Kein Verkehr am Gärtnerplatz Im Glockenbachviertel: Freie Bahn für Fußgänger?

Ziemlich viel Verkehr: In den Sommermonaten sollen Autos und Radler nicht mehr durch die Reichenbachstraße fahren können. Foto: Bernd Wackerbauer

Die Reichenbachstraße soll zur Fugängerzone werden – fordern FDP und Hut. Die Idee ist zwar nicht neu, heuer wird's aber wohl nix mehr.

München - Der Verkehr muss fließen! Lange Zeit hatten Autos in Sachen Stadtgestaltung buchstäblich Vorfahrt. Inzwischen stellen sich Planer und Bürger gleichermaßen die Frage: Wie viel Raum darf der motorisierte Verkehr in einer wachsenden Stadt wie München einnehmen? Oder anders: Gibt es Straßenzüge, die gänzlich Fußgängern überlassen werden könnten?

Die gibt es, sagt die Stadtratsfraktion aus den Parteien FDP und Hut. Mit einem Pilotprojekt wollen die Abgeordneten zwei Stellen im Glockenbachviertel temporär für den Verkehr sperren. Bis zum Ende der Sommerferien soll in der Reichenbachstraße zwischen Gärtner- und Reichenbachplatz sowie in der Thalkirchner Straße auf Höhe von Müller- und Fliegenstraße keine Durchfahrt mehr möglich sein. (Lesen Sie auch: Grüne für autofreie Augustenstraße)

"Die Aufenthaltsqualität in Innenstadtrandbereichen zu verbessern, sollte an ein paar Beispielen ausprobiert werden", sagt Thomas Ranft (FDP). Während der Sommermonate könnten Restaurants so ihre Terrassen erweitern, Fußgänger würden animiert mehr Zeit im Freien zu verbringen. Für den Lieferverkehr sollen Regelungen analog der bestehenden Fußgängerzonen gefunden werden. Die Zufahrt zu privaten Garagen solle gewährleistet sein.

Verkehrsfreier Gärtnerplatz: Pläne sind nicht neu

Während die Reichenbachstraße für eine begrenzte Zeit dicht gemacht werden soll, sieht die Planung für die Thalkirchner Straße eine dauerhafte Umgestaltung zur Fußgängerzone vor. Die städtebauliche Situation sei "eine Zumutung und verlangt nach Aufwertung", schreiben FDP und Hut. Anstelle einer Fahrbahn könne ein sehr schöner kleiner Platz entstehen. "Die Erfahrungen mit den temporären Fußgängerzonen sollen dem Stadtrat dargelegt werden", sagt Ranft. Damit das Gremium besser über ähnliche Projekte entscheiden kann.

Dabei sind derartige Pläne für den Gärtnerplatz keinesfalls neu. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) etwa wünscht sich schon lange ein sternförmiges Netz aus verkehrsberuhigten Zonen für Fußgänger durch die Innenstadt. Eine dieser Fußgängermagistralen würde den Odeonsplatz über Marienplatz und Gärtnerplatz mit der Reichenbachbrücke verbinden.

Auch im Bezirksausschuss steht das Verkehrsaufkommen rund um das begrünte Rondell immer wieder auf der Tagesordnung – zuletzt 2015. Damals wurde über die Reichenbachstraße debattiert. Der Bezirksausschuss hatte die Anwohner zur Situation vor Ort befragt und mehrere Lösungsvorschläge präsentiert: Auch eine Fußgängerzone zwischen Gärtner- und Reichenbachplatz stand zur Auswahl, ebenso wie eine Sackgasse oder temporäre Sperrungen. "Leider ergab sich keine Mehrheit für eine Veränderung", sagt BA-Chef Alexander Miklósy (Rosa Liste).

Stadtrat: Zustimmung für sogenannte Sommerstraßen

Einer aktuellen Bürgerinitiative, die auf der Online-Plattform "openpetition.de" veröffentlicht wurde, steht er dennoch positiv gegenüber. "Ich halte die Zielsetzung, Gesundheit, Nachbarschaft und Lebensqualität zu verbessern für absolut unterstützenswert."

Mehr als 460 Menschen (Stand: 29.05, 17 Uhr) haben bei dem Projekt bereits unterschrieben, das vorsieht den Gärtnerplatz schrittweise in eine Fußgängerzone umzuwandeln. "Autoverkehr sowie Parkplätze könnten aus dem gesamten Gärtnerplatzviertel verbannt und durch Fußgänger- und Radverkehr, Grünflächen und Platz für Aufenthalt und Begegnung ersetzt werden", schreibt Initiatorin Audrey Nickel. Die Anwältin sähe am Gärtnerplatz einen geeigneten Experimentierraum für die Mobilitätswende.

Im Planungsreferat ist die Begeisterung für dieses Konzept verhalten. Straßensperrungen hält ein Sprecher des Referats für schwierig und verweist auf die Situation mit den Bussen, Schulen und dem Lieferverkehr. Darüber hinaus müsse die Umsetzbarkeit erst mit KVR und Baureferat abgestimmt werden.

Grundsätzlich herrscht im Stadtrat Zustimmung für die Sommerstraßen – Straßen, die während des Sommers für Autos gesperrt bleiben. So haben CSU und SPD die Verwaltung beauftragt, mögliche Areale für temporäre Fußgängerzonen zu finden. Heuer wird's damit allerdings nichts mehr. Bis Anfang Oktober soll die Verwaltung eine Liste vorlegen.

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