In ihrem alten Wohnhaus Wird dem Mordfall Peggy ein eigenes Museum gewidmet?

In diesem Hinterhaus haben Peggy und ihre Familie gewohnt, als das Mädchen verschwand. Foto: Helmut Reister

Diese Idee äußert die Betreuerin von Ulvi K. Doch der Vorschlag stößt auf wenig Gegenliebe in Lichtenberg, dem Heimatort des ermordeten Mädchens.

 

Lichtenberg - Bekommt die Geschichte um die ermordete Peggy, die im unterfränkischen Lichtenberg gelebt hat, ein eigenes Museum? Diese Idee, um den mysteriösen Mordfall aufzuarbeiten, hat Gudrun Rödel. Die Betreuerin des geistig eingeschränkten Ulvi K. (41), der in dem Fall eine zentrale Rolle spielt, zunächst verurteilt und dann wieder freigesprochen wurde, postete ihre Überlegungen auf Facebook. Denn zu diesem Zeitpunkt wurde bekannt, dass das Haus, in dem Peggy mit ihrer Familie lebte, zur Zwangsversteigerung steht.

"Wäre ich ein paar Jahre jünger, ich würde das Haus kaufen; das Geld hätte ich. Es würde ein Peggy-Museum entstehen...", schrieb sie und prognostizierte gleich goldene Zeiten für das gebeutelte Städtchen. Der "Touristenmagnet" schlechthin wäre das Museum – "und eine Einnahmequelle für Lichtenberg außerdem!" Lichtenbergs Bürgermeister Holger Knüppel reagiert auf die Idee, ein "Peggy-Museum" zu installieren, eher reserviert – um es vorsichtig zu formulieren. Selbst die offerierte magnetenhafte Wirkung auf Touristen und Stadtkasse lassen ihn kalt. Sein Kommentar fällt deutlich aus. "Nur über meine Leiche", sagt er und ist sich sicher, dass in Lichtenberg fast alle so denken.

Der Mordfall Peggy hat Lichtenberg verändert

Die tiefen Spuren, die der verworrene Mordfall mit den vielen Verdächtigen im Lauf von fast zwei Jahrzehnten in dem überschaubaren Ort hinterlassen hat, sind überall zu spüren. "Uns allen wäre am liebsten, der Mörder würde endlich gefasst. Damit wieder Ruhe einkehrt", sagt der Bürgermeister. Solche Sätze lassen keinen Platz für ein "Peggy-Museum".

Gudrun Rödel, die ihren Schützling aus Lichtenberg zu ihrem Lebensinhalt macht, käme das Museum wunschgerecht. "Es würde ein Museum entstehen, in dem der Öffentlichkeit anhand von klaren Fakten endlich die Wahrheit gezeigt wird, die man bis heute mit allen Mitteln verschweigt", verkündet sie wieder einmal ihre eigentliche Botschaft von der Staatsaffäre.

Natürlich verfolgt Bürgermeister Knüppel jede Entwicklung in dem Fall – auch die Anzeigenflut, die Gudrun Rödel gerade über die Ermittler und viele andere am Verfahren Beteiligte hereinbrechen ließ. Ihm ist das zu viel des Guten, auch wenn er die Ermittlungen in dem Fall durchaus kritisch sieht.

Zum juristischen Tableau von Gudrun Rödel und ihrer Anwältin gehört auch eine 350.000-Euro-Schadenersatzklage gegen den Prozessgutachter, der in krimineller Weise für die Verurteilung von Ulvi K. verantwortlich sein soll. Hinzu kommen Dienstaufsichtsbeschwerden, Unterlassungserklärungen, Rücktrittsforderungen bis hinauf zum Innenminister.

Mordfall Peggy: Gibt es ein Wiederaufnahmeverfahren

Die Rolle von Ulvi K. als Opfer der Staatsgewalt ist der zentrale Punkt in der Schadenersatzklage und in vielen Beiträgen und Kommentaren von Gudrun Rödel. "Natürlich ist Ulvi ein Opfer", sagt Bürgermeister Knüppel mit Blick zurück auf das Wiederaufnahmeverfahren. Aber er vergisst auch seine andere Seite nicht, den Missbrauch der Kinder. "Ulvi ist Opfer", wiederholt er, um den Satz zu ergänzen, "aber Ulvi ist auch Täter. Man muss schon auf dem Boden der Realität bleiben."

Gudrun Rödel hält den von den Behörden dargestellten Missbrauch an mehr als einem halben Dutzend Kindern für völlig überzogen. "Das waren harmlose Spielchen unter Kindern", sagte sie schon vor Jahren zur AZ – und vergaß dabei, dass Ulvi K. damals ein massiger, erwachsener Mann war.

An dieser Einstellung hat sich bis heute nichts geändert. Angekündigt hat sie bereits einen weiteren rechtlichen Schritt. Im Prozess, in dem Ulvi wegen Mordes verurteilt wurde, ging das Gericht davon aus, dass dem Mord zwei Tage zuvor die Vergewaltigung Peggys vorausgegangen sei. Auch diesen Vorwurf will Rödel vom Tisch haben. Mit noch einem Wiederaufnahmeverfahren?

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