonjic.

München - Nach dem Radonjic-Aus beim FC Bayern Basketball hat die AZ mit Michael Körner gesprochen. Der 51-Jährige berichtet seit 30 Jahren über Basketball, seit 2014 ist er Moderator, Kommentator und Kolumnist bei Magenta Sport.

AZ: Herr Körner, Sie haben die Bayern-Basketballer in der Saison häufig beobachtet. Wie überraschend kam für Sie die Trennung von Dejan Radonjic?
MICHAEL KÖRNER: Ich muss sagen, dass mich zumindest der Zeitpunkt der Entlassung überrascht hat. Ich dachte die Bayern schauen erst noch, was passiert, wenn der Kader vollständig ist – also so ist, wie er eigentlich sein soll. Aber scheinbar war die Situation so zerfahren, dass man sich kurzfristig entscheiden musste.

Warum dann gerade jetzt? In der Liga führen die Bayern souverän und in der Euroleague stimmen die Leistungen schon länger nicht mehr.
Aber zuletzt ist noch eine Sache dazugekommen. Eigentlich konnte man sich bei Radonjic immer darauf verlassen, dass die Mannschaft, auch wenn sie nicht so gut gespielt hat, immer noch halbwegs gut verteidigt hat. Aber die Defensive ist in den letzten Wochen international wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Es gab keine geschlossene Verteidigung mehr und die Körpersprache zuletzt hat ja auch Bände gesprochen. So sind Radonjic jetzt einfach die Argumente ausgegangen.

Sie sprachen die mangelnde Körpersprache an. Hat Radonjic sein Team verloren?
Da fällt mir gerade ein Satz von Robert Lewandowski ein, den er zuletzt über Jürgen Klopp gesagt hat, dass die Mannschaft für ihn durchs Feuer gehen würde. Und ich glaube nicht, dass Radonjic in seiner Rolle beim FCB einer war, für den man durchs Feuer geht. Ich will ihm seine fachlichen Qualitäten nicht absprechen. Aber er hat es nicht geschafft, aufgrund fehlender Kommunikationsstruktur, eine emotionale Bindung zum Team aufzubauen.

Körner über Radonjic: "So etwas habe ich noch nie gesehen"

Wie hat sich das gezeigt?
Wir sehen ja nur, was Radonjic während des Spiels macht. Aber da fand ich diese Nicht-Kommunikation während der Auszeiten, vom ersten bis zum letzten Tag, schon sehr befremdlich. So etwas habe ich noch nie gesehen, dass ein Trainer so wenig mit der Mannschaft spricht.

Angeschlagen: Bayern-Trainer Dejan Radonjic.
Angeschlagen: Bayern-Trainer Dejan Radonjic. © Rauchensteiner/Augenklick

Sie meinen also, es mangelte auch am Match-Coaching?
Ich würde es noch weiter runterbrechen, es mangelte an den Sprachkenntnissen. Sein Englisch ist einfach nicht gut und damit kannst du ein internationales Team nicht richtig coachen. Seine Wechsel waren ja oft ganz gut. Er ist sicher kein schlechter Trainer, aber es gab einfach zu viele Barrieren.

Körner: "Koponen ist einer der beste Offensivspieler Europas"

Sie haben in Ihren Übertragungen Radonjic auch immer wieder dafür kritisiert, dass er Spieler nicht richtig einsetzen kann.
Das beste Beispiel dafür ist Petteri Koponen. Der muss sich viel zu viel selbst erarbeiten. Seine Mutter hat am Tag von Radonjics Entlassung getwittert, dass sie nun an bessere Zeiten glaubt. Ich denke auch, dass Koponen, einer der besten Offensivspieler Europas, zu sehr unter den nicht vorhandenen Systemen gelitten hat. Für das großartige Talent, das dieser Kader eigentlich bietet, war das eben alles offensiv zu dünn.

Liegt das vielleicht auch an der Kaderzusammenstellung? Gerade auf den Kreativ-Positionen sind die Bayern aktuell nicht sehr stark besetzt.
Es gibt schon Kreativität, aber sie muss abgerufen werden. Dazu gab es auch einige Verletzte wie z.B. T.J. Bray. Und dann sind da noch Diego Flaccadori und DeMarcus Nelson. Nelson konnte fast nie überzeugen. Er ist wie Flaccadori kein Euroleague-Guard. In der Liga sind aber fast alle Teams auf den Guard-Positionen unglaublich stark besetzt. Das wird man auch am Freitag gegen ZSKA Moskau wieder sehen. Die haben vier starke Guards. Und die Bayern haben neben Bray – der seine Tauglichkeit noch nachweisen muss – nur Maodo Lo, der sich seit Wochen die Lunge aus dem Leib spielt. Dennoch bleibe ich dabei: Radonjic hat die Qualitäten des Kaders nicht wirklich ausgenutzt.

Körner: "National kannst du beim FC Bayern fast jeden hinstellen" 

Nun muss es der bisherige Co-Trainer Oliver Kostic richten. Nur eine kurzfristige Lösung?
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Kostic mindestens bis Saisonende bleibt. Denn, und das soll jetzt nicht überheblich klingen, national kannst du bei Bayern fast jeden hinstellen und in der Euroleague sind ohnehin die nächsten drei, vier Spiele entscheidend, ob es noch mit den Playoffs klappt. Dazu kommt, dass der Trainermarkt in Europa gerade recht dünn ist. Ein Xavi Pascual, der ein guter Mann und zu haben wäre, ist Bayern wohl zu spanisch, das würde von der Kaderstruktur nicht passen.

Das Debüt gegen Euroleague-Sieger ZSKA Moskau könnte schwerer kaum sein.
Viel kann Kostic ohnehin nicht verändern. Aber die Mannschaft wird sich nun wieder zusammenreißen müssen. In der Defensive kann man am Besten seine Leidenschaft zeigen. Und die will nun jeder Fan sehen.

Lesen Sie auch: FC Bayern Basketball - Wie es nach Radonjics Entlassung weitergeht

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