Gedrängel und Geschubse Christkindlmärkte: Wie die Wiesn im Winter

Allein auf den Christkindlmarkt in der Altstadt werden bis Weihnachten über drei Millionen Menschen gekommen sein. Foto: Petra Schramek

Sonne statt Schnee: Das Wetter treibt Millionen auf den Christkindlmarkt in der Altstadt – und auch auf anderen Märkten herrscht Gedränge. Dabei ist es kein allzu billiges Vergnügen.

 

München - Die Sache mit der weißen Weihnacht hat sich ja wohl erledigt. Zwischen sechs und acht Grad, je nach Wetterdienst, soll es tagsüber warm werden an Heiligabend. Von Niederschlag keine Rede. Aber wer braucht Schnee, wenn er in Weihnachtsstimmung kommen will?

Aktuell sorgen die Temperaturen für einen massiven Ansturm auf Münchens Christkindlmärkte. Da geht’s mitunter zu wie auf einer Winter-Wiesn. Sogar Reservierungen gibt’s schon  Claudia Bauer vom Referat für Arbeit und Wirtschaft, das den Christkindlmarkt veranstaltet, sagt: „Das Wetter spielt eine große Rolle – und heuer ist es für den Christkindlmarkt perfekt, es lädt geradezu ein. Die Besucherzahlen werden voraussichtlich nicht geringer sein als im vergangenen Jahr.“

Bereits zur Halbzeit in der Vorwoche hat das Wirtschaftsreferat 1,7 Millionen Menschen gezählt zwischen Rindermarkt und Dienerstraße, Richard-Strauss-Brunnen und Marienplatz, darunter viele Gäste aus Osteuropa, USA, Asien. Und natürlich aus Italien. Am Ende könnten dürften es demnach deutlich mehr sein als die Gesamtzahl von 3,1 Millionen aus dem Vorjahr.

Das ist rund die Hälfte der Wiesn-Gästezahl – aber da sind die anderen Märkte von Schwabing bis Haidhausen, von Pink Christmas bis zum Mittelalterlichen Weihnachtsmarkt auf dem Wittelsbacherplatz nicht eingerechnet. Auch nicht das Tollwood-Festival auf der Theresienwiese, das zur Halbzeit 430000 Besucher verzeichnete, 10000 mehr als im Vorjahr; Bazar- und Mercatozelt geraten mitunter zu Drängelzonen.

Abends ist das vorweihnachtliche Gedränge in München so groß, dass manchem mulmig wird.

AZ-Leserin Anke Peter berichtet, zum Mittelaltermarkt habe sie sich um 18.30 Uhr „regelrecht reinquetschen“ müssen: „Überall nur dunkle Mäntel, Gedrängel, Geschubse, kein Durchkommen. Wir wissen überhaupt nicht, wo die Schlange zum Glühweinstand endet, geschweige denn, wie lange man wartet oder wo man sich mit dem Getränk anschließend hinstellen soll. Akute Beklemmungsgefühle.“

Nach zehn Minuten Kampf hat Anke Peter aufgegeben, um es im Residenz-Innenhof zu versuchen: „Dasselbe Bild. Die Menschen stehen bis draußen vor den Tor-Eingang, drängeln sich, quetschen. Immerhin, einen kleinen Durchgang finden wir. Doch im Innenhof stehen wir wieder fest. Eine Riesen-Menschentraube vorm Bratwurst-Stand am Eingang und ständig die Angst, gleich einen Glühwein ins Genick zu bekommen oder Senf an den Mantel geschmiert.“ Sie sei dann heimgegangen (und hat so nebenbei Geld gespart).

Ein Haferl Glühwein am Marienplatz kostet heuer immerhin 3,50 Euro. Bei „Hamburg“ ein paar Standl weiter macht die Fischsuppe 12,50 Euro. Fürs Geschnetzelte mit Polenta am Mittelaltermarkt werden acht Euro aufgerufen, ein „Thors Hammer“ (heißer Met mit Whisky) schlägt mit fünf Euro zu Buche. Genau wie eine Feuerzangenbowle – plus 10 Euro Pfand für den putzigen Krug.

Wer zum Nachtisch am Rindermarkt gebrannte Cashewkerne mag, zahlt für hundert Gramm vier Euro. Gesalzene Preise für süße Ware – aber man gönnt sich ja sonst nichts. Frohes Fest.


Lesen Sie hier: Die Abrechnung von Harry G mit den Münchner Christkindlmärkten

 

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