Hansa-Sportvorstand im AZ-Interview Martin Pieckenhagen: Beim TSV 1860 war der Aufstiegsgedanke auch da

"Stallgeruch ist nicht grundverkehrt, das ist bei mir und Hansa Rostock ja auch der Fall", sagt Sportvorstand Martin Pieckenhagen über 1860-Trainer Daniel Bierofka. Foto: imago/Eibner

Martin Pieckenhagen, Sportvorstand von Hansa Rostock, spricht über das kommende Spiel gegen den TSV 1860.

 

München - AZ-Interview mit Martin Pieckenhagen: Der ehemalige Bundesliga-Torwart (u.a. Rostock, Hamburger SV) ist seit Januar 2019 Sportvorstand bei Drittligist Hansa Rostock.

AZ: Herr Pieckenhagen, Sie erlebten einen Kaltstart an der Ostsee. Selbst erst seit Januar neuer Sportvorstand bei Hansa Rostock, hieß es direkt: Trainersuche und Aufstiegshoffnungen bewahren.
Martin Pieckenhagen: Die Herausforderung hätte sicher kleiner sein können. Ich habe neu angefangen (nach der Freistellung von Vorgänger Markus Thiele, d. Red.), der Trainer Jens Härtel kam erst ein paar Tage später, wir hatten wenig Zeit. Man konnte schon damit rechnen, dass es noch ein bisschen stockt.

Fünf Spiele, zwei Siege und drei Niederlagen – so lautet die Bilanz, die Sie dazu veranlasst hat, den Aufstieg schon abzuschreiben.
Vor der Saison hatte der Verein das Ziel klar kommuniziert. Wir hätten gegen Meppen den Kontakt an die oberen Ränge wieder herstellen können, aber der Schuss ging nach hinten los (Meppen siegte 2:0, d. Red.). Irgendwann muss man sagen: Vielleicht reicht es jetzt einfach noch nicht.

Pieckenhagen: "Unsere Jungs haben Wut im Bauch"

Am Sonntag treten Sie mit Rostock um 13 Uhr beim TSV 1860 an. Vereint beide Traditionsvereine das Problem einer zu hohen Erwartungshaltung?
Ja, ich denke schon. Man würde gerne öfter als Underdog ins Spiel gehen, aber gegen einen großen Traditionsklub will jeder gut aussehen. Für einen Verein wie Hansa Rostock kann es keine anderen Ziele geben, als um den Aufstieg mitzuspielen – und dafür stehe ich auch.

Wie stark schätzen Sie 1860 ein?
1860 ist ein Riesen-Klub, ich habe noch gegen einen Icke Häßler, Peter Pacult gespielt. Ich denke, jetzt war der Aufstiegsgedanke auch da, wenn auch nicht offensiv formuliert. Sie haben Geld in die Hand genommen und sich gut verstärkt. Sie haben mit Sascha Mölders einen enorm erfahrenen Mann vorne drin und mit Stefan Lex und Nico Karger zwei schnelle, gefährliche Flügelstürmer. Klar ist es bitter, wenn du mit Adriano Grimaldi deinen besten Stürmer im Winter abgeben musst. Bei Sechzig geht's ein bisschen rauf und runter, eine richtige Serie hatten sie noch nicht.

Vielleicht verschreien Sie es gerade – am Sonntag wäre es Sechzigs dritter Sieg in Folge...
...das wird nicht passieren. (lacht)

Was macht Sie da so sicher?
Ich glaube, unsere Jungs haben Wut im Bauch, weil sie zuletzt nicht den Profit ernten konnten, obwohl sie viel investiert haben. Jetzt wollen sie unbedingt wieder ein Erfolgserlebnis. Die Löwen sind jetzt zwei Mal erfolgreich gewesen, das ist jetzt wieder gut.

Pieckenhagen: Bierofka ist positiv verrückt

Anderes Thema: Was kriegen Sie aus der Ferne denn mit über Sechzigs Vereinspolitik und den Konsolidierungskurs, den der Verein ausgerufen hat?
Man weiß natürlich um die Querelen zwischen Verein und Investor Ismaik. Ich muss kein Hellseher sein, um zu sagen: Sechzig wird nur Erfolg haben, wenn man beides unter einen Hut kriegt. Aber ich vermag nicht zu beurteilen, wie verhärtet die Fronten sind.

Wir schon: Die Fronten sind sehr verhärtet.
Beide Seiten müssten sich mal untereinander klar werden, wo man eigentlich hin will. Der eine will fünf Millionen rausblasen und alles ist schön. Wenn dann die große Blase platzt, wird es gefährlich für 1860. Auf Dauer ist das natürlich ungesund, von daher kann ich auch eine Konsolidierung nachvollziehen. Aus meiner Sicht ist völlig klar, dass man sich als Fußballklub nicht auf Gedeih und Verderb einem solchen Investor ausliefern will.

Was kann Daniel Bierofka bewirken?
Stallgeruch ist nicht grundverkehrt, das ist bei mir und Hansa Rostock ja auch der Fall. Eine Garantie für Erfolg hat man nie. Aber wenn einer mit so viel Herzblut dabei ist, Münchner Gene hat, dann kann so ein Mann viel bewirken. Wenn man ihn an der Linie beobachtet: Er ist ein Stück weit positiv verrückt. Mit seiner Präsenz kann er auch in so einen Verein Ruhe reinbringen. Ich freue mich auf ein Duell mit Sechzig. Danach wird man sehen, ob doch noch jemand von uns nach oben schielen kann.

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