Löwen-Verteidiger Rodnei: Vom Dauerverletzten zum Durchstarter?

Drahtiger und fitter als noch in der vergangenen Saison: Löwen-Profi Rodnei im Trainingslager. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der Brasilianer galt beim TSV 1860 schon als Fehleinkauf – unter Kosta Runjaic wittert der Innenverteidiger aber eine neue Chance. "Er ist ein positives Beispiel", lobt ihn der Trainer.

 

München - Er ist ein Baum von einem Mann, mit seinen rund 93 Kilo und seiner 1,90 Meter großen, hünenhaften Gestalt ist er der wuchtigste aller Verteidiger des TSV 1860. Und dennoch schlich Rodnei im vergangenen Jahr meist kleinlaut und mit gesenktem Kopf vom Trainingsgelände an der Grünwalder Straße.

Der Brasilianer kam im Sommer 2015 zum TSV 1860. Zum Leidwesen aller Fans musste er wegen seiner Verletzungsmisere der Kategorie "Transferflop" zugeordnet werden. Ex-Sportchef Oliver Kreuzer wollte den 30-Jährigen trotz seines bis 2017 laufenden Vertrags loswerden.

Das ist aber (wie mittlerweile auch Kreuzer) längst Vergangenheit: Im Trainingslager in der Steiermark ließ sich ein neuer Rodnei beobachten; ein drahtiger und fitter Spieler. "Rodnei hat mich überrascht. Er ist ein positives Beispiel, hat sich in jeder Einheit reingehauen und hat auch Spaß an der Arbeit. Sehr erfreulich", hatte Neu-Trainer Kosta Runjaic erklärt. Unter Runjaic scheint der vom namhaften Neulöwen zum Dauerverletzten und Bankdrücker mutierte Rodnei nun neu durchzustarten – und übernimmt gleich noch eine weitere Aufgabe.

Die AZ zeigt die (alten und neuen) Rollen des Rodnei.

Der Dauerverletzte

Vor einem Jahr kam Rodnei beim TSV an: Am 13. Juli 2015 reiste der Neuzugang von RB Leipzig ins damalige Trainingslager nach Bad Häring. Bekannter Name, schon 75 Bundesligaspiele für Hertha BSC und Kaiserslautern. Und ein Risikotransfer: Wegen einer Leistenverletzung hatte er in zwei Jahren 50 Spiele zuschauen müssen.

Prompt knüpfte er dort an, musste sogar unters Messer – Leisten-OP! "Eine schwere Zeit. Es hat mich verrückt gemacht, mich nicht einmal zeigen zu können", sagte Rodnei zur AZ. Ende Februar war er wieder fit, hatte aber beim damaligen Trainer Benno Möhlmann keine Chance – was er nachvollziehen kann: "Ich war lange weg, und wir hatten mit Christopher Schindler und Jan Mauersberger eine gute Innenverteidigung." Nur im Saisonfinale beim FSV Frankfurt (1:3) kam er zum Einsatz.

Der Quasi-Abgang

Nach einem unglücklichen Jahr mit bisher nur fünf Zweitliga-Spielen wollte Kreuzer den Abwehrspieler aussortieren. Er habe davon in der Zeitung gelesen, so Rodnei: "Mit mir hat er nicht gesprochen. Ich fand es nicht schön, so etwas zu erfahren." Neu-Sportchef Thomas Eichin wie auch Runjaic betonten allerdings, dass jeder Akteur eine neue Chance erhalte. Rodnei: "Dafür bin ich dankbar."

Der Durchstarter

Anstatt das Weite zu suchen, will Rodnei diese Chance nutzen. "Ich fühle mich fit und will noch einmal angreifen." Das Lob Runjaics sei "schön zu hören", Rodneis Wandel komme aber nicht von ungefähr: Endlich sei er schmerzfrei – und habe schon in der Sommerpause intensiv an seiner Fitness gearbeitet: "Ich habe in Brasilien mit meinem Cousin viel getan: Ausdauertraining, Krafttraining. Ich fühle mich sehr gut", so Rodnei. Jetzt wolle er sich "mit meinem großen Willen einen Stammplatz erkämpfen." So ruhig er neben dem Platz auch sei, "auf dem Rasen kenne ich keine Freunde".

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Der Integrationsbeauftragte

Ist Rodnei am Ball, rufen seine Mitspieler "Papa!" Dem 30-Jährigen ist ein Rätsel, woher sein Spitzname komme: "Das würde ich auch gerne wissen", sagt er lachend, "ich glaube, Rubin Okotie hat mich mal so genannt. Jetzt hat mich Jan Zimmermann nach meinem Rufnamen gefragt. Ich sagte: ‘Rodnei’. Am nächsten Tag rief er mich ‘Papa’. Jetzt darf ich mir das wieder anhören – dabei ist Goran Sukalo viel älter."

Für Neuzugang Victor Andrade übernimmt er tatsächlich eine Art Vaterfigur: "Er ist im Trainingslager mein Zimmerkollege gewesen. Ein guter Junge. Ich habe ihm alles erklärt", so Rodnei über seinen Landsmann, den er für "einen schnellen und technisch sehr guten Spieler – eine Waffe" halte. Was die Brasilianer eint? "Wir haben den Rhythmus im Blut." Vielleicht können Rodnei und Andrade den Löwen in der neuen Saison auch eine gewisse Samba-Note verleihen. Am besten in der Startelf.

 

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