Hinter den Kulissen Nockherberg 2019: Was nicht im Fernsehen gezeigt wurde

Vorn werden schon die Stühle auf die Tische gestellt. Aber hinten im Saal wird noch geratscht. Was, das lesen Sie in diesem Artikel. Foto: fm

Geizige Politiker, ein trinkfester Alt-OB – und Kritik vom Kabarettisten-Kollegen an Maxi Schafroth: Die AZ zeigt, was Sie im Fernsehen nicht zu sehen bekommen haben.

München - Millionen haben zugeschaut beim Salvatoranstich, daheim am TV. Und doch ist das, was die BR-Kameras vom Nockherberg zeigen, natürlich nur ein kleiner Teil der ganzen Wahrheit. Die AZ hat zusammengetragen, was abseits und hinter den Kulissen noch alles passiert ist an diesem Abend.

Gespräche im Rauchereck

Der Ort für die ehrlichsten Gespräche ist ja manchmal vor der Tür. Dort, wo sich die Raucher treffen (und die Frischluftbedürftigen). Da schütteln drei Grüne einvernehmlich die Köpfe. Katrin Habenschaden, Münchens grüne OB-Kandidatin, und die Landesvorsitzenden Sigi Hagl und Eike Hallitzky sind sich darin einig, dass der Fastenredner Maxi Schafroth einmal gehörig überzogen hat. Dass er den Auszug von Ex-Präsidentin Barbara Stamm aus dem Landtag mit einem "Industrieanlagenrückbau" verglichen hat "das war deutlich unter der Gürtellinie", befindet Hagl, die Landshuterin. Und Hallitzky pflichtet bei: "Stimmt, das war völlig deplatziert. Ging gar nicht!"

Stamm-Spruch nur ein Missverständnis?

OB Dieter Reiter ist da etwas anderer Meinung. Reiter bleibt heuer noch ungewöhnlich lange im Saal. Gut gelaunt und fröhlich sieht er aus, wie er hier und da ein Schwätzchen hält. Barbara Stamm? "Der Spruch ist missverstanden worden", sagt der OB im Gespräch mit der AZ. "Das war keine Anspielung auf ihr Gewicht. Maxi Schafroth hat sich nur darauf bezogen, dass sie ein Relikt des Bayerischen Landtags ist."

Es ist schon gegen halb zwölf, da spaßt Reiter noch mit Luise Kinseher. "Einen Super-Abschied" habe die Luise gehabt, betont Reiter, man ist per Du. "Und heute bin ich ein optimaler Super-Gast", ruft Kinseher der AZ zu. "Schreiben Sie das!" Machen wir natürlich. Dem würde an diesem Abend auch keiner widersprechen.

Kinseher plaudert über Schafroths Fastenpredigt

Während Kinseher ihren Nachfolger überschwänglich lobt, sind andere Kabarettisten-Kollegen kritischer. Kurz vor halb eins, die Stühle sind schon auf die Tische geräumt, geht als einer der Letzten auch Christian Springer, der heuer nicht im Löwenbräukeller derblecken darf. "Ich fand heute sehr vieles an dem Text gut, die schauspielerische Leistung war toll", sagt Springer – und schaut dabei sehr kritisch. Aber? "Aber inhaltlich hatte das mit einem politisch-bayerischen Derblecken nichts zu tun!". Schafroth? "Beides. Das Singspiel und die Rede."

Die Politiker geben sich nach der Schafroth-Rede vor den Kameras alle entspannt und gut gelaunt. Was sie nicht sind: spendabel. Die vergangenen Jahre hätten die hohen Herren viel mehr Geld da gelassen, klagt eine Toilettenfrau unten am Eingang zu den Klos. Doch heuer sei Sparsamkeit Trumpf, Zumindest, wenn es um das eigene Kleingeld geht.

