Landtagswahl 2013 Wahlkampf: Buhlen um die Mieter

Wahlkämpfer Florian von Brunn (SPD) schenkt einer Münchnerin eine Rose. Foto: Daniel von Loeper

 Im Stimmkreis Giesing verteidigt Andreas Lorenz (CSU) sein Direktmandat gegen Florian von Brunn (SPD)

 

Giesing - Giesing, das sind nicht nur Fußball-Legenden aus dem 60er Stadion, die idyllischen Isarufer oder Stadtautobahnen, die den Süden drangsalieren und durchschneiden. Giesing ist auch (neben Schwabing) einer der politischsten Stimmkreise in München. Fünf Landtagsabgeordnete sitzen für Giesing aktuell im Landtag. Die SPD hat dort seit Generationen eine linke Kaderschmiede. Jetzt verteidigt Andreas Lorenz (CSU) sein Direktmandat gegen den SPD-Neuling Florian von Brunn und die Abgeordneten Michael Piazolo (FW) und Julika Sandt (FDP).

Nichts ist dort jetzt unmöglich: Die CSU büßte bei der Landtagswahl 2008 17,3 Prozent der Stimmen ein, die SPD drei Prozent. Adelheid Rupp (SPD – sie tritt nicht mehr an) fehlten nur 2347 Stimmen (2,8 Prozentpunkte) auf Lorenz. Die Grüne Claudia Stamm errang 15,9 Prozent. Heute kandidiert die Grüne für Rosenheim Ost, ist aber für die Konkurrenz weiter gefährlich: Sie wildert in ihrem alten Viertel, wo sie ständig präsent ist. Hier gibt es für sie eben mehr Stimmen zu holen.

„Ich kann mich nur voll ins Zeug legen, und das mache ich“, meint Florian von Brunn (44, SPD, zwei Kinder in einer Lebensgemeinschaft). Giesing sei „eigentlich ein guter Stimmkreis für die SPD“. Aber Adelheid Rupp hat ihn verloren – auch da sie im vorigen Wahlkampf wenig vor Ort war, weil sie bayernweit unterwegs sein musste.

Brunn gehört zur Parteilinken, und er versteht sich auch mit Blick auf das immer größer werdende München als Wachstumskritiker. „Wachstum ist kein Selbstzweck, denn es bringt auch Nachteile mit sich: eine höhere Verdichtung in den Wohnbereichen, die Grünzonen geraten unter Druck, und es gibt mehr Autoverkehr. Viele Ältere sagen mir, dass sie ihr Viertel nicht mehr wiedererkennen.“ Dabei gehören auch der Mieterschutz (von Brunn ist im Mieterbeirat der Stadt) und bezahlbare Wohnungen zu seinem Kernprogramm.

Und: der Schutz der Isar. „Ich halte die Forderung nach einer intensiveren Nutzung für absurd. Die Isar wird derzeit an einigen Stellen viel zu stark genutzt. Für die damit verbundenen Probleme gibt es keine Lösungen, nicht einmal vernünftige Konzepte.“ Bevor „hochtrabende Pläne“ für die Isar entwickelt werden, müsse das Müllproblem gelöst und die Anlieger „ernst genommen werden“.

Sein Kontrahent Andreas Lorenz (CSU, 42, verheiratet, eine Tochter) steht auch für klare Worte. Als es um die Moschee am Gotzinger Platz ging, organisierte er mit den Widerstand. Und in der CSU-Landtagsfraktion legte er sich sogar mit Horst Seehofer an: Er griff den Ministerpräsidenten wegen des Verkaufs der GWG-Wohnungen scharf an. Das schade der CSU, die mühsam darum kämpft, von Mietern unterstützt zu werden.

„Als Großstädter haben wir im Landtag zu manchen Themen eine differenzierte Haltung“, sagt er: zum Beispiel beim Mietrecht, für Erhaltungssatzungen oder bei der Sperrzeit. Da knirscht es regelmäßig mit den Kollegen vom Land.

Der Christsoziale hat drei zentrale Themen: Mittelstand, Integration von Ausländern und Verbraucherschutz. Er kennt die Probleme im Viertel: Lorenz war zwölf Jahre im Stadtrat, und er ist noch im Bezirksausschuss aktiv. „Die Menschen interessieren sich am meisten für die lokalen Themen und machen keinen Unterschied, ob man im Stadtrat oder Landtag ist. Und der beste Wahlkampf ist immer noch, wenn man in all den Jahren für die Menschen ansprechbar ist.“

Am Mittwochabend, 11. September,  stellen sich Lorenz und von Brunn im öffentlichen Wettstreit: ab 19.45 Uhr bei der Kolpingfamilie im Pfarrheim Hl. Kreuz in der Unteren Grasstraße 16.

 

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