Kommunalwahl in Bayern Fürstenfeldbruck: CSU-Landrat nutzt Hitler-Gesetz zum Feiern

Keine Skrupel im Wahlkampf: CSU-Landrat Thomas Karmasin zelebriert den 1. Januar 1939 als Geburtstunde des Landratsamts FFB. An diesem Tag haben die Nazis die kommunale Selbstverwaltung abgeschafft und die Arisierung eingeleitet. Foto: dpa

Thomas Karmasin rief für das Landratsamt das 75. Jubiläum aus - ein Nazi-Datum. Offiziell sind Bayerns Landratsämter 152 Jahre alt.

 

MÜNCHEN/FÜRSTENFELDBRUCK Schon wieder Ärger mit einem CSU-Landrat. Nach dem 120000 Euro teuren Geburtstagsfest für den Miesbacher Landrat Jakob Kreidl sorgt jetzt in Fürstenfeldbruck ein ungewöhnliches Jubiläum für Aufsehen: Acht Wochen vor den Kommunalwahlen feierte Landrat Thomas Karmasin den 75.Geburtstag seines Landratsamtes und damit sich selbst. Als Datum für das Wiegenfest beruft er sich auf den 1. Januar 1939. An diesem Tag hatten die Nazis nicht nur den letzten Rest der kommunalen Selbstverwaltung beseitigt und im ganzen Land die Bezirksämter in Landratsämter umgetauft. Ab diesem Stichtag war deutschen Juden das Betreiben von Einzelhandelsgeschäften und Handwerksbetrieben untersagt.

Jetzt muss sich der bayerische Landtag mit dem Jubiläum befassen. Denn offiziell gilt als Geburtsstunde der Landratsämter der 1. Juli 1862. So hatte der Freistaat gemeinsam mit dem Bayerischen Landkreistag vor zwei Jahren mit einem großen Festakt und zahlreicher Prominenz 150 Jahre bayerische Landratsämter zelebriert. „150 Jahre bayerische Landratsämter - das ist eine Erfolgsgeschichte, auf die wir alle stolz sein dürfen“, erklärte Innenminister Joachim Herrmann damals. Festredner war der ehemalige Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns, Hermann Rumschöttel. „Vor 150 Jahren, 1862, schlug die Geburtsstunde der Landratsämter“, sagte er.

Die hat Fürstenfeldbrucks CSU-Landrat Karmasin einfach um 77 Jahre in die Nazi-Zeit verschoben. Der braune Termin passt besser zur Kommunalwahl am 16. März. So konnte sich der konservative Politiker, der seit 18 Jahren den Landkreis regiert, geschickt auf Kosten der Steuerzahler präsentieren. Die Sonderveröffentlichungen in den lokalen Zeitungen, die durch Anzeigen kommunaler Unternehmen mitfinanziert wurden, umfassen bis zu 40 Seiten. Zu denen sagt der Landrat per Interview: „Und anlässlich unseres Jubiläums möchte ich das Landratsamt Fürstenfeldbruck als modernes Dienstleistungsunternehmen präsentieren.“

Peinlich ist Karmasin das Nazi-Datum keineswegs. Auf einen Protestbrief des SPD-Kreisrats Peter Falk antwortete der Landrat mit einer eigenartigen Interpretation der Geschichte: „Ihre Meinung, dass nur Jubiläen begangen werden sollten, die auf demokratischen Ursprung zurückgehen, kann ich nicht teilen, weil dann betrüblicherweise ein zu großer Teil an Anlässen entfiele. Denken Sie nur an die vielen Feiern zum Gedenken an 150 Jahre Gründung der SPD im Kaiserreich!“

„Unsäglich und bodenlos“ findet die SPD das und fordert nun eine offiziellen Entschuldigung für die Gleichsetzung ihrer Gründung mit einem Akt der Nazis. Der Landtag soll nun auf Anfrage des Fürstenfeldbrucker SPD-Abgeordneten Herbert Kränzlein klären, wie viel dieses „absurde“ Jubiläum den Steuerzahler gekostet hat und ob es sich dabei nicht um unerlaubte Wahlwerbung handle.

 

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