Löwenfans gegen Rechts verärgert TSV 1860: Kritik an Sechzig-Bossen - "Ein Ding der Unmöglichkeit"

Protest gegen den umstrittenen Investor Hasan Ismaik (li.), die beiden Löwen-Geschäftsführer Günther Gorenzel (li.) und Michael Scharold. Foto: AZ-Montage/imago/Lackovic/MIS

Die "Löwenfans gegen Rechts" wehren sich gegen die Kritik der Geschäftsführer am Verkauf der Anti-Ismaik-Shirts – und attackieren Scharold und Gorenzel: "Die Meinungsfreiheit mit Füßen getreten."

München - Herbert Schroeger muss kurz Luft holen. "Ein Ding der Unmöglichkeit!", sagt er tief schnaufend, "dass wir in dieser Stellungnahme namentlich genannt und an den Pranger gestellt werden." Schroeger ist verärgert, und wie er der AZ sagt, alle anderen Mitglieder aus der Faninitiative "Löwenfans gegen Rechts" auch.

Adressat ihres Ärgers: die Geschäftsführung des TSV 1860, namentlich Günther Gorenzel und Michael Scharold. Diese hatten die Fangruppe wegen eines geplanten Protests mittels Anti-Hasan-Ismaik-Shirts öffentlich scharf kritisiert. Laut Schroeger sei es aber nie um den jordanischen Investor gegangen, sondern darum, dass die KGaA "die Meinungsfreiheit mit Füßen getreten" habe.

Anti-Ismaik-Banner fester Bestandteil im Löwen-Block

Auf der 1860-Homepage war unlängst ein Foto mit einem Anti-Ismaik-Banner retuschiert worden, sodass der Protest gegen den Mehrheitseigner nicht mehr zu erkennen war. Doch das sprach sich prompt rum – und der Schlamassel war nicht mehr zu vermeiden. Mittlerweile ist das Anti-Ismaik-Banner auch bei Auswärtsspielen fester Bestandteil der Löwen-Choreos im Block.

"Wir sind sehr enttäuscht über eine Aktion der ‘Löwenfans gegen Rechts’, die mit einem T-Shirtverkauf eine weitere Eskalation der Situation billigend in Kauf nehmen", hieß es am Donnerstag in einer KGaA-Stellungnahme: "Insbesondere von einer Institution, die sich in der Vergangenheit oft vorbildlich für ein Miteinander und gegen Diskriminierung und Gewalt eingesetzt hat, hätten wir erwartet, dass sie mithilft, Gräben zu überwinden."

Den "Löwenfans gegen Rechts" stoße nun auf, erklärt Schroeger, "dass wir herausgepickt und in der Öffentlichkeit vorgeführt werden. Wegen hundert T-Shirts, mit denen wir auf eine Zensur aufmerksam machen wollen, die die begangen haben. Und die faseln im gleichen Statement was von Meinungsfreiheit. Das regt mich auf".

TSV 1860: Konflikt zwischen Ultras und KGaA eskaliert zunehmend

Am Freitag gab die Faninitiative, die sich seit 25 Jahren bei Sechzig engagiert, eine offizielle Stellungnahme heraus. Auch in dieser richtete die Gruppierung deutliche Worte in Richtung Gorenzel und Scharold: "Wo ist das Engagement unserer Geschäftsführer, wenn Nazis im Stadion auf dem Zaun sitzen? Wo ist das Engagement der KGaA-Verantwortlichen, wenn sich Rechtsextreme im Umfeld des Stadions herumtreiben? Wo sind die Erklärungen der Geschäftsführer der KGaA bezüglich Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen gegen Amtsträger des Muttervereins?"

Jüngst war der Konflikt zwischen Ultras und der KGaA eskaliert, nachdem die Geschäftsführung der organisierten Fanszene Trommeln und Schwenkfahnen in der Kurve wegen eines Pyro-Exzesses gegen Hansa Rostock untersagt hatte.

Wächst die Skepsis gegenüber den Geschäftsführern? "Neulich war ein Transparent in der Kurve zu sehen, mit dem wir nichts zu tun hatten, auf dem stand: ‚Gorenzel, mach deine Arbeit!‘ Das hilft vielleicht weiter bei der Frage", meint Schroeger: "Sie scheinen sich zu positionieren, dass sie sich auf eine Seite festgelegt haben. Wenn man die ganze Geschichte rund um das Investment verfolgt hat, kann man aber nur Investor-kritisch sein." Zumindest aus seiner Sicht. Von einem Verkauf der T-Shirts, wie von der KGaA gefordert, will die Faninitiative nun absehen – und die Shirts vor dem Heimspiel gegen Preußen Münster stattdessen verschenken.

 

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