Islamismus-Debatte nach Talk-Show Jauch-Talk: Wer ist Imam Abdul Adhim Kamouss?

Gefahr oder Hilfe? Der umstrittene Imam Abdul Adhim Kamouss. Foto: imago

Der Talk-Versuch, dem radikalen Islamismus in Deutschland auf die Spur zu kommen, ist kläglich gescheitert. Welche Rolle der Imam Abdul Adhim Kamouss spielt, darüber scheiden sich die Geister.

 

Berlin, München - "Super-TV-Gau", "Jauch fehlen die Worte", "Jauch vorgeführt". Das mediale Echo nach der ersten Jauch-Show nach der Sommerpause war vernichtend. Vor allem der Moderator stand in der Kritik, der laut den Feuilletonisten mit Abdul Adhim Kamouss, nicht hart genug ins Gericht gegangen war.

Klar, der Moderator wandelte auf einem schmalen Grat - die Diskussionshoheit auf der einen Seite, die Gefahr, parteiisch zu sein auf der anderen. Trotzdem wirkte Jauch neben dem hochmotivierten und offensichtlich besser vorbereiteten Islam-Prediger zu kleinlaut, ließ ihn reden, ohne kritisch Einhalt zu gebieten.

Wer ist dieser Mann, von dem sich der sonst so schlagfertige Talkmaster an diesem Abend den Schneid abkaufen ließ?

Ein Mann für die Jugend

Fest steht: Abdul Adhim Kamouss (geboren 1977 in Rabat, Marokko) gilt als Pop-Star unter den Islam-Predigern. Der Verein für Jugendkultur, Medien & politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft ufuq bezeichnet sein Islamverständnis als "rigide". Trotzdem ist er offen für Probleme Jugendlicher und junger Heranwachsender. Er soll laut "Bild" pro Woche fünf Jugendliche dazu bringen, zum Islam zu konvertieren.

Mit 20 kam Kamouss nach Deutschland, studierte an der TU Berlin Elektrotechnik. Bis 2011 arbeitete er laut eigenen Angaben als Nachrichtentechniker bei der Bahn. Verheiratet ist er mit einer Deutschen. Auch sie konvertierte zum Islam, trägt Kopftuch. Seit 2005 predigt er in der berüchtigten Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln.

In seinen Predigten und Vorträgen spricht sich Kamouss ausdrücklich gegen Gewalt aus und vertritt eine strenge Unterscheidung zwischen Gut und Böse. Und doch stand Kamouss unter Beobachtung des Verfassungsschutzes aufgrund der „hochgradig radikalisierungsfördernden Wirkung“ des salafitischen Islam, den Kamouss vertritt.

Geläutert oder raffiniert?

Bei Günther Jauch konfrontierte man Kamouss mit einem zehn Jahre alten Video. Darauf predigt er ein äußerst fragwürdiges Frauenbild. Die Antwort: er habe sich "weiterentwickelt". Hat er das?

Lesen Sie hier: Imam bei Jauch - "Frau muss nicht immer fragen"

Tatsächlich schlägt er bei vielen Youtube-Reden deutlich gemäßigtere Töne an. In einem Beitrag über das Terror-Netzwerk "Islamischer Staat" bezeichnet er die Dschihadisten als "Virus" und giftige Pflanze". In einem anderen Mitschnitt spricht Kamouss über den "Umgang mit Nichtmuslimen", predigt Toleranz und friedliches Zusammenleben.

Beim Durchsehen seiner Reden stößt man aber auch immer wieder auf  Aussagen, die seiner Selbstdarstellung widersprechen: So wird die Frau gerne mal für nur vier Zwecke geheiratet: "Schönheit, Religion, Familie, Besitztum". Bei Jauch beteuerte der geschickte Rhetoriker, Andersgläubige als "andere Mitmenschen" zu sehen - sitzt er in der Al-Nur, spricht er von "Gottlosen".

Nicht abzustreiten sind gemeinsame Auftritte mit dem berüchtigten Hass-Prediger Pierre Vogel und dem deutschen Ex-Rapper und IS-Terroristen Denis Cuspert. Die einfache Erklärung des Mannes mit den zwei Gesichtern: Man versuche auch die Radikalen zu erreichen. Bei einigen klappt's, bei einigen nicht.

Am Ende konnte der Imam alle Vorwürfe weglächeln. Vor allem weil in der Talk-Show am Sonntag die falschen Fragen gestellt wurden.

 

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