Löwen-Star im AZ-Interview Quirin Molls Comebackplan: "Yoga hilft mir weiter"

Quirin Moll im Trainingslager in La Manga: "Ich bin sehr, sehr froh, wieder auf dem Rasen zu stehen." Foto: sampics/Augenklick

Quirin Moll spricht im AZ-Interview über seine lange Leidenszeit, Zimmerkollege Mölders und seine Ziele mit 1860: "Ich bin der Meinung, dass der Verein zeitnah mindestens in die Zweite Liga gehört".

 

Der gebürtige Dachauer spielt seit 2018 für den TSV 1860. Im Februar 2019 hat sich der Mittelfeldspieler einen Kreuzbandriss zugezogen.

AZ: Herr Moll, was haben Sie beim inoffiziellen Spieleabend der Löwen hier in La Manga gezockt: "Werwolf", "Tabu" oder etwas anderes?
Quirin Moll:
Ich war nicht dabei, sondern mit meinem Zimmerkollegen Sascha Mölders zusammengesessen. Wir sind beide Familienväter und haben uns außerdem per "Facetime" mit unseren Frauen und Kindern unterhalten.

Sie wohnen hier, bei 15 bis 18 Grad und Sonnenschein, in einer Apartmentanlage. Wie man hört, soll das Essen nicht so ganz nach dem Geschmack mancher Spieler sein. Passen die Bedingungen im Trainingslager?
Ich bin mit den Bedingungen zufrieden. Der Trainingsplatz ist richtig gut, das Wetter ist auch top.

Verletzungsphase war für Moll "brutal, auch mental"

Am Wichtigsten dürfte aus Ihrer Sicht nur eines sein: nach Ihrem Kreuzbandriss im Februar 2019 endlich wieder auf dem Rasen zu stehen.
Absolut. Ich muss wirklich sagen: Ich bin sehr, sehr froh. Am Ball hat man einfach mehr Freude. Es geht nichts über Fußballspielen.

Ex-Trainer Daniel Bierofka sagte schon vor Monaten, dass Sie eine schwere Zeit durchmachen.
Ich will nicht sagen, dass man aus dieser Zeit nichts mitnimmt, aber es war schon brutal, auch mental. Es ist einfach beschissen, den Kollegen nur zuschauen zu können. Du willst immer dabei sein, aber du kannst nicht.

Was hat Ihnen Antrieb gegeben?
Die Sache mit dem Antrieb war am Anfang ein großes Problem: Ich war sehr viel daheim und durfte gar nichts machen, sonst wäre die Verletzung womöglich noch schlimmer geworden. So viel Inaktivität ist für mich als Sportler komplett kontraproduktiv. Das war echt schwer, richtig fies. Ich bin sehr froh, dass ich zwei kleine Kinder habe – eines ist ja noch dazu gekommen. Meine Familie hat mir viel Kraft gegeben.

Nach Bierofkas Abgang hat neuer Trainer Köllner "gut dirigiert"

Ihr neuer Trainer Michael Köllner hat kürzlich erklärt, dass Sie "kein normaler Spieler" in der Reha gewesen seien – sondern acht, neun Stunden am Tag geschuftet haben. Maschine Moll, wenn man so will.
Ja, das würde ich unterschreiben. Ich bin ein Typ, der kann da nicht weniger machen. Es liegt in meiner Natur, mich voll reinzuhauen. Oft war der ganze Tag voll und ich habe versucht, alles rauszuholen. Müsste man echt mal die Stunden zählen. Ich habe an allen Ecken und Enden gefeilt, um das Maximale herausholen zu können: Ich habe mich noch mehr mit den Themen Atmungstechniken und Ernährung beschäftigt, habe viel Krafttraining gemacht. Auch Yoga hilft einem weiter.

Wo wir schon bei den beiden Trainern sind: Wie haben Sie, als Zuschauer, Bierofkas Abgang verfolgt?
Bieros Aus hat mir sehr wehgetan, weil ich – wie viele andere Spieler – auch wegen ihm hierhergekommen bin. Mir bedeutet es viel, dass er uns im "Blickpunkt Sport" alles Gute gewünscht hat. Als Mannschaft wissen wir, dass es sehr ehrlich von ihm gemeint war. Er hat durch seine akribische Arbeit und seinen Charakter einen großen Anteil daran, wie wir jetzt dastehen: vor allem von der Fitness her und der unschlagbaren Mentalität, die er uns eingeimpft hat.

Wie konnte Nachfolger Köllner eine totale Depression verhindern?
Ich sage mal so: Du kriegst im Sport immer Ruhe rein, wenn du Erfolg hast. Der neue Trainer hat alles gut dirigiert, er hat gute Strukturen. Er hat sich auch schnell bei mir erkundigt, als ich noch in der Reha war. Seine positive Art kommt bei allen an.

Moll über Chance auf Relegation: "Wir müssen Schritt für Schritt gehen"

Zurück zu Ihnen: Wie es der Zufall will, trifft 1860 zum Auftakt der Rest-Rückrunde auf Eintracht Braunschweig. Wie sehr fiebern Sie einem Comeback gegen Ihren Ex-Klub entgegen?
Ich brenne auf mein Comeback. Wenn ich fit bin und voll im Saft bin, will ich immer spielen und weiß nicht, was dem im Weg steht. Es wäre gelogen zu sagen, dass ich schon am Limit bin. Aber ich verliere jetzt nicht die Geduld. Ich hatte bei der Eintracht eine turbulente Zeit. Erst waren wir kurz vor dem Aufstieg in die Bundesliga – das wäre der Wahnsinn gewesen. Dann sind wir unnötig in die Relegation und haben es uns versaut. In der nächsten Saison sind wir in die Dritte Liga abgestiegen, obwohl wir eigentlich hoch wollten. Wie gesagt: Es wäre schön, wenn es mit dem Comeback klappen würde, aber da darf man jetzt nicht den Kopf verlieren. Als Mannschaft freuen wir uns darauf und wollen natürlich mit einem Heimsieg starten.

Damit wären wir wieder bei den Münchner Löwen: Stand jetzt sind es vier Punkte Rückstand auf Rang drei und damit den Relegationsplatz…
Warum sollten wir jetzt eine Kampfansage raushauen? Wir müssen Schritt für Schritt gehen. Aber um ehrlich zu sein, bin ich hierhergekommen, weil ich was bewegen will. Ich bin der Meinung, dass der Verein zeitnah mindestens in die Zweite Liga gehört. Davon will ich als Spieler auch nicht absehen. Du hast ja nur eine Karriere.

Um auf Ihren Zimmerkollegen zurückzukommen: Finden in La Manga auch Überredungs-Einheiten statt, um Mölders oder auch Efkan Bekiroglu zum Bleiben zu bewegen – zugunsten einer noch besseren Perspektive?
Das müssen die Jungs selbst wissen. Sascha kriegst du nicht überredet. Wenn er weitermacht, dann nur, weil er es sich selbst in den Kopf setzt. Ich würde mich jedenfalls mehr als freuen. Sascha weiß, dass ich mir ungerne einen neuen Zimmerpartner suchen würde. Und ich glaube, dass Sechzig nach wie vor ein Riesen-Potenzial hat. Mir ist wichtig, dass wir nächste Saison eine schlagkräftige Truppe auf dem Rasen haben. Es ist jetzt schon geil, für diesen Verein aufzulaufen – wie geil es erst in der Zweiten Liga wäre!

Lesen Sie hier: Wer hat bei Sechzig eine Zukunft?

 

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