Leopoldstraße Neues Wohnviertel: Das planen die Macher im "Schwabinger Tor"

So soll das neue Quartier "Schwabinger Tor" aussehen. In dieser Architektur soll ein kreatives Umfeld entstehen, versprechen die Macher des Projekts. Klicken Sie sich durch die Bilderstrecke. Foto: Jost Hurler

Das "Schwabinger Tor" an der Leopoldstraße ist als neues Kreativ-Viertel geplant - mit rund 200 Mietwohnungen sowie Ateliers, Manufakturen und einem eigenen Wochenmarkt

 

Schwabing - Das Versprechen ist alles andere als bescheiden: Die schillernde Wiederauferstehung des Besten, was Schwabing je war. Ein buntes Kreativ-Viertel mit neuen Wohnungen zu erschwinglichen Preisen, tollen Lokalen und Geschäften und einem Spitzenhotel. Allesamt autofrei und in perfekter Lage.

So vollmundig wird das "Schwabinger Tor" angepriesen. Das Stadtquartier, das bis 2017 an der Leopoldstrasse entstehen soll. Dort, wo bis vor zwei Jahren das Hotel Holiday Inn und der Metro-Markt waren und wo früher das erfolglose Freizeit- und Einkaufszentrum "Schwabylon" lag.

Verantwortlich für das Projekt ist die Jost Hurler Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft. Deren Geschäftsführer Wolfgang Müller verspricht ein "urbanes, internationales und zukunftssicheres Quartier". Das soll so aussehen:

  • Etwa 200 Wohnungen, die meisten zu erschwinglichen Preisen, etwa 20 davon als geförderter Wohnraum, natürlich aber auch Penthouses.
  • 50 moderne Büros, von denen keines mehr als 300 Quadratmeter haben soll.
  • 25 Geschäfte, Manufakturen, Restaurants und Ateliers sowie ein Wochenmarkt.
  • ein Hotel ("Lifestyle Boutique") der Gruppe Hyatt.
  • 900 unterirdische Parkplätze - und ansonsten keine Autos im Quartier, dafür Bike-Sharing und Segways.
  • zwei Tramhaltestellen
  • eine unterirdische Ver- und Entsorgung und damit auf den Strassen weder Lieferverkehr noch Müllabfuhr.
  • auf insgesamt 89 000 oberirdischen Quadratmetern Nutzungsfläche und zwei Untergeschossen mit 67 000 Quadratmetern sollen 1500 Menschen leben und arbeiten.

Das "Schwabinger Tor" soll sich in vielen Punkten von anderen Neubau-Projekten unterscheiden: "Es soll kein Luxus-Quartier werden", sagt Wolfgang Müller. "Wir wollen eine maximal durchmischte Klientel. Das Prinzip des Teilens ist dabei sehr wichtig." Deshalb würden auch keine Eigentumswohnungen verkauft, man könne nur mieten.

Geplant sind sogar unterstützende Miet-Modelle: Wer ein Penthouse im "Schwabinger Tor" mietet, finanziert damit einen Teil der Miete eines Künstler-Ateliers. So solle "die historische Tradition des Boheme-Viertel aufgegriffen" und Schwabing wieder attraktiver für Kreative werden, die zur Zeit eher Städte wie Berlin vorziehen würden.

Mit dem Projekt wollen die Macher Talente in Schwabing ansiedeln. Die würden sich bisher in München nicht so wohlfühlen. "München hat ein Toleranz-Defizit", meint Unternehmensberater Bernd Thomsen, der für Jost Hurler erforscht hat, was die Münchner von einem neuen Viertel erwarten: "Laut unserer Untersuchung werden hier Toleranz und Vielfalt vermisst, genauso wie Kunst und Kultur."

Um die Gestaltung haben sich vor allem Münchner Architekten gekümmert. Auch sie soll das moderne, offene Bild des Quartiers unterstützen und so etwas wie den Leopoldstrassen-Flair zurückbringen, den viele Münchner vermissen würden - auch wenn erste Reaktionen auf az-muenchen.de nicht eben euphorisch ausfallen.

"Der Norden des Quartiers soll Anfang 2016 fertig sein, der Süden Ende 2016 und das Hotel zur Wiesn 2017", sagt Albert Heinermann, ebenfalls Geschäftsführer bei Jost Hurler. Preise stehen noch nicht fest. Das Unternehmen investiert rund 400 Millionen Euro in das "Schwabinger Tor". Der Name gehe zurück auf ein Stadttor des Mittelalters, das 1319 erstmals erwähnt und 1817 abgerissen wurde.

In den nächsten Jahren soll dort also der Traum eines Viertels entstehen. Und dafür ist den Machern des Projekts keine Behauptung zu vollmundig. Sie sagen sogar: "Hier wäre Prinzregent Luitpold sicher Mieter geworden."

 

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