Kampf für Rechte Homosexueller Alexander Miklósy: Farbtupfer unter den Lokalpolitikern

Alexander Miklosy (Rosa Liste) vor dem Deutschen Museum. Im Hintergrund das Müllersche Volksbad. Foto: Daniel von Loeper

Alexander Miklósy von der Rosa Liste ist der beliebte BA-Chef von Ludwigsvorstadt und Isarvorstadt – seine heimliche Leidenschaft gilt der Astronomie.

 

Ludwigvorstadt - Taschenlampe, Decke, Sternkunde-Buch – damit legt sich der Bub in kalten Sommernächten auf die Wiese vors Haus. Am Nachthimmel versucht er zu orten, welcher Stern, wo hingehört. "Um Mitternacht habe ich gefroren wie ein Schlosshund", erinnert sich Alexander Miklósy (67). Heute geht der Sterngucker eher ins Planetarium im Deutschen Museum – da ist’s nicht so kalt...

Miklosy ist als Kämpfer für die Rechte Homosexueller überall in der Stadt bekannt. Klar, dass er, der selbst verpartnert ist, sich über die Bundestags-Entscheidung für die Ehe für alle sehr gefreut hat. Das volle Adoptionsrecht kommt für ihn aber zu spät. "Eventuell hätten wir uns dafür entschieden", sagt Miklosy. "Aber jetzt gehe ich doch schon auf die 70 zu."

Was kaum jemand weiß: Miklosy hat ein Faible für die Astronomie. Viel mehr tritt der charmante Münchner mit dem ungarischen Namen als Aktivist der Rosa Liste im Glockenbachviertel in Erscheinung. Und als gestandener Lokalpolitiker: Seit 14 Jahren ist der Stadtteil-Parlamentarier Vorsitzender des bunten Bezirks Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt – mit vielen jungen Leuten, Cafés und Bars.

Miklósy empfindet sich als Farbtupfer unter den altgedienten Münchner BA-Chefs, wie beispielsweise Walter Klein, von der SPD (Schwabing-West), Werner Lederer-Piloty (SPD) in Schwabing-Freimann, Johanna Salzhuber (SPD) aus Moosach oder Johann Stadler (CSU) aus Hadern.

Feines Hemd mit Nadelstreifen, getrimmter Bart, sonore Stimme – mit satt rollenden "R" – Miklósy ist beliebt. Dass er 2014 nicht Stadtrat geworden ist, bedauert der Lokalpolitiker noch immer. Aber es sei auch fast ein Full-Time-Job, BA-Chef zu sein…

Der Diplom-Forstwirt rettete als Baumschutz-Beauftragter im Viertel so manche alte Linde oder Kastanie: "Das sind so große schöne Lebewesen", sagt er über Bäume. Ganz persönlich hat er seine schützende Hand über die mächtige Kastanie am ehemaligen Kolosseum gehalten – Ecke Hans-Sachs-Straße/Ickstattstraße – sonst wäre die schon längst gefällt.

Flucht aus der ungarischen Armee nach Haidhausen

Miklósys Vater war 1944 aus der ungarischen Armee desertiert und in München-Haidhausen gelandet. Die Familie lebte bescheiden: "Als Junge schlief ich in der Küche. Vor den Türen mancher Gaststätten habe ich über die Blutlachen nächtlicher Kneipen-Schlägereien gestaunt", erinnert er sich an das damalige Glasscherbenviertel. Als Jugendlicher ging er dann exzessiv aus: "Die Zügel für mich waren da immer extrem locker. Heute bin ich dankbar, dass das so gelaufen ist. Ich konnte meine Erfahrungen sammeln", resümiert er verschmitzt: "Aber am meisten bin ich verwundert darüber, wie vernünftig ich eigentlich geblieben bin."

Mit anderen Menschen zusammenarbeiten – das ist heute sein Ding: "Ich muss eahna sagen, Teamarbeit ist ein Zustand, der mich sehr befriedigt", sagt er super-münchnerisch. Als BA-Vorsitzender wird er wohl deshalb so geschätzt, weil er ganz gut leise sein kann: "Aus meiner Sicht hat er die Fähigkeit, unterschiedliche Menschen zu befrieden und Lösungen zu finden, ohne herumzustreiten, so dass alle zu ihrem Recht kommen", beschreibt Eiche-Wirt Dietmar Holzapfel den BA-Chef von der Rosa Liste: "Alexander hat diesen sachlichen Ton, der niemanden verletzt."

"Früher waren die Polizisten sehr abweisend zu uns"

Wenn es um die Formalitäten rund um den Christopher Street Day geht, haben beide für die Stadtverwaltung nur Lob: "Früher waren KVR-Beamte und manche Polizisten sehr abweisend zu unserer schwulen Community. Heute werden wir durchgehend freundlich angesprochen", findet Holzapfel. Und Miklósy ergänzt: "Wo vor 20 Jahren in München eisiges Schweigen war, spüre ich nicht mehr das geringste Ressentiment gegen Homosexuelle – das ist ein Quantensprung".

Quantensprung? Dieser Begriff aus der Physik bringt den Lokalpolitiker zurück zu seinem privaten Steckenpferd: der Astronomie: "Auf die Sofi 1999, die totale Sonnenfinsternis, habe ich über 40 Jahre hingefiebert", gesteht er. Hunderte Lichtjahre entfernte Sonnensysteme, explodierende Sterne, kollidierende Galaxien – bei solchen Themen bekommt der Hobby-Astronom leuchtende Augen.

Sein Teleskop, mit 200-facher Vergrößerung zum Studium der Mondkrater, hat er gerade erst verkauft. Aber es gibt ja die sehr viel besseren Teleskope der Volkssternwarte.

Alexander Miklósys Faszination für den Kosmos verleiht ihm fast schon eine geheimnisvolle Aura, wenn er sagt: "Die Dimension unseres Weltalls ist für das vernünftige menschliche Gehirn kaum zu begreifen – und das finde ich wunderbar."

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