Löwen vor dem Neustart Zwiespalt: Der TSV 1860 zwischen Engeln und Teufeln

, aktualisiert am 29.05.2020 - 06:26 Uhr
Michael Köllner gibt zu: Auch er hat manchmal Zweifel an den Aufstiegschancen der Löwen. Foto: sampics / Stefan Matzke

Vor dem Re-Start der Sechzger am Sonntag gegen Duisburg gesteht Trainer Michael Köllner auch einige Bedenken. "An mir nagen manchmal Zweifel", sagt er: "Ich kann den Aufstieg nicht versprechen."

 

München - Michel Köllner hockt derzeit mit einem 40-köpfigen Löwen-Tross im Quarantänehotel. Auf den Schultern des 1860-Trainers wiederum sitzen ebenfalls zwei Gestalten. Zwei imaginäre Gestalten: eine himmlische, eine diabolische. Und die streiten sich darüber, ob die Sechzger, die nun endlich wieder auf den Rasen dürfen, nach dem Auftakt in die Geisterspiel-Wochen mehr Anlass zum Jubel oder zu argen Bedenken geben.

Denn der Trainer des TSV 1860 zeigte sich vor dem Kracher gegen den MSV Duisburg (Sonntag, 13 Uhr, Magenta Sport und AZ-Liveticker) voller Vorfreude, er zeigte sich nach der quälend langen Corona-Zwangspause aber auch hin- und hergerissen, ob die Sechzger gegen den Spitzenreiter an die starke Serie von 16 ungeschlagenen Spielen, davon 14 unter Köllner, anknüpfen können. "Auch an mir nagen manchmal Zweifel. Auf meiner linken Schulter sitzt ein Teufelchen und flüstert: ‚Ihr seid noch nicht ganz soweit, ihr seid noch nicht bereit‘", erklärte Köllner am Donnerstag bei Sechzigs digitaler Pressekonferenz.

"Auf der anderen Schulter sitzt ein Engelchen und sagt: ‚Doch, es passt: Ihr werdet richtig gut aufspielen!‘ Da vertraue ich lieber auf das Engelchen in meinem Kopf." Ginge es nach Köllners Paradieswächter, triumphieren die Löwen, wie es auch im Tierreich wäre, über die Zebras.

"Ich kann garantieren, dass wir unser Bestes geben"

Der TSV (42 Punkte) könnte, je nach den Ergebnissen der Konkurrenz sogar auf einen Aufstiegsrang springen. "Viele Löwen-Fans hoffen, dass wir gewinnen oder setzen das sogar voraus. Sie tun alles, um uns zu unterstützen", weiß Köllner über die treue Anhängerschar der Giesinger, die mittlerweile über 30.000 Geistertickets erstanden hat und demnächst einen Dankesbrief von Köllner erhalten werde.

Der Mann, der den 1. FC Nürnberg in die Bundesliga führte, warnt aber auch vor dem Drittliga-Primus – und überzogenen Erwartungen. "Ich sage ganz bewusst: Ich kann keinen Sieg garantieren. Ich kann auch keinen Aufstieg garantieren. Aber ich kann garantieren, dass wir gegen Duisburg und in jedem Spiel unser Bestes geben werden." Der MSV, angeführt von Kapitän und Ex-Löwe Moritz Stoppelkamp, sei "die stärkste Mannschaft der Liga und nicht umsonst Tabellenführer". 1860 werde sich für einen Erfolg "mächtig strecken müssen".

Alle Löwen außer Berzel fit

Die Startformation der Sechzger sei für Köllner nun noch schwerer zu finden, da sich viele der vorherigen Reservisten an die Stamm-Elf herangespielt hätten. Namentlich benennen wollte die der Oberpfälzer aber nicht.

Klar ist: Innenverteidiger Aaron Berzel wird aufgrund seines Bänderrisses im Sprunggelenk fehlen. "Der Rest ist fit", so Köllner, der auch wegen der neuen Möglichkeit mit fünf Auswechslungen um die Vorteile des breiten TSV-Kaders weiß: "In den nächsten Wochen werden wir alle Spieler brauchen."

Zurück zu Engelchen und Teufelchen: Den Fans wolle Köllner die verbotenen Gedanken einer Corona-Party vor dem Grünwalder ebenfalls austreiben. "Unterstützt uns mit eurem Herzen", bat er. Mit dem mentalen Support aller Sechzger soll es also in Erfüllung gehen, das Träumchen vom weiß-blauen Fußball-Himmel.

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