Löwen-Geschäftsführer Scharold: Deutliche Worte zur aktuellen Lage beim TSV 1860

Von "Sparkurs" will Michael Scharold beim TSV 1860 nicht sprechen: "Sparen suggeriert ja, wir hätten Mittel zur Verfügung, die wir einsetzen könnten, aber für die Zukunft zurücklegen." Er spricht lieber von einem "Konsolidierungskurs" oder einem "Kostensenkungskurs". Foto: imago/MIS

Seit einem Jahr ist Michael Scharold Geschäftsführer beim TSV 1860. In einem Interview zieht der 38-Jährige eine Bilanz seiner Arbeit. Er sieht bei den Löwen einiges im Argen, aber auch enorme Chancen - und er ätzt gegen den großen Nachbarn.    

München - Es sind - mal wieder - wilde Zeiten beim TSV 1860: Da ist das Transfer-Theater um den wechselwilligen Angreifer Adriano Grimaldi, da sind die Unklarheiten im Klub mit Blick auf die noch nicht abgesegnete Beförderung von Günther Gorenzel zum Geschäftsführer Sport oder die Tatsache, dass das mutmaßlich deutlich geringere Budget für die kommende Saison noch nicht festgezurrt ist.

Für Geschäftsführer Michael Scharold war das vergangene Jahr ein "großartiges Jahr für Sechzig". In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" betont er: "Wir haben etwas geschafft, was uns wohl keiner sofort zugetraut hätte: den sportlichen Wiederaufstieg. Und wir haben auch in der Drittliga-Hinrunde einige grandiose Spiele gesehen. Jetzt haben wir alle ein paar Tage lang mehr oder weniger durchgeschnauft, aber natürlich lässt einen Sechzig nie in Ruhe." (Im AZ-Newsblog finden Sie alle Infos zum Trainingslager der Löwen)

Scharold fordert "professionelles Denken" bei Sechzig ein

Über die Vergangenheit und zu den seit 2011 oftmals unberechenbaren Zahlungseingängen von Investor Hasan Ismaik will Scharold nichts sagen. Er betont allerdings, "dass für das Konstrukt 1860 professionelles Denken notwendig" sei. Weil der Wettbewerbsdruck im Profifußball eben nichts anderes erlaube. Wirschaftliche Interessen müssten Priorität haben: "Es geht da nicht um Vertrauen, nicht um Glauben, nicht um Verlässlichkeit oder sonstige Dinge, die ich in keiner Weise in Frage stelle. Es geht darum, Fakten zu schaffen, die ich frühzeitig kommunizieren kann." (Lesen Sie hier: Löwen im Trainingslager - Mit Sorgen gen Süden)


Scharold: "1860 ist nach wie vor ein krankes Unternehmen"

Zuletzt hatte Gorenzel angekündigt, dass er von Scharold in den nächsten Tagen eine Aussage erwartet, welches Budget für den Kader der Saison 2019/20 zur Verfügung steht. Scharold fordert in diesem Zusammenhang, dass der Klub sein "strukturelles Defizit angeht. Denn: "1860 ist nach wie vor ein krankes Unternehmen. Das muss man einfach feststellen. Das ist auch ganz klar der Grund, warum Günther Gorenzel heute noch auf sein Budget wartet. Weil wir immer noch über die Frage reden: Wollen wir dieses Budget aus den vorhandenen Mitteln generieren? Oder wollen wir - mit dem Ziel, irgendwann den Status quo aus den operativen Einnahmen decken zu können - den Zeitraum, bis wir das schaffen, mit Gesellschaftermitteln überbrücken?"

Scharold: "1860 ist der Klub der Stadt"

Der 38-Jährige macht in erster Linie auch die schlechte Stimmung für die Unruhe bei den Löwen verantwortlich. Scharold: "Ich sehe im Umfeld von 1860 immer nur Leute, die sich die Fragen stellen: Warum läuft es nicht? Wer ist schuld daran? Wo ist heute Chaos? Wo kann ich morgen Chaos erwarten? Und leider bekommt man im Leben immer nur die Fragen beantwortet, die man sich stellt. Wir müssen also die Fragestellung ändern: Wo können wir mit 1860 hinkommen? Sechzig hat so viele Möglichkeiten! Wir haben in der Regionalliga Bayern gespielt und bundesweit deutlich an Sympathie gewonnen." 


Als einen Stadtteilklub nimmt Scharold den TSV 1860 auf keinen Fall wahr - im Gegenteil: "1860 ist ein Verein im Herz von München. 1860 ist der Klub der Stadt. Mit einem Stadion mitten in der Stadt, das uns gut getan hat - zumindest kurzfristig. Sechzig hat gezeigt, dass Leute zusammenhalten."

Der Löwen-Geschäftsführer kann sich dabei einen Seitenhieb auf den FC Bayern nicht verkneifen. Sechzig habe gezeigt, dass es feiern könne: "Dass es sich freuen kann über den Aufstieg aus der vierten in die dritte Liga. Und zwar so sehr, wie sich ein anderer Klub aus der Stadt nicht einmal über die deutsche Meisterschaft freuen kann."

 

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