Lichterkette am Montag Drohungen gegen Organisator von Demo #WehretdenAnfängen

Eine Lichterkette, ähnlich der von 1992 in München, das versucht Benjamin David (r.), Organisator der Demonstration #wehretdenanfängen, am Montag auf die Beine zu stellen. Foto: imago/Werek/Gabriela Neeb/AZ

Am Montag wird in München unter dem Motto #WehretdenAnfängen demonstriert. Zuvor spricht einer der Organisatoren über seine Beweggründe und warum er sich in München nicht mehr sicher fühlt.

München - Eine Lichterkette wie 1992 mit modernen Mitteln, das planen die Organisatoren von #WehretdenAnfängen am Montag an der Maximiliansbrücke. Mehr als 400.000 Menschen versammelten sich damals zu einer Lichterkette, es war die bislang größte Demonstrationen gegen Ausländerhass in Deutschland. Ein Zeichen gegen Rassismus und für Demokratie wollen auch die Veranstalter der Lichterkette 2.0 unter dem Motto #WehretdenAnfängen am Montag setzen. Wie kam es zu der Idee? Die AZ hat mit Benjamin David, einem der Organisatoren und Sprecher der Urbanauten, gesprochen.

David war nach AfD-Veranstaltung "völlig schockiert"

Dessen Idee geht nicht bis 1992 zurück, ein konkreter Anlass aus der jüngsten Vergangenheit hat David zur Anmeldung der Versammlung bewogen: Der Landtagswahlkampfabschluss der AfD am 13. Oktober in Wambach (Gmd. Taufkirchen) - zu der auch Alice Weidel kam. Dort hatte David vor dem Wirtshaus eine kleine Gegendemonstration angemeldet. Der Auftritt von Weidel verlief nicht reibungslos, David selbst wurde kurzzeitig auf Geheiß des AfD-Erding-Chefs von der Polizei festgehalten. Der Tag ist ihm aber aus einem anderen Grund in Erinnerung geblieben: "Ich war völlig schockiert zu sehen, was für hochaggressive Nazis aus Chemnitz und Dresden dort aufgetreten sind", sagt David. Er berichtet außerdem von uniformierten Skinheads bei der Veranstaltung. 

Nach der AfD-Veranstaltung ging es für den in Kulturkreisen wohlbekannten Münchner aber erst richtig los: Ein YouTuber, der von der Veranstaltung berichtet, hielt den Tag filmisch fest und stellte das Video anschließend unter dem Titel "Dr.Alice Weidel trifft in Wambach-Erding auf wirre Demonstranten" ins Netz. Mehr als 36.000 Menschen haben das Video angeschaut.

Verbale Attacken kumulieren in Drohungen

Mehrfach zeigt der YouTuber die Gegendemonstranten und attackiert Benjamin David persönlich, in dem er ihm rät eine therapeuthische Einrichtung aufzusuchen. Die Kommentatoren unter dem "Hassvideo", wie David es nennt, stoßen in ein ähnliches Horn. Auch in den sozialen Medien hat das Video hohe Wellen geschlagen - zum Nachteil von David. Mit der Veröffentlichung begannen die Drohungen gegen ihn und seine Familie. Der Sprecher der Urbanauten hat mehrere Strafanträge gestellt, bestätigt die Polizei.

Das Kommissariat 44, das für Verbrechen mit politischem Hintergrund zuständig ist, habe mit ihm über Schutzmaßnahmen für sich und seine Familie gesprochen, sagt er. Derzeit hält er sich nicht in der Stadt auf. Sowohl er als auch seine Frau haben zu viel Angst. Doch aufgeben kommt für David nicht in Frage: "Ich habe schon immer politisch getickt. Aber sehr viele Menschen in München müssen sich nun die Frage stellen, ob sie sich klein machen oder dagegen stellen wollen."

Künstlerische Weiterentwicklung der Lichterkette

Die Demonstration unter dem Motto "Wehret den Anfängen"  ist am Montag zwischen 19 und 22 Uhr für 3.000 bis 10.000 Personen angemeldet. Der Lichtkünstler Ulrich Tausend und der Fotograf Rainer Viertlböck werden ein sogenanntes Lightpainting-Bild mit den Demonstrationsteilnehmern machen - sozusagen eine künstlerische Weiterentwicklung der Lichterkette von 1992. Eine Reihe von Musikern, darunter auch die Künstler mit Herz, die mit ihrem Anti-AfD-Song einen viralen Hit gelandet haben, werden am Montag auftreten. Benjamin David betont in dem Zusammenhang allerdings, dass sich die Demo nicht gegen eine bestimmte Partei richtet, sondern gegen Rechtsextremismus im Allgemeinen. Als Rednerin hat sich unter anderem Natascha Kohnen (SPD) angemeldet.

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