Hitzige Rivalitäten Wie Neuer und ter Stegen: Der Torhüter-Zoff hat in Deutschland Tradition

Der eine Torhüter behauptet seinen Status als deutsche Nummer eins mit Top-Leistungen, der andere ist allmählich frustriert: Bayerns Manuel Neuer (li.) und Barcelona-Keeper Marc-André ter Stegen (re.). Foto: Thomas Eisenhuth/Rauchensteiner/Augenklick

Der Ton im deutschen Torhüter-Duell zwischen Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen wird rauer – das gab es in der DFB-Historie schon oft. "Neuer ist jetzt wieder der Beste", sagt Pfaff in der AZ.

 

München - Mit lästigen Rivalen kennt sich Jean-Marie Pfaff, die belgische Torhüter-Legende, ja bestens aus.

Beim FC Bayern war es in den 1980er-Jahren Raimond Aumann, der Pfaff den Platz zwischen den Pfosten streitig machte, die beiden konnten sich überhaupt nicht leiden – was der Legende nach sogar in einer Trainings-Watschn gipfelte: Pfaff gab Jungspund Aumann eine mit.

So weit ist es bei Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen noch nicht gekommen, doch spätestens seit dem Wochenende ist klar, dass auch die beiden aktuell besten deutschen Torhüter zumindest keine ganz enge Freundschaft verbindet.

Pfaff: "Diese Unruhe tut einer Mannschaft nicht gut" 

Erst kritisierte ter Stegen, der heute in der Champions League mit dem FC Barcelona bei Borussia Dortmund antritt, seine Reservistenrolle im Nationalteam. Dann konterte Neuer mit deutlichen Worten. "Ich weiß nicht, ob uns das hilft", sagte der Bayern- und DFB-Kapitän zu ter Stegens Äußerungen und präzisierte: "Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass man sich da so äußert in die Richtung." Neuer ist offensichtlich genervt – und Pfaff kann ihn verstehen.

"Man muss ein Konkurrent sein, aber auch ein Kollege", sagt der Belgier im Gespräch mit der AZ: "Diese Unruhe tut einer Mannschaft nicht gut." Laut Pfaff ist Neuer noch immer die Nummer eins in Deutschland: "Er hat die Zeit nach seinen Verletzungen einfach gebraucht, jetzt ist er wieder da und der Beste."

Vor ter Stegen hat Pfaff "viel Respekt", wie er sagt: "Er spielt sehr gut in Barcelona. Aber man muss auf dem Platz zeigen, was man kann und nicht mit Worten." In der Vergangenheit fiel das allerdings auch schon anderen Torhütern schwer. Die AZ zeigt einige der hitzigsten Rivalitäten unter deutschen Keepern.

Hans Tilkowski vs. Wolfgang Fahrian

Von 1957 an war Tilkowski die klare Nummer eins im DFB-Tor, doch vor der WM 1962 in Chile hatte Bundestrainer Sepp Herberger plötzlich eine andere Idee: Er stellte den jüngeren Wolfgang Fahrian auf. Für Tilkowski war diese Entscheidung nicht zu akzeptieren, er verwüstete anschließend sein Hotelzimmer. Immerhin: Bei der WM 1966 in England war Tilkowski wieder Stammkeeper, im Finale gegen England (2:4 nach Verlängerung) kassierte er das legendäre Wembley-Tor.

Toni Schumacher vs. Uli Stein

Zur WM 1986 in Mexiko reisten zwei Torhüter mit dem Anspruch auf die deutsche Nummer eins. Schumacher und Stein belauerten sich in jedem Training, doch dann verlor Ersatzmann Stein die Fassung. Er nannte Teamchef Franz Beckenbauer in Anlehnung an dessen Suppen-Werbespot aus den 1960er-Jahren einen "Suppenkasper". Stein wurde nach Hause geschickt – und Schumacher Vize-Weltmeister.

Bodo Illgner vs. Andreas Köpke

Das Duell der 1990er wurde lange Zeit von Illgner dominiert. Der Köln- und spätere Real-Keeper holte mit der DFB-Elf 1990 in Italien den Weltmeister-Titel und blieb bis nach der WM 1994 im Tor. Erst 1996 durfte Köpke ran – und krönte sich prompt zum EM-Champion. Köpke ist seit 2004 Torwarttrainer der Nationalelf. Der „Welt“ sagte er über den Zweikampf Neuer/ter Stegen, er könne „die Unzufriedenheit von Marc-André verstehen, aber es ist nun mal eine Position, auf der wir stark besetzt sind und man leider nicht jedem Torhüter gerecht werden kann“. Heißt: Neuer bleibt unantastbar.

Oliver Kahn vs. Jens Lehmann

Vor der Heim-WM 2006 machte Bundestrainer Jürgen Klinsmann Lehmann zum Stammtorhüter, weil dieser "einen Tick" vor Kahn lag. Kahn war geschockt – und erwies sich doch als fantastischer Sportsmann. Er nahm die Reservistenrolle an, unterstützte Lehmann vor dem Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Argentinien – und durfte schließlich selbst das erfolgreiche Spiel um Platz drei gegen Portugal bestreiten (3:1).

Bei "Sky90" sprach sich Lehmann nun für Neuer aus. "Wenn beide einhundert Prozent spielen, dann ist Neuer besser. Er hat halt alles und ist komplett." Ihm gefalle die "leicht arrogante" Art des Bayern-Keepers, führte Lehmann aus: "Er bestätigt das auch auf dem Platz und hat daher alle Argumente weiterzuspielen." 

So ist es: Im deutschen Tor kann es eben nur einen geben!

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