Geplanter Abriss am Hauptbahnhof Es ist offiziell: Der Schwammerl kommt weg

, aktualisiert am 21.11.2016 - 08:59 Uhr
Schaut doch ganz gut aus, oder? Der noch nicht vergammelte Schwammerl mit „Hauptbahnhof“-Schrift, hier noch ohne störenden Aufzugs-Einbau und Radl-Verhau im Jahr 1976. Foto: Ullstein

Jetzt ist es offiziell: Das historische Vordach des Hauptbahnhofs wird schon bald abgerissen.

 

München - Für die einen besondere Nachkriegs-Architektur, für die anderen ein hässlicher Schandfleck, für wieder andere vor allem ein Sammelplatz für Trinker und Drogenabhängige: Der Schwammerl am Bahnhof polarisiert. Noch. Denn bald kommt er weg. Oberbürgermeister Dieter Reiter erklärte beim Parteitag seiner SPD, das Vordach werde „zeitnah“ abgerissen.

Wie berichtet hatte die Sicherheits-Situation rund um den Hauptbahnhof in den vergangenen Wochen für Diskussionen gesorgt. Kürzlich war auch die Rede davon gewesen, dass es die Bauarbeiten für die Zweite Stammstrecke erleichtern könne, wenn das Vordach weicht.

Demnächst soll nächtliches Akloholverbot eingeführt werden

Die Polizei meldet schon länger verstärkte Einsätze am Platz, kürzlich hatte sich der CSU-Landtagsabgeordnete Andreas Lorenz gemeinsam mit Geschäftsleuten aus dem Bahnhofsviertel zu Wort gemeldet. Sie forderten mehr Kameras und mehr Polizei für das Viertel. Ein nächtliches Alkoholverbot am Bahnhofsplatz wird wohl demnächst vom Stadtrat beschlossen werden, die Rathaus-SPD forderte außerdem mehr Sauberkeit und Beleuchtung – und den Abriss des Schwammerls.

Am Wochenende also meldete der Oberbürgermeister, dass das Vordach verschwindet. Im Viertel sorgt das nicht nur für Begeisterung. Die Situation am Bahnhof werde oft übertrieben dargestellt, sagte der örtliche Bezirksausschuss-Chef Alexander Miklosy (Rosa Liste) am Sonntag im Gespräch mit der AZ. „Klar ist das keine Wohlfühl-Oase, aber aus meiner Sicht ist die Situation nicht schlimmer geworden.“ Den Drogenhandel werde man nie ganz in den Griff bekommen. „Und der Bahnhof funktioniert.“

Schwammerl diente bislang auch als Regenschutz

Miklosy bedauert den bevorstehenden Abriss. „Ich persönlich finde es schade, dass der Schwammerl als eines der wenigen Überbleibsel der Nierentisch-Zeit wegkommt.“ Miklosy verwies außerdem auf den praktischen Nutzen des Dachs. „Die Leute, die auf den Bus warten, suchen hier Schutz vor Regen“, sagte er.

Der Vize-Chef der Stadtrats-CSU hingegen begrüßte die Entscheidung. „Das ist einer der Brennpunkte“, sagte Michael Kuffer der AZ. Den Abriss nannte er eine „Entschärfung“. Kuffer fordert weitere Maßnahmen. „Jetzt darf man auf keinen Fall die Hände in den Schoss legen“, sagte er. Die Bahn plant schon länger einen Neubau des Bahnhofsgebäudes.

 

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