Kreuz am Sendlinger Tor Jesus abgerissen: Religiöser Tat-Hintergrund?

Die zerstörte Jesusfigur liegt auf dem Boden. Arme und Beine sind abgerissen. Foto: rah/Wieland Brauer

Der Täter ist offenbar geistig verwirrt. Der 38-jähriger Türke sitzt inzwischen in Haar in der Psychiatrie. Die Polizei prüft, ob die Tat einen religiösen Hintergrund hat.

 

Die Nische am Sendlinger Tor ist leer. An dem dunkelroten Kreuz hängt nur mehr der abgerissene rechte Arm der Jesusfigur. Ein 38-Jähriger aus dem Westend hat die lebensgroße Statue im Wahn am Samstagmittag heruntergerissen und zerstört.

Tief ins Gebet versunken, kniet am Sonntag eine Münchnerin vor dem geschändeten Kreuz. Sie hat Tränen in den Augen. „Ich kann nicht begreifen, warum jemand das Bildnis unseres Heilands zerstört“, sagt eine Passantin und stellt eine brennende Kerze ab.

Das Entsetzen über den religiösen Frevel ist groß.

„Es macht wirklich sprachlos, was hier am Sendlinger Tor passiert ist!“, schreibt CSU-Stadtrat Richard Quaas auf seiner Facebookseite. „Wir kämpfen für ein weltoffenes München. Und so etwas, ist die Antwort darauf! Hier wurde unsere ganze freiheitlich-demokratische Gesellschaft in ihrer ganzen Toleranz mit Füßen getreten!“

„Solch eine Sauerei“, kommentiert Wieland Brauer auf Facebook. „Bei so einem Angriff auf die Religion, braucht es auch keinen Rechtsanwalt der diese Aktion verteidigt! Der Angeklagte muß ohne Rechtsbeistand verurteilt werden“, fordert Kurt Bauer.

Ein Freinachtscherz von betrunkenen Jugendlichen?, Besoffene?, Vandalen?, Irre?, mutmaßen manche. Letzteres scheint der Fall zu sein.

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Die Polizei nahm einen 38-Jährigen Türken aus dem Westend fest. Mit einem Küchenmesser in der Hand lief der Mann am Sendlinger Tor herum. Plötzlich ging er auf den Jesus los. „Da macht einer das Kreuz kaputt“, meldeten Geschäftsleute über den Polizeinotruf.

Mit brachialer Gewalt riss der Mann an der Figur herum, bis Beine und Arme abbrachen. Als sie zerstört am Boden lag, schnappte sich der 38-Jährige einige Blumenvasen aus der Nische und warf sie nach Passanten. Anschließend lief er in Richtung Sonnenstraße.

„Der Mann stammelte wirres Zeug und war nicht mehr ansprechbar“, sagt Polizeisprecher Sven Müller. Eine Streife gelang es, ihn zu entwaffnen. In Handschellen gefesselt kam er in die Psychiatrie nach Haar.

Unklar ist, ob die Schändung der Jesusfigur religiös motiviert war. „Wir überprüfen das. Der Mann scheint psychisch krank zu sein“, sagt Sven Müller. Bisher gibt es keine Hinweise auf einen religiösen Hintergrund, oder darauf, dass der Täter Kontakt zu Radikalen aus der islamistischen Szene hat.

Der 38-Jährige ist wegen Fremdgefährdung auf der geschlossenen Abteilung in Haar untergebracht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Die Trümmer der Jesusfigur lagern in der PI 11.

Bereits am Maifeiertag war der Mann aufgefallen. Bei der DGB-Kundgebung auf dem Marienplatz pöbelte er einige Besucher an und bespuckte sie.

 

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