Harmonie beim Rekordmeister Bayerns Bussi-Bussi-Gesellschaft

Uli Hoeneß herzt Mehmet Scholl bei dessen letzter Auswechslung im Trikot des FC Bayern. Foto: sampics/augenklick

Die Welt von Bayern-Präsident Uli Hoeneß stimmt wieder, der Wohlfühlfaktor ist ganz nach seinem Geschmack – mit Spezl Heynckes auf der einen und Rückkehrer Scholl auf der anderen Seite.

 

MÜNCHEN - Guten Freunden gibt man ein Küsschen. Klar doch. Bussi rechts, Bussi links. Hier Jupp Heynckes, dort Mehmet Scholl. Der eine soll noch ganz lange Cheftrainer bleiben, der andere ab Juli 2012 wieder die Zweite Mannschaft übernehmen. Guten Freunden gibt man ein Verträgchen.

Nicht mal Jürgen Klinsmann konnte einst verhindern, dass ihn Uli Hoeneß – bei einer der seltenen Gelegenheiten – vor Freude drückte. Augen zu und durch. Und jetzt widersetzt sich auch noch sein Kumpel Jupp Heynckes, der aktuelle Trainer, Bundesliga-Spitzenreiter, Champions-League-Überwinterer und wohl nach dem Spiel am Mittwoch (19 Uhr, Sky live) auch Viertelfinalist im DFB-Pokal. „Er kriegt von mir ein Bussi“, hatte Hoeneß als Weihnachtsgeschenk für seinen Jupp angekündigt – und jetzt das. Ob er sich denn nicht freue, wurde der 66-Jährige am Montag gefragt. Seine Antwort: „Ich glaube, dass seine Frau Susi als Ersatz herhalten muss. Ich weiß nicht, wie Uli dazu gekommen ist. Vielleicht hatte er schon ein Glas Rotwein getrunken. Aber ich bereite mich nicht vor.“
Dass Heynckes freiwillig das Pokalduell mit Zweitligist Bochum verliert, um einer Knutsch-Attacke des Präsidenten zu entgehen, ist nicht zu erwarten. Heynckes ist Profi.

„Die Mannschaft ist hochmotiviert. Es gibt kein Relaxen. Bis Dienstagabend heißt es: voll auf Attacke!“, sagte Heynckes und stellte klar, dass nicht oder kaum rotiert wird: „Es ist selbstverständlich, dass ich eine Mannschaft aufstelle, die eine gewisse Garantie bietet, das Spiel zu gewinnen.“ Einzig Thomas Müller, den eine Oberschenkelverhärtung plagt, wackelt. Kein Pardon, keine Experimente – dafür liebt ihn Hoeneß.

So sehr, dass er sich eine Zukunft über Vertragsende 2013 hinaus vorstellen kann. Mit einem Trainer, den er einst im Herbst 1991 entlassen musste, sich bei einem gemeinsamen Abendessen heulend in den Armen liegend – im Rückblick „mein größter Fehler“. Nun macht Hoeneß alles wieder gut. „Jupp Heynckes ist ein Mann, der fantastische Arbeit leistet und diesen Verein wieder total zur Ruhe gebracht hat“, sagte Hoeneß am Sonntagabend und erklärte: „Wenn das weiterhin so läuft wie bisher – ohne jegliche Probleme – und er gesund bleibt, gibt es aus heutiger Sicht überhaupt keine Frage, ob wir nicht noch ein Jährchen dranhängen können.“ Abschied offen. Der Mann wird zum ewigen Jupp.

Die Zusammenarbeit mit Mehmet Scholl (41) ab Sommer dürfte Heynckes noch glücklicher machen. Geteilte Freude ist doppelte Freude. „Ich bin sehr glücklich, dass der FC Bayern mir die Möglichkeit gibt, mich hier weiterzuentwickeln“, sagte Scholl der AZ. Natürlich steckt Hoeneß hinter dieser Chance. Er war es, der einst Scholl in seinen eigenen vier Wänden aufnahm, als dieser durch schwere Zeiten ging. Gute Freunde halten zusammen, Hoeneß hat sie nun wieder um sich gescharrt. Home, sweet home.

Dem Vorstandsentscheid, Scholl zurückzuholen und Andries Jonker die A-Jugend anzuvertrauen, stimmte Heynckes zu. „Mehmet war ein exzellenter Spieler, hat viel Erfahrung und kann sie sehr gut an junge Menschen weitergeben“, betonte der Coach, „er hat damals, als ich im Frühjahr 2009 ein paar Wochen hier war, einen guten Job gemacht. Er wird Ambitionen haben, irgendwann höher zu trainieren. Das ist der Weg, den die Ex-Spieler gehen müssen.“

Nicht ausgeschlossen also, dass Mehmet Scholl – sollte er sich bei der zweiten Mannschaft bewähren – 2014 der direkte Heynckes-Nachfolger werden könnte. Was sicher in Hoeneß’ Sinne wäre. Außer „young Jupp“ macht noch bis 2020 weiter.

 

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