Gerdi und Peter Reichert Sie sind die neuen Wiesn-Wirte

Alte Hasen im Gastro-Geschäft und ab heuer neue Wirte auf der Oidn Wiesn: Gerdi und Peter Reichert. Foto: Julia Sextl

Vom Ammersee auf d' Oide Wiesn: Das Wirts-Ehepaar Gerdi und Peter Reichert vom Herrschinger Seehof betreibt heuer die "Schönheitskönigin" – und steckt bis zum Hals in den Vorbereitungen.

Herrsching - Draußen, am Ammersee, da ging's gerade richtig rund. Während der stürmische Wind die Wellen übers Wasser peitscht und fröstelnde Spaziergänger sich die Kapuzen tiefer ins Gesicht ziehen, ist's drinnen im Herrschinger Seehof warm und gemütlich – und die Stimmung regelrecht euphorisch: Am Stammtisch neben dem grünen Kachelofen sitzen sechs Männer und Frauen, hochkonzentriert, mit dicken Ordnern und Bauplänen vor sich. Es ist der engere Stab rund um die neuen Wiesn-Wirte Gerdi und Peter Reichert (beide 50).

Er ist zuständig dafür, dass alles läuft, rund um die Schöhnheitskönigin – dem nagelneuen Zelt auf der Oidn Wiesn, das, bis auf den Namen, noch gar nicht existiert. Seit gut zwei Wochen erst ist es fertig geplant. "Die schneiden jetzt grad das Holz zu", sagt Peter Reichert. Er hat dafür eine Zeltbaufirma aus Augsburg beauftragt – und die muss jetzt schnell sein: Denn in sieben Wochen schon ist Wiesn-Anstich. Die ersten Zelte werden bereits aufgebaut. Die Schönheitskönigin ist in zwei Wochen dran. Knapp 900 Plätze soll sie bieten, davon 200 draußen im Biergarten.

Wie ein Wirtshaus um 1900

Und schon kommt Reichert ins Schwärmen: Innen soll das Zelt ausschauen wie ein Wirtshaus um 1900, mit dunklen Holzvertäfelungen an den Wänden und Fotos von München anno dazumal, am Zelthimmel großflächige Holzschnitzereien. Alles ist aufeinander abgestimmt. "Sogar die Garderobenhaken müssen passen", sagt Reichert und lacht, dann gehört seine Aufmerksamkeit wieder ganz dem Handy – dem wohl wichtigsten Arbeitsgerät in diesen Tagen.

Die Reicherts planen alles selbst für das 40 mal 27 Meter große und acht Meter hohe Zelt – und das innerhalb kürzester Zeit: Erst Ende Mai hatten sie von der positiven Entscheidung des Stadtrats erfahren.

2011 war ihr Debüt auf der Wiesn

Ein bißchen Wiesn-Erfahrung haben sie schon, 2011 hatten sie ihr Debüt mit dem Theaterzelt, das sie auch schon Schönheitskönigin tauften. Doch diesmal ist alles komplett neu – vom Zelt bis zu einem Konzept, das es so bisher nicht gab: die Schönheitskönigin als Volkssängerzelt. Wie in den Wirtshäusern um 1900 wollen Reicherts ein Potpourri an Künstlern auf der Bühne haben, die in traditioneller Manier ihre Lieder und musikalischen Kommentare zum Zeitgeschehen singen. Bei manchen darf das Publikum sogar mitsingen.

"Volkssänger hatten früher eine große Tradition in München", sagt Peter Reichert und zieht eine alte Zeichnung von einem dicken Mann mit Kontrabass hervor. "Hier, das ist Baron Sulzbeck, der gilt als einer der ersten Volkssänger Münchens." Eine der bekanntesten hingegen dürfte die 1922 in München geborene Bally Prell sein. Nach einem ihrer Gassenhauer, der "Schönheitskönigin von Schneitzlreuth", ist das Zelt benannt.

Zur Wiesn gibt's einen Volkssänger-Wettbewerb

Reichert hat viel Herzblut hineingesteckt in die Planung. Das hört man, sobald er den Mund aufmacht. Aber werden die Wiesn-Gäste tatsächlich zuhören, sich wirklich einlassen auf die vielen künstlerischen Beiträge? "Wir hoffen natürlich, dass die Leute erkennen, was ihnen da Außergewöhnliches geboten wird und das wertschätzen", sagt Gerdi Reichert. "Das ist ja auch ein Mordsaufwand für uns alle."

Unterstützung bekommen sie dabei von Jürgen Kirner, Kabarettist bei der Couplet AG und Moderator der BR-Sendung Brettl-Spitzen. Er kümmert sich auch um einen Wettbewerb für Nachwuchsvolkssänger, der während der Wiesn ausgetragen wird, und für den man sich bereits jetzt bewerben kann. Der erste Preisträger darf dann in der nächsten Brettl-Spitzen-Sendung auftreten.

Der Wirt ist selber Musikant

Wie Musik die Stimmung in einem Festzelt beeinflussen kann, das weiß Reichert auch aus eigener Erfahrung. Er ist selber Musikant, spielt seit 40 Jahren Trompete und tritt mit verschiedenen Gruppen in und um München auf. Sogar eine eigene Seehof-Musi hat er gegründet. Seit Jahren gibt’s in seinem Gasthaus Wirthauskonzerte, Musikantenstammtische, Frühschoppen und Biergartenbetrieb mit Live-Musik.

Die Trompete hat Reichert immer dabei. Auch auf der Wiesn, klar. Gut möglich, dass er ab und zu spontan einen aufspielt. Als Programmpunkt hat er sich selbst aber nicht eingeplant. "In der Zeit hab' ich meinen Kopf woanders", sagt er.

Mit 17 hat Reichert schon überlegt, Wiesn-Wirt zu werden

Trotz der vielen Vorbereitungen wirken die Reicherts gelassen – sind sie doch alte Hasen im Gastronomiebetrieb. Gerdi Reichert ist eine geborene Sperger und der Wirtsfamilie aus dem Münchner Hofbräuhaus entsprungen. Dort ist sie mit drei Geschwistern in der Wohnung unter dem Dach groß geworden. Heute betreiben ihre beiden Brüder das berühmte Haus am Platzl. Und Peter Reicherts Vater war der Wirt vom Ebersberger Hof.

Mit 17 habe er erstmals den Gedanken gehabt, eines Tages Wiesn-Wirt zu werden, sagt Reichert. "Damals hatte ich mir auf der Wiesn ein Hendl und a Maß Bier gekauft, aber niemand wollte mich an einen Tisch lassen. Da hab ich beschlossen: ich mach das mal anders." Deshalb gibt’s in der Schönheitskönigin Schilder, auf denen steht: "Schlecht gefüllte Tische bitte nachfüllen lassen." Ein Wortwitz – in Anlehnung auf schlecht gefüllte Krüge zum Nachfüllen.

Seit 1996 schon betreiben die Reicherts den Seehof am Herrschinger Dampfersteg mit angeschlossenem Hotel – das Gebäude ist im Besitz der Brauerei Hofbräu München – und haben ihn zu einem Magneten für traditionelle, aber auch moderne Musikanten gemacht. Jetzt kehren sie zu ihren Münchner Wurzeln zurück, wenn auch nur für gut zwei Wochen im Jahr. Ihr Ziel: wieder mehr Gemütlichkeit und traditionelle Musik ins Festzelt zu bringen – und eine Fetzengaudi dazu.

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