Guardiola verliert Supercup 1:0 für Klopp! Ein Schuss vor den Pep

1:0 für Klopp: BVB-Coach Jürgen Klopp (r.) und Pep Guardiola bei ihrem ersten Duell als Trainer von Borussia Dortmund und Bayern München. Foto: sampics/augenklick

Die 2:4-Pleite im Supercup gegen Dortmund zeigt, dass auch Guardiolas Bayern verwundbar sind, das System noch längst nicht greift und so mancher Spieler auf ungewohnter Position verunsichert wirkt.

 

Dortmund - Der Sonntag war frei, hitzefrei. Am Vormittag flog der Bayern-Tross von Dortmund zurück nach München, Trainer Pep Guardiola verordnete der Mannschaft Schatten und Ruhe. Schließlich mussten die Profis nach dem 2:4 beim BVB auch mit Ungewöhnlichem fertig werden: Erstmals seit Mai 2012 kehrten sie von einem Finale ohne Pokal heim. Das Vorbereitungstriple aus Telekom-Cup, Uli-Hoeneß-Cup und nun dem Supercup wurde verpasst.

Eine Pleite mit Nebenwirkungen? Es war der erste Kreislaufkollaps des Pep-Systems, ein Schwächeanfall, der zwar ein Titelchen kostete, jedoch keine Punkte. Wie viel Selbstvertrauen auf der Strecke blieb, wird sich zeigen. „Es gibt noch keinen Grund zur Sorge, so etwas kann passieren“, meinte Kapitän Philipp Lahm, „wir wussten, dass wir nicht durchmarschieren und kein einziges Spiel verlieren werden.“ Und auch Guardiola versuchte zu beschwichtigen: „Ich bin eigentlich ganz zufrieden, es war eine ordentliche Leistung. Dortmund hat gewonnen, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass sie viel besser waren.“

Doch warum hatte man nie das Gefühl, dass sich der BVB diesen Prestige-Erfolg zwei Wochen vor Saisonbeginn im eigenen Stadion nehmen lassen möchte? Dass der Vizemeister gieriger auf diesen Titel war, mit aller Macht gewinnen wollte? Alle neun Test-Kicks in der Vorbereitung hatte Bayern gewonnen bei 61:3 Toren. Dann kam Klopp. Und verpasste Pep eine Lektion. 1:0 für den BVB-Trainer im ersten direkten Duell. Der Mehrwert für die Guardiola-Bayern könnte höchstens sein: War es der (rechtzeitige) Schuss vor den Pep?

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DAS FEHLEN DER ACHSE

Jupp Heynckes, der Triplesieger-Trainer, brach im ZDF eine Lanze für seinen Nachfolger: „Den Bayern fehlten fünf Spieler, die im Champions-League-Finale gegen Dortmund auf dem Platz gestanden hatten.“ Und zwar: Manuel Neuer (muskuläre Probleme), Franck Ribéry (Oberschenkelverletzung), Javi Martínez (Trainingsrückstand) sowie die spät eingewechselten Bastian Schweinsteiger und Dante. Heynckes: „Die Jungs waren einfach noch nicht so weit, ihre Topleistung abzurufen.“ Tatsächlich gilt das Argument, denn Neuer-Dante-Martínez-Schweinsteiger war die Mittelachse der letzten Saison, Ribéry der beste Offensivspieler. Sie sind nicht zu ersetzen.

DAS NEUE SYSTEM

Es dauert, bis die Bayern-Profis den Pep-Kosmos auf dem Platz zur Gänze begriffen haben. Jeder Spieler soll jede Position beherrschen. So agierte der gelernte Stoßstürmer und Torjäger Mario Mandzukic zum Teil als Linksaußen, mal vorne, mal als falscher Neuner – bis er sich im Nirgendwo verlor und seiner eigentlichen Stärken beraubt wirkte. Dazu kommt: Der ständige Versuch, Überzahl zu bilden und noch früher zu attackieren, führt zu gewisser Verunsicherung. „Wir sind letztes Jahr auch vorne drauf gegangen, jetzt vielleicht noch mehr und verschärfter“, erklärte Thomas Müller und stellte zögerlich fest: „Das ist, denke ich, ein ganz gutes Mittel.“

DIE ROCHADEN

In Dortmund stellte Guardiola seinen Vertrauensmann Thiago wieder auf die Sechs, doch Kroos und Müller kamen auf den halb-offensiven Halbpositionen nicht zurecht. „Es braucht noch ein bisschen, bis alles so klappt, wie wir das wollen“, meinte Lahm und reagierte leicht patzig auf Nachfragen: „Bis gestern war alles okay, und heute soll schon wieder alles schlecht sein.“
Man setzt auf den Faktor Zeit. Vor allem Guardiola. „Ich bin bisher nur einen Monat zusammen mit meinen Spielern“, erklärte der Coach, „wir haben jetzt noch zehn Tage, zwei Wochen, um bis zum Bundesligastart bei 100 Prozent zu sein.“ Montag 18 Uhr ist Training.

 

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