Löwen-Investor im Exklusiv-Interview TSV 1860: Hasan Ismaik - "Beweist mir, dass ihr für den Erfolg seid!"

Löwen-Investor Hasan Ismaik Foto: ho

Hasan Ismaik, Investor des TSV 1860, appelliert in der AZ an die Vereinsbosse um Robert Reisinger. Er plädiert für ein neues Stadion, eine Kapitalerhöhung und verurteilt den Umgang mit Daniel Bierofka: "Eine Schande für 1860."

 

München - Löwen-Investor Hasan Ismaik im Exklusiv-Interview mit der AZ: Der 43-jährige Jordanier stieg 2011 beim TSV 1860 als Investor ein, er ist Mehrheitsgesellschafter.

AZ: Herr Ismaik, Ex-Trainer Daniel Bierofka fühlte sich beim TSV 1860 von innen heraus bekämpft und ließ sich von Ihnen nicht mehr von einem Rücktritt abhalten. Was ist aus Ihrer Sicht vorgefallen?
HASAN ISMAIK: Wir haben uns getroffen und ich habe noch versucht, ihn umzustimmen. Aber es war schon zu spät. Ich kann nicht für Bierofka sprechen. Aber ich bin sehr enttäuscht, wie der Verein mit ihm umgegangen ist. Wir kennen ja alle diese Stellungnahme, als das Präsidium über seinen Abschied und sein Gehalt gesprochen hat. Man wollte ihm damit bewusst schaden. Das ist kein Umgang mit einem beliebten und erfolgreichen Trainer und einem ehrlichen Menschen, der für seinen Verein lebt. Für mich steht fest, dass er bekämpft wurde.

Präsident Robert Reisinger hat Ihnen kürzlich vorgeworfen, Sie würden Bierofka als Spielball für Ihre Zwecke instrumentalisieren.
Das stimmt nicht. Ich habe Bierofka und seine Arbeit bewundert, ihn unterstützt – als Mehrheitsgesellschafter und als Fan. Wie kann man das als Ausnutzen eigener Interessen bezeichnen? Wann habe ich je von ihm verlangt, dass er für mich oder meine Ansichten spricht? Noch nie. Ich stand auch nicht dauernd mit ihm in Kontakt. Ich habe ihn ein paar Mal getroffen, ihn dazu ermutigt, nicht aufzugeben. Dass er hingeworfen hat, ist eine Schande für 1860. Reisinger ist ein Aufstiegspräsident – wegen Bierofka. Dass Daniel für Reisinger auf der Mitgliederversammlung 2017 eine große Starthilfe war, hat er in seinem Verfolgungswahn womöglich vergessen.

Ismaik: Reisinger muss Kritik umgehen können

Sie teilen gegen Reisinger erneut heftig aus.
Sobald man das Amt des Präsidenten annimmt, muss man mit Kritik umgehen können. Die Aufgabe eines Vereinsoberhauptes sollte es doch sein, die Leute einzufangen, 1860 zu einen. Diesen Beweis ist Reisinger bis heute schuldig geblieben.

Im Umkehrschluss könnten Ihnen Vereinsvertreter denselben Vorwurf machen!
Ich bin ein sehr direkter Mensch und werde deshalb manchmal falsch verstanden. Aber das kann ich widerlegen. Ich habe mich immer darum bemüht, den Kontakt zu allen Fans zu pflegen. Ich habe etwa im Jahr 2017 alles Mögliche getan, damit die Ultras wieder ins Stadion kommen, denn sie sind ein fester Bestandteil unserer Fanlandschaft, genauso wie die Arge. Aber auch die nichtorganisierten Fans und "Allesfahrer" sind mir wichtig. Diese bunte Mischung macht 1860 zu dem, was es ist. Wir alle sind der Verein.

Reisinger wirft Ihnen vor, Sie hätten mehrere Ex-Funktionäre diskreditiert.
Das stimmt nicht. Geschäftsführer Robert Schäfer wurde von Gerhard Mayrhofer (Ex-Präsident, d. Red.) abgesägt. Alle anderen, die er erwähnt hat, sind gegangen, weil sie das Gefühl hatten, dass sie Marionetten in den Händen des e.V. sind. Sobald sie nicht das gemacht haben, was der e.V. von ihnen wollte, wurden sie mit der Absetzung bedroht. Zudem ist es als Mehrheitsgesellschafter mein gutes Recht und meine Pflicht, als ich damals Aufsichtsrats-Vorsitzender war, alles zu überprüfen und zu hinterfragen. Damals konnten in den Medien viele Lügen darüber verbreitet werden, dass ich der Schuldige sei, weil ich die Medien unterschätzt und damals nicht verfolgt habe. Aber jetzt ist es anders. Ich denke, dass Michael Scharold und mittlerweile auch Günther Gorenzel unter Druck gesetzt werden.

Ismaik: "Kenne meine finanziellen Verpflichtungen"

Reisinger hält Ihre Aussagen, Sechzig werde von der Organisation "Pro1860" und den Ultras gelenkt, für eine "Verschwörungstheorie".
Es ist doch kein Geheimnis, dass die Entscheidungsgewalt nicht wirklich beim Präsidium liegt. Der Verwaltungsrat besteht aus Hardlinern und Ultras. "Pro1860" zieht die Fäden im Hintergrund. Es ist feige, dass die Hintermänner ihre Gesichter nicht zeigen.

Zuletzt wurden neuerliche Gerüchte über eine Insolvenz laut.
Man nimmt dieses Gespenst immer wieder in die Hand, wenn man es braucht. Es wird viel geredet, dass es einen neuen teuflischen Plan gibt. Ich habe keine konkreten Anzeichen, aber falls nötig, werde ich es zu verhindern wissen. Man kennt ja die finanzielle Lage, ich kenne meine finanzielle Verpflichtungen – und werde ihnen nachkommen. Es würde einen langen Rechtsstreit geben, der für 1860 nur schädlich wäre. Macht das alles einen Sinn? Vielleicht wäre es ja sogar gut, denn dann würden die Pläne meiner Gegner endlich ans Licht kommen.

"Würde Kapitalerhöhung zu bestimmen Bedingungen zustimmen"

Sie haben im BR kürzlich eine Kapitalerhöhung angesprochen. Wie wäre es, wenn sich beide Gesellschafter - trotz aller Differenzen - damit auseinandersetzen würden?
Ich würde einer solchen Kapitalerhöhung zustimmen, aber zu bestimmten Bedingungen. Die kolportierte Summe von fünf Millionen ist zu wenig: Warum sollte es bei fünf Millionen bleiben und nicht, sagen wir mal, 15 oder 20 Millionen sein? So hätten Geldgeber die Möglichkeit, mehr zu investieren. Mit anderen Geschäftsmännern und Investoren könnte man etwas auf die Beine stellen. Etwa so, wie es der FC Bayern mit Adidas oder der Telekom macht. Die einzige Lösung, wie man mit 1860 wieder erfolgreich wirtschaften kann, wäre ein neues Stadion. Wir könnten fünf Millionen für die sportliche Stabilität hernehmen, mit den weiteren 10-15 Millionen können wir das Thema eigenes Stadion und damit die einzige und dauerhafte Lösung in Angriff nehmen. Mit diesem Eigenkapital können wir den Bau einer neuen Arena über die Banken finanzieren. Wenn Reisinger und alle im e.V. einen guten Willen zeigen wollen, einen gemeinsamen Weg haben wollen: Beweist mir, dass die Entscheidungsgewalt in euren Händen liegt, und dass ihr für den Erfolg seid. Dafür würden euch alle Löwen Respekt zollen – auch ich.

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