Kita-Versorgung um München „Mit Hängen und Würgen“ - Kita-Plätze in Holzkirchen

Elisabeth Kudlorz mit ihrem Sohn Toni vor der neuen Kinderkrippe "Frühlingsdorf" in Holzkirchen. Foto: dpa

Die Alpen vor der Haustür, Arbeitsplätze vorhanden – und sogar Krippenplätze gibt es in Holzkirchen. Die oberbayerische Gemeinde wird den gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder zum 1. August wohl erfüllen können, wenn auch nur knapp.

 

Holzkirchen (dpa) – Unbekümmert blinzelt Toni in die Sonne. Mit dem Schnuller im Mund hängt der knapp zehn Monate alte Säugling im Arm seiner Mutter, die sich schon einmal in der neuen Kinderkrippe „Frühlingsdorf“ der oberbayerischen Gemeinde Holzkirchen umsieht. Noch ist das Gebäude mit dem zukünftigen Betreuungsplatz für den Sohn der Realschullehrerin eine Baustelle, doch Mitte September muss alles fertig sein. Dann will Elisabeth Kudlorz in ihrem Beruf wieder durchstarten. „Ich bin total froh, dass es auf Anhieb geklappt hat mit einem Krippenplatz für Toni“, sagt die 37-Jährige.

Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um den gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz zwischen erstem und drittem Lebensjahr zum Stichtag 1. August erfüllen zu können. Zuletzt wurden zwei neue Kinderkrippen in wenigen Monaten Bauzeit förmlich aus dem Boden gestampft. Noch haben zwar nicht alle Eltern in der gut 16 000 Einwohner zählenden Kommune am Alpenrand einen Krippenplatz. „Aber mit Hängen und Würgen werden wir es bis September hinbekommen“, ist Maria Korell zuversichtlich.

Die Erzieherin koordiniert im Ort die Zuteilung der Betreuungsplätze. Die angestrebte Vollversorgung hat freilich ihren Preis: Etliche Gruppen werden mehr Kinder haben als pädagogisch erwünscht ist. Doch niemand wird aller Voraussicht nach einen Krippenplatz einklagen müssen.

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Laut Sozialministerium in München stellen die Kommunen bayernweit rund 100 000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung – womit für die Hälfte aller Kleinen ein Betreuungsplatz vorhanden sei. Weitere 10 000 Plätze sind demnach bereits bewilligt - und das, obwohl die CSU das Betreuungsgeld gegen Widerstände auch in der CDU durchgesetzt hat, um einen finanziellen Anreiz für die Erziehung daheim zu schaffen.

Die Eltern in dem 30 Kilometer südlich von München gelegenen Holzkirchen reißen sich um die 525 Kindergarten- und 114 Krippenplätze. Knapp 50 Plätze bei 17 Tagesmüttern kommen dazu. Schließlich ist die Gemeinde nicht nur wegen ihrer Nähe zum Tegernsee beliebt, sie bietet auch attraktive Arbeitsplätze. Allein das Pharmaunternehmen Sandoz beschäftigt in Holzkirchen 1300 Mitarbeiter, der Elektrokonzern Panasonic mit seinem Europasitz 230.

„Unsere Beschäftigten kommen aus ganz Deutschland, ja mittlerweile aus der ganzen Welt“, berichtet Helmut Fabry, Deutschland-Chef von Sandoz. „Außerdem haben wir einen hohen Anteil hoch qualifizierter Frauen. Da gehört es für uns zu den ganz wesentlichen Standortfaktoren, dass ausreichend Kindergartenplätze und ein breites Bildungsangebot vorhanden sind.“

Die Frauen wollen rasch nach der Babypause wieder an ihren Arbeitsplatz zurück. „80 Prozent der Anmeldungen für einen Krippenplatz kommen während der Schwangerschaft“, weiß Korell. Geld spielt dabei kaum eine Rolle. Immerhin zwischen gut 250 und fast 560 Euro je nach Einkommen der Eltern verlangt die Gemeinde für einen Krippenplatz bei voller Belegungszeit.

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Auch der evangelische Kindergarten Hollerbuch startet im Herbst mit einer Kinderkrippe. „Wir freuen uns auf die Herausforderung“, sagt Leiterin Anette Husung mit Blick auf die Baustelle neben der Segenskirche. Immer wieder hatten Eltern in dem viergruppigen Integrationskindergarten gefragt, ob nicht eine Krippe angebaut werden könne. Nun errichtet die Gemeinde auf Kirchengrund eine Krippe mit Platz für 15 Kinder.

Zweieinhalb Millionen Euro kosten die beiden neuen Kinderkrippen in Holzkirchen, deren Einweihung sich Bürgermeister Josef Höß (CSU) nicht entgehen lassen will. Doch der Rathauschef sucht schon ein Grundstück für die nächste Kindertagesstätte. „Der Bedarf an Betreuungsplätzen wird steigen“, glaubt Höß. Ein weiteres Industriegebiet ist im Entstehen. Neue Arbeitsplätze, neue Einwohner, neuer Nachwuchs – das Kinderkarussell dreht sich in Holzkirchen munter weiter.

 

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