Grüne Spitze Untergiesing: Neuer BA-Chef will gegen Gentrifizierung kämpfen

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Sebastian Weisenburger (Grüne) ist der neue BA-Chef in Untergiesing-Harlaching. Zusammen mit der SPD hat er ökologisch-soziale Pläne für seinen Bezirk. Foto: Daniel von Loeper

Untergiesing ist jetzt nicht mehr Schwarz, sondern Grün. Der neue BA-Chef Sebastian Weisenburger will gegen Gentrifizierung kämpfen.

 

München - Mitte April 2014 und fast das ganze Jahr 2015 hatte er eine Polit-Pause gemacht, heuer startet Sebastian Weisenburger (Grüne) dafür gleich doppelt durch: Als Stadtrat sowie BA-Chef für den Bezirk 18 – Untergiesing-Harlaching.

Am Donnerstag wurde er offiziell gewählt in dem Stadtbezirk, der jetzt nicht mehr schwarz, sondern mit 42,1 Prozent der Stimmen nun grün ist, die CSU kommt mit 24,9 Prozent an zweiter, die SPD mit 20,1 Prozent an dritter Stelle.

Zu Weisenburgers Stellvertretern wurden Heike Kraemer (SPD) und Ferdinand Brinkmöller (CSU) gewählt.

"Ein äußerst zeitintensives Ehrenamt"

Weisenburger war zwischen 2011 und 2014 Chef der Münchner Grünen, Mitte 2014 war er mit Geburt seiner Tochter ausgestiegen. 2015 ging es dann wieder im BA Untergiesing-Harlaching los für ihn, 2018 ist er in den Stadtrat nachgerückt.

"Ein äußerst zeitintensives Ehrenamt", sagt Weisenburger. So arbeitsintensiv, dass er parallel dazu zunächst nicht mehr seiner Arbeit als Referent für Europaprojekte an der Technischen Universität nachgehen wird.

Denn wenn Weisenburger nicht gerade Stadtrats- oder BA-Arbeit macht, kümmert er sich um die beiden Kinder. Seine Frau ist Bauchchirurgin, arbeitet aber nicht mehr im Krankenhaus, sondern in einem Verlag.

"Klare sozial-ökologische Ausrichtung" vorgenommen

Um überhaupt das Amt als BA-Chef mit dem des Stadtrats vereinbaren zu können, hat Weisenburger im Stadtrat schon einen Ausschuss abgegeben: den für IT. Jetzt sitzt er noch im Wirtschafts-, dem Finanz-, dem Kinder- und Jugendhilfe- sowie dem Bildungsausschuss.

Für den BA hat er zusammen mit der SPD eine "klare sozial-ökologische Ausrichtung" vorgenommen. Ökologisch etwa, weil der Radentscheid auch im Bezirk umgesetzt und mehr Platz für Fußgänger geschaffen werden sollen.

"Auch Naturschutz soll jetzt einen höheren Stellenwert im Bezirk bekommen", sagt Weisenburger. Etwa in den Isarauen wolle man vermehrt auf den Baumschutz achten.

"Der Bezirk ist kein reines Reichenviertel"

Doch auch das Soziale sei dem neu zusammengewürfelten BA unter Weisenburger sehr wichtig. "Untergiesing ist nicht mehr das arme Arbeiterviertel", sagt Weisenburger. Aber, so sagt er weiter: "Wenn man im Supermarkt beobachtet, dass Leute sich nur das Nötigste leisten können, dann merkt man, dass der Bezirk eben auch kein reines Reichenviertel ist."

Dabei, so der Grünen-Politiker, "gehören auch die Menschen, die weniger haben, zu unserem Stadtviertel, sind gleichwertig".

Deshalb wolle er zusammen mit der SPD gleichzeitig gegen Gentrifizierung im Bezirk kämpfen. Das sei mehr ein Untergiesinger als ein Harlachinger Problem. "Da wollen wir konsequent dagegen halten", sagt Weisenburger. Man wolle etwa so viele und so große Erhaltungssatzungsgebiete wie möglich schaffen.

Die politische Arbeit während Corona beschreibt Weisenburger als "total unwirklich". Sonst sei es in den Sitzungen üblich, mal schnell die Köpfe zusammenzustecken. Aktuell unvorstellbar.

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