Kampf gegen Behörden Neue Details zum Fall Peggy: Betreuerin auf Angriffskurs

Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy auf dem Friedhof in Nordhalben (Bayern). Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Gudrun Rödel ist die Betreuerin von Ulvi K., der einst für den Mord verurteilt worden ist. Sie verteidigt ihn und kämpft gegen Behörden.

 

Bayreuth - Für ihre Unterstützer ist Gudrun Rödel (70) ein Star. Sie habe dafür gesorgt, dass der geistig behinderte Ulvi K. (41) nicht mehr mit dem Makel leben muss, ein verurteilter Mörder zu sein.

Strafanzeigen gegen "Soko Peggy"-Ermittler erstattet

Rechtsanwältin Hanna Henning hat im Auftrag von Rödel gerade eine ganze Serie von Strafanzeigen und Dienstaufsichtsbeschwerden erstattet. Sie richten sich gegen die Ermittler der "Soko Peggy", Kriminalbeamte und Staatsanwälte, und deren Dienstvorgesetzte. Den Gutachter, der Ulvi K. als Mörder ansah und entscheidend dazu beitrug, dass er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, hat sie außerdem auf 350.000 Euro Schadensersatz verklagt.

Unfähigkeit und Korruption von der Ermittlungsebene bei Polizei und Staatsanwaltschaft bis ganz nach oben, bewusste und systematische Rechtsverletzung, Manipulationen, Lug und Betrug: Das sind die Parameter, die nach Ansicht von Rödel dafür sorgen, dass der Mordfall wunschgemäß ungelöst bleibt. Eine Verschwörung im Staatsapparat? Die Betreuerin lässt daran keinen Zweifel, wie unzähligen Facebook-Kommentaren und Posts von ihr zu entnehmen ist.

Peggy: Fuhr ein Unbekannter zu ihren Eltern?

Zum Verschwörungsszenario gehört zum Beispiel ein unbekannter Mann, der am Tattag mit dem Taxi zur Wohnung von Peggys Familie gefahren sein soll. Wird er tatsächlich von den Behörden gedeckt, wie Rödel behauptet? Norbert Rank, Stadtrat in Lichtenberg, Unterstützer von Rödel und Sprecher der Ulvi-Initiative, hat erst vor wenigen Wochen auf einer Pressekonferenz auf die vermeintliche Schlüsselrolle des mysteriösen Taxi-Kunden hingewiesen und die Ermittlungsbehörden wegen ihrer vermeintlichen Untätigkeit scharf kritisiert.

"Der Mann spielt in dem Fall keinerlei Rolle", sagte dagegen Herbert Potzel, Chef der Bayreuther Staatsanwaltschaft, der AZ. Seinen Angaben zufolge gehörte der "Mann im Taxi" einer Wandergruppe an und hatte sich wegen seines defekten Fahrrads mit dem Taxi nach Lichtenberg bringen lassen, dem Ausgangspunkt einer ganztätigen Wanderung.

Am frontalen Crashkurs von Gudrun Rödel ändern solche Erklärungen nichts. Sie fordert Potzels Ablösung, die von Kollegen und von Soko-Mitarbeitern, garniert mit Strafanzeigen und Dienstaufsichtsbeschwerden, ebenso wie den Rücktritt von Innenminister Joachim Herrmann.

Wer ist Peggys Mörder?

In ihrer Haltung bestätigt fühlt sich Gudrun Rödel durch die neuen Ermittlungen der "Soko Peggy". Sie richten sich gegen Manuel S. (41), einem früheren Nachbarn des Mädchens, der schon einmal unter Verdacht stand. Seine jetzigen Aussagen bringen Ulvi K. wieder ins Spiel – und Rödel in Rage.

Mikroskopisch kleine Pollen- und Lackspuren sind es, die Manuel S. in Bedrängnis bringen. Sie wurden im Sommer 2016 am Fundort von Peggys Leiche im Wald an der bayerisch-thüringischen Landesgrenze gefunden – und gut 15 Jahre vorher auf dem Grundstück der Familie von Manuel S. Für die Staatsanwaltschaft ist dies ein ausreichender Grund, um gegen Manuel S. wegen Mordverdachts zu ermitteln. Wegen der vergleichsweise dünnen Beweislage befindet er sich aber auf freiem Fuß.

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