Löws Angreifer schwächeln DFB-Länderspiele: Sturm? Flaute!

Dem Frust keine Chance: Die Nationalspieler Thomas Müller und Mario Götze (rechts). Foto: dpa

Für die beiden anstehenden Länderspiele hat Bundestrainer Joachim Löw mit Thomas Müller, Mario Götze und Kevin Volland drei Optionen fürs Sturmzentrum, Mario Gomez fällt aus. Das Offensiv-Trio schwächelt. Die AZ-Analyse.

 

München - Den Kopf freibekommen, mal abschalten – und vielleicht den Tor-Frust etwas verdauen: Bundestrainer Joachim Löw genehmigte seinen Spielern am Dienstag einen freien Tag extra, bevor er seinen 22er-Kader für die Duelle mit Tschechien und Nordirland erst am Mittwoch zusammenholt.

Vor dem Duell mit Tschechien am Samstag in Hamburg hat Löw drei Trainingseinheiten; eine weitere Einheit kommt vor dem Spiel gegen Nordirland am kommenden Dienstag (beide 20.45 Uhr/RTL) in Hannover hinzu. "Die Grenze für die Belastbarkeit der Spieler ist erreicht – sportlich und mental", sagte Löw, der dies nicht zum ersten Mal monierte.

"Wir müssen uns darüber klar sein, dass auf Dauer die Qualität darunter leidet.“ Es sei „sehr wichtig, mal komplett abzuschalten und nicht an Fußball zu denken", sagte er. Was den vier nominierten DFB-Stürmern nicht so leicht gefallen sein dürfte. Denn das Quartett, auf das Löw seine Hoffnung setzt, steckt bei seinen Klubs in der Torkrise.

Der AZ-Formcheck...

Thomas Müller

Der eigentlich stets gut gelaunte Bayern-Star sogar das F-Wort in den Mund: "Frust" habe bei den Bayern nach dem 1:1 gegen Köln geherrscht, das galt nicht zuletzt für ihn persönlich.

"Glück hatte ich in den letzten Spielen sicher nicht", sagte Müller. Er klang ein bisschen resigniert. Das Spiel gegen Köln war symbolisch für Müllers Saison, speziell die Megachance, als Torhüter Timo Horn mit einem Weltklasse-Reflex das 2:1 verhinderte.

Einfach Pech, die Einstellung stimmt bei Müller immer. Zwei Tore in neun Spielen sind Müller für die Bayern bislang erst gelungen, der Anti-Lauf der EM ist noch immer nicht komplett gestoppt.

Dabei hatte sein letzter Auftritt im DFB-Team noch Hoffnung gemacht. Im ersten WM-Quali-Spiel gegen Norwegen traf Müller doppelt. Vielleicht spielt er sich nun wieder frei für die Bayern.

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Mario Götze

Es sollte alles besser werden für den WM-Helden, als er im Sommer von den Bayern zurück nach Dortmund wechselte. Und wie ist es gekommen? Nun ja, bislang hat Götze beim BVB weder berauscht noch komplett enttäuscht. Ein Tor in fünf Spielen – das ist die Bilanz des 24-Jährigen.

Götze wirkt zwar aktiver, motivierter, glücklicher als in großen Teilen seiner Bayern-Zeit, die Leichtigkeit in seinem Spiel ist aber noch nicht wieder zurück. Beim Topspiel am Wochenende gegen Leverkusen (0:2) ließ Dortmund-Trainer Thomas Tuchel seinen Top-Neuzugang 90 Minuten auf der Bank.

Und Löw? Der ließ Götze zuletzt zweimal als Mittelstürmer beginnen. Richtig überzeugend spielte er nicht. Mangels (formstarker) Alternativen dürfte Götze, der in den vergangenen zwölf Länderspielen nur einmal traf, aber auch am Samstag gegen Tschechien wieder in der Startelf stehen.

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Kevin Volland

Der frühere Löwen-Stürmer kam im Topspiel immerhin zum Einsatz. 25 Minuten durfte Volland noch mitkicken – viel zu wenig für seine Ansprüche. Doch bislang hat sich der Wechsel von Hoffenheim nach Leverkusen für Volland nicht ausgezahlt.

Der 24-Jährige aus Marktoberdorf sitzt meist auf der Ersatzbank, getroffen hat er für seinen neuen Klub noch nicht. „Der Knoten wird bei ihm schon noch platzen“, sagt Bayer-Sportchef Rudi Völler. Aktuell ist Volland, der zudem durch einen Mittelhandbruch zurückgeworfen wurde, aber nur Stürmer Nummer drei hinter Chicharito und Admir Mehmedi.

In der Nationalelf ist es ähnlich – Müller, Gomez und Götze stehen in der Hierarchie über ihm.    

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Mario Gomez

Müllers Frust wäre im Fall von Gomez wohl noch deutlich untertrieben. "Es ist ein bitterer Moment für uns alle. Ich habe so etwas noch nie erlebt in meiner Karriere. Es ist wie verhext", sagte der Stürmer des VfL Wolfsburg nach dem 0:0 gegen Mainz.

Neuzugang Gomez wartet noch immer auf sein erstes Tor, "er braucht Erfolgserlebnisse", sagt Wolfsburgs Manager Klaus Allofs: "Wenn man die lange Zeit nicht hatte, dann steht man sich manchmal selbst im Weg."

Auf Gomez trifft genau das zu, sein Selbstvertrauen, das ihn bei der EM ausgezeichnet hatte, ist weg. Kann Löw den 31-Jährigen wieder aufpäppeln? Im Moment hat er keine Chance dazu, denn wie der DFB am Dienstag mitteilte, fällt Gomez für die beiden Spiele "einer neurogenen Verhärtung in der Gesäßmuskulatur" aus.
 

 

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