Investoren-Krise beim TSV 1860 Zoff mit Ismaik: „Beschämendes Kasperltheater!“

Es hätte eine wunderbare Partnerschaft werden sollen. Doch die Verbindung des TSV 1860 zu Investor Hasan Ismaik ist – und bleibt – schwierig. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Löwen-Legenden und Fans schimpfen nach Investor Hasan Ismaiks Ultimatum. Der Verein schweigt und grübelt – auch über eine Insolvenz.

 

München - „Das ist doch ein einziges Kasperltheater. Hasan Ismaik muss endlich abspringen und ein anderer Investor mit mehr Ahnung übernehmen. Mit ihm ist ein professionelles Arbeiten nicht möglich!“, sagt Thomas Miller. Der Kult-Verteidiger der Löwen hat keine zwei Meinungen über das jahrelange Missverständnis zwischen 1860 und dem Investor.

Während der Jordanier den 1860-Funktionären Unprofessionalität vorwirft und der Verein hartnäckig schweigt, zeichnen altgediente Löwen und jene, denen der Verein am Herzen liegt, das umgekehrte Bild: Mit seinen öffentlichem Rundumschlag inklusive angedrohter Insolvenz habe Ismaik bewiesen, dass er nicht (mehr) tauglich ist. „Das ist Wahnsinn“, weiß Meisterlöwe Peter Grosser, der sich jeden weiteren Kommentar sparen will, um sich keiner Wutrede hinzugeben. Kult-Trainer Karsten Wettberg dagegen findet es „nur noch traurig.

 

Not-Verkauf von Wolf?

Anstatt alle Kräfte zu bündeln, um nicht abzusteigen, herrscht mal wieder Chaos. Das ist beschämend! Es ist katastrophal für die Außendarstellung und bezeichnend, dass der Verein nicht einbezogen wurde.“ Das weiß-blaue Tischtuch zwischen Löwen und Ismaik, es scheint komplett zerschnitten. Wie soll es nun weitergehen?

Sollte Ismaik seine Drohung wahr machen und einer Umwandlung seiner Darlehen in Genuss-Scheine bis 31. Dezember nicht zustimmen, drohen Konsequenzen. Nämlich eine DFL-Strafe im höheren sechsstelligen Bereich. Unklar ist, wie viel Geld dann für Verstärkungen zur Verfügung steht – und wann: Nach AZ-Informationen hat Ismaik noch nicht einmal die 100 000 Euro überwiesen, die er vor Wochen dem Nachwuchsleistungszentrum zugesichert hatte. Wie wird es der verärgerte Geldgeber bei der versprochenen Million für Neuzugänge halten? „Transfers gibt’s bei uns erst dann, wenn andere Teams ihre Kader voll haben und die guten Spieler weg sind“, so Miller. Während der von Sechzig umworbene Stürmer Sascha Mölders seinen Abschied bei Augsburg forciert, müssen die Löwen fürchten, ein Juwel wie Marius Wolf wegen Geldnot verkaufen zu müssen.

Plan A, B oder C?

Doch das könnten die geringsten Probleme sein. Bleibt der Geldhahn wie von Ismaik angekündigt, bis März zu, droht den Löwen der Lizenzentzug. Womöglich will der 39-Jährige nur den Preis für den Anteilsverkauf in die Höhe treiben. Wie Präsident Peter Cassalette kürzlich erklärte, habe man bei 1860 neben der A-Lösung einen Plan B und sogar Plan C. Plan A sah vor, mit Ismaik einer besseren Zukunft entgegenzusteuern. Nicht nur für Miller ist das kaum mehr vorstellbar, auch die Fans haben genug. Ein langjähriger Anhänger startete im Internet eine Petition gegen den Gesellschafter, der nach eigener Aussage verkaufen würde, wenn 50 Prozent der Fans gegen ihn seien und er seine investierten Millionen zurückbekäme. Allesfahrer Roman Wöll meint: „Bei uns denkt jeder: Die Verbindung mit Ismaik hat keinen Wert mehr.“

Plan B wäre die Übernahme durch einen anderen Investor. Nach AZ-Informationen soll tatsächlich nicht nur einer, sondern drei Kandidaten Interesse haben. Während Ismaiks Äußerungen auf Autobauer Porsche schließen ließen, will die „Bild“ von Quandt erfahren haben, der milliardenschweren Hauptaktionärs-Familie von BMW.

Bleibt noch Plan C: die Insolvenz. Ismaik selbst droht 1860 damit, wäre dann aber selbst weg vom Fenster. Die Fans sprechen öfter davon, in der 4. Liga wieder von vorne anzufangen: ohne ungeliebte Allianz Arena, ohne den ähnlich ungeliebten Ismaik. Wie die AZ erfuhr, befassen sich mittlerweile sogar die 1860-Verantwortlichen mit diesem Szenario. Von wegen staade Zeit.

 

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