KZ-Gedenkstätte Dachau Kameras sollen Diebstähle verhindern

Um Diebstähle und Schmierereien zu verhindern, werden an der Gedenkstätte jetzt Kameras angebracht. Die Einführung der Videoüberwachung ist ein Paradigmenwechsel.

München/Dachau Es ist keine unumstrittene Entscheidung: An der KZ-Gedenkstätte Dachau wird es künftig Videoüberwachung geben. Wie diese ausgestaltet werden soll, steht noch nicht fest. Die Verantwortlichen wollen sensibel vorgeben – um der Besonderheit des Orts gerecht zu werden.

Vor dem 2. November wäre die Entscheidung schier undenkbar gewesen: Doch der Diebstahl des mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ versehenen historischen Tors an der KZ-Gedenkstätte in Dachau hat die Diskussion um die Sicherheit an diesem sensiblen Erinnerungsort in eine neue Richtung gelenkt.

„Es ist schon ein Stück Philosophiewechsel, aber es ist geboten“, sagte der Vorsitzende des Stiftungsrats der Bayerischen Gedenkstätten, Ludwig Spaenle (CSU) am Montag bei der Vorstellung der Pläne.

Videoüberwachung wurde bislang im 12-köpfigen Stiftungsrat vor allem von Opfer- und Hinterbliebenen-Vertretern abgelehnt. An dem Ort, der heute noch an das Grauen des NS-Überwachungsstaats erinnert, Kameras aufzustellen, löste bei vielen ein ungutes Gefühl aus. Durch den Diebstahl scheinen diese Bedenken nun vom Tisch: Der Stiftungsrat sprach sich einstimmig für die Maßnahme aus.

Immer noch herrscht Fassungslosigkeit darüber, wie es Unbekannten gelingen konnte, völlig unbehelligt das 100 Kilogramm schwere Tor zu stehlen. Von den Tätern fehlt bis heute jede Spur. Weder eine ausgeschriebene Belohnung von 10 000 Euro, noch ein Aufruf in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ brachten Ergebnisse. Derartige Taten sollen durch die Videoaufzeichnungen künftig erschwert werden.

Schon jetzt werden in der Gedenkstätte mehr Sicherheitspersonal eingesetzt und mehr Streife gefahren.

Einen genauen Zeitplan für das neue Sicherheitskonzept gibt es noch nicht. Derzeit berät die Stiftung mit Polizei und Baubehörden das genaue Vorgehen. Wahrscheinlich ist, dass Kameras an den Ein- und Zufahrten angebracht werden.

Sicher ist aber auch: Es muss sensibel vorgegangen werden. „Kameras an ehemaligen Wachtürmen verbieten sich“, sagte Stiftungsdirektor Karl Freller. Nicht nur deswegen wird es eine schwierige Aufgabe, das Gelände zu sichern: 20 000 Quadratmeter umfasst allein die Gedenkstätte Dachau, dazu kommt Flössenburg, für das Freller ebenfalls zuständig ist. Deshalb weiß auch der Stiftungsdirektor: „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.“

 

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