Maxi Schafroth schmust wortkarg

Und Schafroth selbst? Der Mann, der den ganzen Abend über Gesprächsthema ist, taucht lange nicht mehr im Saal auf. Das Singspiel verbringt er im schmucklosen Backstagebereich (Fernsehtechnik, Kaffee aus Pappbechern, Bierbänke) in einem Eck mit seiner Freundin kuschelnd. Interviews? Mag er keine mehr geben.

Ziemlich tapfer: Als es gegen halb elf schon recht zapfig wird in der Au, steigt Kristina Frank (37), die neue Kommunalreferentin und OB-Kandidatin der CSU, aufs Radl, um heimzufahren nach Neuhausen. Und das im Knie umspielenden Dirndl und mit leichter Jacke. "Ich fahre ja immer Rad, wenn’s geht", sagt sie. "Da gewöhnt man sich schnell an die Temperaturen."

Kleiner Etikettenschwindel am Nockherberg 

Die Gourmets im handverlesenen Publikum ziehen anerkennend die Augenbrauen hoch, als die Brotzeit auf den Tisch kommt – stehen darauf doch blaue Dosen mit der Aufschrift "Caviar". Die entpuppen sich jedoch als Etikettenschwindel: Sie enthalten mal Saibling, mal Frischkäse. Machen aber wenigstens was her.
 

Ilse Aigner lacht und tanzt bis zum Ende

Eine, die dieses Jahr im Saal, aber nicht mehr auf der Bühne auftaucht, ist Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Nicht schlimm sei das, behauptet sie. Und schafft sich einfach ihre eigene Bühne. Nach Ende des offiziellen Programms spielt eine Kapelle vor der Bühne ein "Prosit der Gemütlichkeit" und ähnliche Klassiker. Vor ihr dirigiert, tanzt, lacht: Ilse Aigner!

 

Katharina Schulzes Eltern über die Singspiel-Parodie

Katharina Schulze lacht auch. Das macht die Chefin der Landtags-Grünen ja grundsätzlich oft und gerne. Aber an diesem Abend hört sie gar nicht mehr auf. Auch nicht im Foyer, als sie hinaus eilt Richtung Aftershow-Party im Eiskeller. Schulze ist das erste Mal im Singspiel dabei gewesen – als leicht überdrehte, handysüchtige Dynamikerin: "Meine Eltern haben in unsere Whatsapp-Gruppe geschrieben, dass ich sehr gut getroffen wurde. Sie haben mich aber trotzdem lieb."

Einer der allerletzten Gäste ist Christian Ude. Der Alt-OB hat es sich richtig gemütlich gemacht. Wie viele Maß es waren? Drei, sagt Ude. Und sieht sehr zufrieden aus mit der eigenen Trinkfestigkeit.

Bühnenbilder werden sofort verschrottet

Andi-Scheuer-Darsteller Stefan Murr sitzt noch lange nach Ende der Show entspannt an einem Journalisten-Tisch am hinteren Ende des Saals. Und schaut traurig in Richtung Bühne, wo es schon hämmert und scheppert und Arbeiter die Teile davon tragen.

"Es ist immer traurig, wenn diese tollen Bühnenbilder gleich wieder verschrottet werden", sagt er. Die gute Nachricht ist: Nicht mal mehr ein ganzes Jahr – dann geht er wieder los, der Salvator-Wahnsinn.

Die AfD ärgert sich über Paulaner

Katrin Ebner-Steiner, die AfD-Fraktionschefin im Landtag, ärgert’s, dass sie und ihre Partei heuer (schon wieder) nicht zum Derblecken eingeladen waren. Sie rechnet mit einer Einladung beim nächsten Mal und meint: "Noch ist Hopfen und Malz nicht verloren. "Ach, ja?

Nachfrage bei Paulaner. Die Antwort: "Wir sind weder eine politische noch eine öffentliche Organisation, sondern ein Wirtschaftsunternehmen. Als solches entscheiden wir jedes Jahr neu, wen wir zur Salvator-Probe einladen. Eine Verpflichtung Parteien, Funktionsträger einzuladen, gibt es nicht." Klingt nicht so, als schreibe Paulaner schon an Entschuldigungskarten.

 

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