Grundsatzbeschluss im Stadtrat Keine Einigkeit: Die gebremste Radl-Offensive

Mit Radlweg und ohne Parkplätze: So stellen sich die Grünen die Zukunft der Fraunhoferstraße vor (r.). Zum Vergleich: Im linken Bild der Ist-Zustand. Foto: Simulation/Foto: Grüne

Im Rathaus ist man sich einig: Der Radverkehr muss gefördert werden. Wie, da gehen die Meinungen jedoch weiter auseinander.

München - Die Stadt München lobt sich gerne für ihre angeblich so vorbildliche Förderung des Radverkehrs. Aber wenn man sich auf den Straßen mal etwas genauer umschaut, sieht man schnell: In der selbst ernannten "Radlhauptstadt" liegt doch noch so einiges im Argen.

Wer in der Stadt regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs ist, der kennt das: Da enden Radlwege einfach irgendwo im Nichts, da rasen Autos keine Armlänge entfernt an einem vorbei – und oft muss man sein Radl am Ende auch irgendwo an einen Gartenzaun ketten, weil einfach weit und breit keine Abstellflächen da sind.

Die Grünen sprechen von einem "Dokument der Mutlosigkeit"

Am Mittwoch will der Stadtrat nun mit einem Grundsatzbeschluss alles zum Guten wenden. In ihrer Entscheidungsvorlage erklärt Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteifrei) auf über 200 Seiten, wo es ihrer Ansicht nach Verbesserungsbedarf gibt. Richtig konkret wird das Papier dabei allerdings nur an sehr wenigen Stellen.

Bei der Opposition im Rathaus ist man deshalb äußerst unglücklich. Merks Vorschläge seien ein "Dokument der Mutlosigkeit", schimpft Gülseren Demirel, die Fraktionschefin der Grünen. Denn statt endlich mal etwas zu tun gegen verstopfte Straßen und schlechte Luft, gebe es von der Stadtspitze wieder einmal nur vage Absichtserklärungen.


Ungehindert von Gleisen, Ampeln und Straßenkreuzungen: So sieht ein Schnellradweg aus (hier ein Beispiel aus Bochum). Foto: dpa

Die Grünen haben am Montag deshalb einen umfangreichen Gegenentwurf vorgestellt. Dieser sieht zahlreiche Anreize vor, die die Münchner zum Umstieg aufs Radl bewegen sollen. Fünf neue Schnellradwege, 50 große Lückenschlüsse im Wegenetz, 20.000 neue Stellplätze – bis 2025 soll aus München so ein richtiges Paradies für Radler werden.

Acht konkrete Baustellen benennt das Zweirad-Konzept. So wünschen sich die Grünen unter anderem auch, dass an zehn Hauptverkehrsachsen zweieinhalb Meter breite Fahrradwege gebaut werden.

Der schmale Bordsteinradweg sei das Erbe aus seiner Zeit, in der sich die Münchner noch nicht so häufig aufs Radl geschwungen hätten, sagt der grüne Verkehrsexperte Paul Bickelbacher. Bei den vielen Fahrradtypen heutiger Tage müsse man dagegen sicherstellen, dass auch zwei dick bepackten Lastenrädern beim Überholen unfallfrei aneinander vorbeikämen. Natürlich bedeutet das Konzept, dass man den Autofahrern Straßenraum wegnehmen müsste (siehe Bilder oben). Die Grünen rechnen für ihre Ideen deshalb auch nicht mit großem Applaus aus der Rathaus-Koalition. SPD und CSU trauten sich an eine richtige Vision nicht heran, sagt Fraktionschefin Demirel. "Bei denen herrscht die Prämisse: Bloß niemandem auf die Füße treten."

Radverkehr: Keine große Einigkeit bei der GroKo

Tatsächlich fällt das erste Echo aus der Stadtregierung sehr verhalten aus. 50 große Lückenschlüsse, 20.000 neue Stellplätze – von solchen plakativen Forderungen halte sie nichts, sagt Bettina Messinger, die Radl-Expertin der SPD-Fraktion. Eines muss aber auch sie zugeben: "Ein bisschen ambitionierter hätte der Grundsatzbeschluss schon sein können."

Zwar wollen auch SPD und CSU den Radverkehr fördern. Große Einigkeit herrscht in der Großen Koalition bislang aber noch nicht. Die CSU hat am Montag sogar zu einem der ganz großen Projekte noch einmal Beratungsbedarf angemeldet: den Radschnellwegen.

Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum hat 14 potenzielle Strecken ausgemacht, die man so ausbauen könnte, dass Radler ungehindert von Ampeln, Gleisen oder Straßenkreuzungen schnurstracks in die Stadt rauschen können. Der Radschnellweg nach Garching soll als Pilotstrecke gebaut werden, fünf weitere sollen intensiver untersucht werden. Doch welche genau das sein sollen: Das will sich die CSU noch einmal überlegen.

Gut möglich, dass die große Radl-Offensive nun vorerst ganz verschoben wird. SPD und CSU sind bei vielen Punkten noch ziemlich weit auseinander. Wahrscheinlich wird man deshalb erst nach Weihnachten entscheiden, wie es in München mit dem Radverkehr weitergehen soll.


Ungebremst nach München: Das sind die 14 potenziellen Radschnellwege. (Zum Vergrößern bitte auf die Karte klicken.) Grafik: Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München

AZ-Kommentar zum Thema: Förderung des Radverkehrs - Ranklotzen!

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