Info-Abend in der Säbener Straße Erweiterung Grünwalder Stadion: Konflikt zwischen Fans und Anwohnern

Volle Hütte? Nicht bei der Info-Veranstaltung der Stadt zum Grünwalder Stadion, zu der nicht einmal 100 Giesinger in die Turnhalle an der Säbener Straße gekommen sind. Foto: Daniel von Loeper

Info-Abend zur Erweiterung des Grünwalder Stadions: Die befürchteten Tumulte bleiben aus. Die Sorgen der Nachbarn sind unterschiedlich. Sauer sind sie vor allem auf die Stadt.

 

Giesing - Die Stadt ist auf alles vorbereitet. 900 Stühle hat sie in der Turnhalle an der Säbener Straße aufstellen lassen. Trotzdem hat man vorab darauf hingewiesen, dass der Einlass wegen Überfüllung verweigert werden könne. Im Foyer sind Sicherheitsleute positioniert, die Taschen der Ankommenden durchsuchen, drinnen stehen Sanitäter – und sogar zwei Sozialarbeiter in blauen Jacken sollen offenbar eingesetzt werden, um Streit zu schlichten.

Hitzige Wortgefechte, Handgreiflichkeiten gar gibt es zwischen Fußball-Fans und Nachbarn dann keine. Der Info-Abend der Stadt zur Zukunft des Grünwalder Stadions läuft so gesittet ab, dass sich mancher Münchner, der Bürgerversammlungen zu großen Neubauvierteln Flüchtlingsunterkünften, S-Bahn-Stammstrecken erlebt hat, fragen könnte, ob hier überhaupt ein Konflikt vorliegt.

Konflikt zwischen Fans und Anwohnern

Das tut er durchaus – zwischen jenen, die das Spieltags-Kribbeln im Viertel lieben und 1860 für ein Teil der Giesinger Kultur halten. Und dem Teil der Anwohner, die sich weit über Gebühr belästigt fühlen. Dass der Konflikt wieder hochkocht, liegt daran, dass die Stadt die Kapazität von aktuell 15.000 auf mehr als 18.000 erweitern – und das Stadion dauerhaft Zweitliga-fit machen – will. Aktuell spielen 1860, die zweite Mannschaft der Bayern und Türk Gücü darin.

Nicht einmal 100 Leute dürften in die Halle gekommen sein. Die Stimmungslage? Geschätzt 40 Prozent Grünwalder-Kritiker, 40 Prozent Löwen-Fans – und 20 Prozent Anwohner, die sich nur ein bisserl an einem Aspekt stören, aber Fußball in Giesing offen gegenüberstehen.

Anwohner sind sauer auf Stadt München

Viele sind auf jeden Fall sauer auf die Stadt, weil die – bewusst, so wird es unterstellt – nicht alle Anwohner über die Versammlung informiert habe. 9.000 Einladungen habe man in der Nachbarschaft von einer externen Firma verteilen lassen, beteuern städtische Vertreter. Offenbar ging da einiges schief. Etliche Redner monieren, bei ihnen sei nichts angekommen. Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU), der die Versammlung selbst vor Ort verfolgt, sagt der AZ, es sei "schlimm, wenn die Leute vor Ort den Eindruck haben, dass sie mit ihren berechtigten Anliegen nicht ernstgenommen werden".

Harald Schertler von der Giesinger Polizei betont, dass man mit der Lage rund ums Stadion "sehr zufrieden" sei, es die ganze Saison zu keinerlei Auseinandersetzungen gekommen sei. Auch der öffentliche Verkehr sei nicht eingeschränkt. "Es kommt höchstens vor, dass die Tram mal fünf Minuten warten muss." Oberste Priorität habe die Fantrennung – und die Gästefans schnell nach Giesing und schnell wieder hinauszubringen. Schertler wirbt um Verständnis, wenn es zu kurzzeitigen Straßensperren kommt.

Giesinger Polizei: zufrieden  mit Lage rund ums Stadion 

Dafür wiederum haben manche Anwohner kein Verständnis. So beklagt sich ein Mann, dass er Samstagmittag nicht zum Rewe am Wettersteinplatz durchkomme, nicht wisse, wann er mit dem Auto wegkommt. Andere monieren, dass Falschparker nicht konsequent genug abgeschleppt würden – und viele über Wildbiesler.

"Wir können das bei 15.000 Zuschauern nicht komplett verhindern", wirbt Polizist Schertler um Verständnis. Man habe schon Anzeigen geschrieben. Ein Vertreter der Stadt verspricht den Giesingern, dass man prüfen werde, ob man auch im Außenbereich ums Stadion öffentliche Toiletten schaffen könne, um dem Problem zu begegnen.

Trommel-Verbot für Fußballfans?

Sehr konkret sind die Anliegen der Leute, nur ein Anwohner droht explizit mit einer Klage gegen die Stadion-Erweiterung insgesamt. Mehrere Redner fordern ein Trommel-Verbot für Fans während der Spiele. "Sie dürfen sonntags keinen Rasenmäher anmachen", sagt eine ältere Dame aus der Martin-Luther-Straße. "Aber zwei Mal 45 Minuten trommeln!" Sie wolle ihre Sonntagsruhe zurück.

Ein anderer Besucher erklärt, er halte das Trommeln für eine Straftat. Die städtische Sportreferentin Beatrix Zurek (SPD) widerspricht. Trommeln sei für sie ein Teil der Fußballkultur. Trotzdem erhoffen sich Stadt und verantwortliche Architekten von der geplanten Überdachung des Stadions deutlich weniger Lärm für die Nachbarschaft. Mehrere Anwohner regen an, auch die Ecken zu schließen, an denen bisher kein Dach geplant ist.

1860: Verantwortung fürs Viertel

1860-Geschäftsführer Michael Scharold betont, wie wichtig die Ertüchtigung für die Zukunft der Löwen sei – aber auch die Verantwortung von 1860 fürs Viertel. Man schickt ja etwa schon Kehrmaschinen, künftig will 1860 Nachbarn pro-aktiv mit Flyern über Spieltermine informieren. Christian Jung von der Initiative "Sechzig im Sechzger" erklärt wie auch andere Redner, dass die Fan-Vertreter mit der Nachbarschaft ins Gespräch kommen wollen. "Die Sorgen der Anwohner werden bei den Löwenfans sehr ernstgenommen. Ein positives Miteinander liegt uns sehr am Herzen", sagt er.

Viele Anwohner scheinen das erstaunt zur Kenntnis zu nehmen. "So wie Sie schauen doch eigentlich keine Löwen-Fans aus!", ruft einer Jung zu, der mit weißem Hemd und Sakko erschienen ist. Manchmal eben doch. Draußen vor der Halle langweilen sich Sicherheitsleute unterdessen bei einer Zigarette.

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