Lokales Innenminister warnt: Fürther Blockade stoppt S-Bahn-Bau!

Illustration Foto: Berny Meyer

Kleeblatt-Stadt will an ihren Plänen für die Trasse festhalten. „Das hat für das Gesamtprojekt der Strecke nach Erlangen und Forchheim verheerende Auswirkungen“, sagt Joachim Herrmann (CSU)

 

NÜRNBERG Der S-Bahn-Streit nimmt an Heftigkeit zu. Jetzt macht Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den Fürthern Druck. „Wenn sie die Planungen weiter blockieren, hat dies für das Gesamtprojekt der S-Bahn nach Erlangen und Forchheim verheerende Auswirkungen“, so der Erlanger Politiker.

Die Strecke sei für den Regionalverkehr und die Entwicklung der Metropolregion „eminent wichtig“. So sieht das auch die Stadt Nürnberg. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) streitet deshalb erbittert mit seinem Fürther Kollegen Thomas Jung (SPD). Denn die Fürther bleiben stur. Sie bestehen darauf, dass die Trassenführung umgeplant wird.

Bisher ist geplant, dass die neue S-Bahn von der Hauptstrecke Richtung Norden einen Schwenk nach Osten ins Knoblauchsland macht. Dort soll das Nürnberger Gewerbegebiet Schmalau angebunden werden. Vor Eltersdorf wird die Hauptstrecke wieder erreicht.

„Die Stadt Fürth wird sich dem zeitlichen Druck nicht beugen"

Die Fürther wollen nun, dass die S-Bahn auf der gesamten Strecke parallel zur Fernverkehrsstrecke gebaut wird. Dadurch werde eine Zerschneidung des Knoblauchslands verhindert, und der Fürther Vorort Stadeln könnte seinen Bahnhof behalten.

Allerdings müsste dafür neu geplant werden. Für Herrmann nicht nachvollziehbar: „Inzwischen ist abzusehen, dass andere S-Bahn-Strecken, deren Planung und Realisierung deutlich später begonnen haben, weit vor dieser Trasse im Städtedreieck fertiggestellt werden“, schreibt er im Erlanger CSU-Parteiblatt. Beispiele: die S-Bahnen nach Neumarkt und Ansbach werden Ende des Jahres ihren Betrieb aufnehmen!

Sollten die Fürther ihre Blockade nicht schnell aufgeben, befürchtet Herrmann, dass sich der S-Bahn-Bau, für den der Freistaat in der Region bereits 155 Millionen Euro an Fördermitteln fest zugesagt hat, um viele Jahre verzögert. „Die Deutsche Bahn, die mit der Fertigstellung der ICE-Trasse nach Erfurt bis spätestens im Jahr 2017 rechnet, wird nämlich zu Lasten des Regionalverkehrs im Zweifel immer dem Fernverkehr Vorrang geben.“ Heißt: Wenn bis dahin die neuen S-Bahn-Gleise nicht verlegt sind, wird der Regionalverkehr leiden.

Doch die Fürther bleiben dabei, dass die von ihnen favorisierte Strecke besser sei. „Die Stadt Fürth wird sich dem zeitlichen Druck nicht beugen und einer unvernünftigen Planung zustimmen“, so Stadtbaurat Joachim Krauße zur AZ. Allerdings sei es auch nicht im Fürther Interesse, dass der S-Bahn-Bau verzögert werde.

Jetzt sollen bei einem Krisengipfel Mitte des Monats ein Kompromiss gefunden werden. Doch wie soll der Kompromiss bei einer Frage aussehen, bei der es nur ein Ja oder Nein zur Trasse geben kann? Darauf weiß auch Krauße keine Antwort. Er stellt jedoch klar: Die Stadt Fürth wird klagen, sollte die Entscheidung für den Verschwenk fallen.

M. Reiner

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