Guttenberg-Rücktritt und die Folgen Kann er zurückkommen?

 Die Parteifreunde und Wahlkämpfer wollen das. Die Opposition hält es für ausgeschlossen, und ein Professor sagt: „Kanzler wird er nicht mehr.“ Die AZ entwirft Szenarien für die Zukunft.

 

München - Hat die Zukunft schon begonnen? Karl-Theodor zu Guttenberg war kaum zurückgetreten, da gab es erste Comeback-Wünsche. Das kann klappen, muss aber nicht. CSU-Chef Seehofer sagt, er werde alles tun, damit Guttenberg der deutschen Politik und der CSU erhalten bleibe. „Er bleibt einer von uns.”

Baden-Württembergs Ministerpräsident Mappus fürchtet vier Wochen vor der Wahl um einen wichtigen Wahlkämpfer: Selbstverständlich bleibe Guttenberg „als Wahlkämpfer willkommen”, sagt Mappus. „Ich hoffe, dass er nach einer Auszeit wieder für die Öffentlichkeit zur Verfügung steht”, sagt Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Das hält SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier für „schwer vorstellbar”. Über Wochen habe Guttenberg „seine eigenen Reden über Ehre und Anstand Lügen gestraft”, sagt Guttenbergs Intimfeind. Dennoch könnte die Hoffnung der Parteifreunde erhört werden: „Er wird sich erstmal zurückziehen und sich regenerieren”, sagt einer, der Guttenberg gut kennt. Das werde nicht von Dauer sein: „Er ist und bleibt Politiker mit Leib und Seele.”

Das mag sein, sagt Politik-Professor Klaus Schubert von der Universität Münster: „Aber Kanzler wird er nicht mehr.” Mit seiner Doktor-Affäre habe er „gegen die Werte und Moralvorstellungen der bürgerlichen Mittelschichten verstoßen”. Das Demoskopie-Hoch werde abklingen, prophezeit der Professor, und: „Für ein Comeback nach ganz oben fehlt Guttenberg darüber hinaus eine Hausmacht.

Wie geht es weiter mit Gutti? So könnte es sein: Das Käßmann-Szenario: Nach ihrer Trunkenheitsfahrt war Margot Käßmann im Februar 2010 als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands zurückgetreten. Ihr Schuldeingeständnis und ihre Demutsgeste („Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand”) lösten eine große Sympathie-Welle aus. Nach dem Rücktritt war die Theologin bekannter und populärer als davor. Ihre Auftritte auf dem Ökumenischen Kirchentag in München bewiesen es. Ambitionen hat die 52-Jährige noch nicht erkennen lassen, aber ein Comeback würde ihr wohl jederzeit gelingen. Eine Zweitkarriere außerhalb der Politik für Guttenberg? Wahrscheinlichkeit: Gering.

Das Strauß-Szenario. Franz-Josef Strauß musste nach der Spiegel-Affäre 1962 als Verteidigungsminister gehen. Er hatte die Polizeiaktion gegen die Spiegel-Redakteure nach einer kritischen Geschichte vorangetrieben. Bis 1966 ging Strauß ins politische „Abklingbecken”, er wurde CSU-Landesgruppenvorsitzender. 1966 feierte er sein Comeback als Finanzminister. In der Großen Koalition arbeitete er mit Wirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) gut zusammen („Plisch und Plum”). Strauß wurde nicht mehr Kanzler, aber bayerischer Ministerpräsident. Neustart für Guttenberg nach einer Pause? Wahrscheinlichkeit: Hoch.

Das Merz-Szenario: Als eines der größten Talente der Union startete Friedrich Merz seine Karriere zu Zeiten von Rot-Grün. Der scharfzüngige Sauerländer profilierte sich als Widerpart zu Superminister Oskar Lafontaine. Ab 2000, nach Bekanntwerden der CDU-Parteispenden-Affäre, war er als CDU/CSU-Fraktionschef Oppositionsführer. 2002 beanspruchte Angela Merkel den Job für sich, Merz rückte ins zweite Glied. 2004 trat er als Fraktionsvize zurück und 2009 als Bundestagsabgeordneter nicht mehr an. Seitdem wirkt der 55-Jährige als Wirtschaftsanwalt und bleibt der Kanzlerin in politischer Feindschaft verbunden. Steigt Guttenberg in die Wirtschaft um? Wahrscheinlichkeit: Gering.

Das Wilhelm-Zwo-Szenario. Das Kriegsende 1918 zwang den letzten Deutschen Kaiser zur Abdankung. Wilhelm II. ging ins holländische Exil. Dort hackte er viel Holz. Zieht sich Gutti zurück ins Private, auf sein Schloss? Wahrscheinlichkeit: Sehr gering, auch wenn er als Waldbesitzer genug Holz hat.

 

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