Werden im Fall Peggy jemals alle Fragen geklärt?

Es ist einer der mysteriösesten Mordfälle in Deutschland. Seit 17 Jahren lastet das Verschwinden der Schülerin Peggy auf dem kleinen Ort Lichtenberg in Oberfranken. Jetzt sitzt ein Tatverdächtiger in Haft. Viele Fragen bleiben.
| Helmut Reister
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Der Fall Peggy hat Lichtenberg immer wieder bundesweit ins Scheinwerferlicht gerückt. In den vielen Jahren gab es mehrere Verdächtige, doch den Ermittlern gelang es nicht, den Fall zu lösen.
dpa Der Fall Peggy hat Lichtenberg immer wieder bundesweit ins Scheinwerferlicht gerückt. In den vielen Jahren gab es mehrere Verdächtige, doch den Ermittlern gelang es nicht, den Fall zu lösen.

Es ist einer der mysteriösesten Mordfälle in Deutschland. Seit 17 Jahren lastet das Verschwinden der Schülerin Peggy auf dem kleinen Ort Lichtenberg in Oberfranken. Jetzt sitzt ein Tatverdächtiger in Haft. Viele Fragen bleiben.

Lichtenberg - Ein ehemaliger Nachbar soll die kleine Peggy († 9) aus Lichtenberg ermordet haben (AZ berichtete). Der inzwischen 41-jährige Familienvater stand nach dem Verschwinden des Mädchens im Mai 2001 schon einmal ganz oben auf der Liste der Verdächtigen. Nachgewiesen werden konnte ihm das Verbrechen damals nicht.

Kann er auch diesmal seinen Kopf aus der Schlinge ziehen?

Der Unterschied zu den mehr als 15 Jahren zurückliegenden Ermittlungen – als noch völlig unklar war, was mit Peggy geschah – sind die Mikrospuren am Fundort der Leiche. Pollenreste, die einer bestimmten Torfart zugeordnet werden konnten, und Spuren von Lack führten erneut zu Manuel S.

Mit dem Tod von Peggy will Manuel S. nichts zu tun haben

Er hatte zum Zeitpunkt von Peggys Verschwinden Garten- und Renovierungsarbeiten auf seinem Grundstück durchgeführt und genau dieses Material verwendet.

Eine erneute Überprüfung seiner früheren Aussagen und die Auswertung einer Überwachungskamera förderten außerdem zutage, dass er sich zum möglichen Tatzeitpunkt (7. Mai 2001) – entgegen seiner Angaben – doch in Lichtenberg aufgehalten hatte.

Diese Indizien, mit denen Manuel S. im September von den Ermittlern konfrontiert wurde, führten dazu, dass er gestand, Peggys Leiche in einen Wald gebracht und dort verscharrt zu haben. Dieses Geständnis hat er inzwischen widerrufen.

Mit dem Tod des Mädchens selbst will er nichts zu tun haben. Das Problem, das sich für Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt auftut, ist mehrschichtig und führt wieder ganz zurück in die Urzeiten der Ermittlungen. Nach Peggys Verschwinden war Manuel S. vor allem deshalb ins Visier der Ermittler geraten, weil er von Ulvi K. schwer belastet worden war.

Manuel S. beschuldigt Ulvi K. - aus Rache?

Als der behinderte Gastwirtssohn dann kurz darauf selbst unter Verdacht geriet und wegen Mordes zu Unrecht verurteilt wurde, war der Verdacht erst einmal vom Tisch.

Umso bizarrer ist der Fall jetzt. Ausgerechnet Ulvi K. soll es nämlich gewesen sein, der ihm Peggy an jenem Maitag im Jahr 2001 übergeben habe – bereits tot. Auch das sagte Manuel S. in seiner neuen, jetzt widerrufenen Vernehmung aus. Ein Racheakt, weil er von Ulvi K. beschuldigt worden war?

Dringend tatverdächtig – so wurde Manuel S., der seit vergangener Woche wegen Mordverdachts in U-Haft sitzt, bei einer Pressekonferenz von Bayreuther Staatsanwaltschaft und Polizei der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Ermittler sind sich zwar sicher, den "Richtigen" zu haben, aber entscheidende offene Fragen können sie offensichtlich auch heute noch nicht beantworten: Wie, wo und unter welchen Umständen wurde Peggy umgebracht und wer war letztlich daran beteiligt?

Das Defizit an Hintergrundwissen geht auch aus der Presseerklärung zur Festnahme von Manuel S. hervor. "Täter oder Mittäter" sei er gewesen, heißt es dort ziemlich unscharf. Sein Anwalt hat sich dahingehend geäußert, dass das Teilgeständnis seines Mandanten nur unter massivem Druck bei den Vernehmungen zustande gekommen sei. Er will Beschwerde gegen den Haftbefehl einlegen.

Lesen Sie hier: U-Haft im Fall Peggy - Bürgermeister hofft auf Normalität

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