Heynckes: Abschied in Leverkusen Nur die Zusage fehlt noch

Die beiden verstehen sich: Uli Hoeneß und Jupp Heynckes. Foto: Sampics/Augenklick

Jupp Heynckes in seiner schriftlichen Erklärung:

 

"Wolfgang Holzhäuser und Rudi Völler wissen seit dem 8. März Bescheid, jetzt habe ich unser
Trainer- und Betreuerteam und die Mannschaft darüber informiert,
dass ich meinen Vertrag nicht verlängere.

   Unsere Zusammenarbeit war geprägt von Kompetenz und Loyalität.
Die Spieler haben mir vertraut, wenn ich sie – wie Simon Rolfes
oder Stefan Kießling – nach langwierigen Verletzungen allmählich
wieder in die Mannschaft integrierte und ihnen dabei Pausen
verordnete, um die Belastung zu dosieren. Im Profifußball ist
häufig von Charakter die Rede, in meiner fast zweijährigen
Tätigkeit habe ich in Leverkusen immer wieder festgestellt: Diese
Mannschaft hat Charakter. sie ist selbstkritisch, leistungs- und
lernbereit. So hat sie eine Balance gefunden zwischen Abwehr- und
Angriffsverhalten, was bei spielstarken, offensiv denkenden
Mannschaften wie bayer 04 oft ein Problem ist.

   Meinem Nachfolger übergebe ich ein intaktes Team, das sich in
allen Bereichen des modernen Fußball weiterentwickelt hat. Die
Mischung zwischen erfahrenen Spielern und großen Talenten stimmt,
die meisten Spieler haben während unserer Zusammenarbeit ihr
Leistungsniveau verbessert. Und wenn Michael Ballack in den
nächsten Monaten die nach zwei schweren Verletzungen zwangsläufig
vorhandenen körperlichen Defizite zielstrebig aufarbeitet, kann er
zur neuen Saison die erhoffte Verstärkung werden. Wir werden in den
verbleibenden Spielen alles dafür tun, damit Bayer sich für die
Champions League qualifiziert.

   Die Entscheidung, den Vertrag nicht zu verlängern, ist mir
schwer gefallen. Wegen des guten Verhältnisses zur Mannschaft und
zum Funktionsteam, zu den Fans, zum Klub insgesamt. Bis Ende
Dezember, Anfang Januar überwog bei mir die Tendenz zu bleiben.
Allerdings habe ich sowohl Holzhäuser und Völler wie auch dem
früheren Bayer-Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning gesagt, dass
ich mich erst später entscheiden werde. Und dass ich
selbstverständlich akzeptiere, wenn der Verein nicht so lange
warten will, sondern bereits einen Nachfolger verpflichtet.

   Der Umdenkungsprozess setzte bei mir in den ersten Wochen der
Rückrunde ein, Bayer 04 war darüber informiert. Die Enscheidung hat
weder private noch gesundheitliche Gründe, sie fiel auch unabhängig
von der Entwicklung in München. Zwar hat mich Karl-Heinz Rummenigge
nach der beschlossenen Trennung von Louis van Gaal kontaktiert und
mir den Trainerposten angeboten, auch habe ich dann natürlich mit
meinem Freund Uli Hoeneß telefoniert. Aber es gibt weder eine
Zusage von mir, noch haben bisher Vertragsverhandlungen mit dem FC
Bayern stattgefunden."

 

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