Gedenkfeier in Rott a. Inn Bilder: CSU gedenkt am Grab von Franz Josef Strauß

Horst Seehofer (r.) und der Sohn von Franz Josef Strauß, Maximilian Josef Strauß unterhalten vor der Pfarrkirche in Rott am Inn. Foto: dpa

Bei einem Gottesdienst in Rott am Inn erinnerte Horst Seehofer an den verstorbenen CSU-"Übervater", der heute 100 Jahre alt geworden wäre.

 

Rott a. Inn -  Alle sind sie gekommen, die Familie und die Parteispitzen. CSU-Chef Horst Seehofer und sein Generalsekretär Andreas Scheuer sowieso, auch die Berliner Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, bayerische und Berliner CSU-Kabinettsmitglieder. Natürlich sitzen auch die drei Kinder von Franz Josef Strauß in der ersten Kirchenbank - Monika Hohlmeier, Max Josef und Franz Georg Strauß. Exakt an seinem 100. Geburtstag gedenkt die CSU am Sonntag in Rott am Inn ihres langjährigen Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß.

Neben dem Altar ein Foto von "FJS", wie seine Anhänger Strauß oft nannten, davor ein Blumengesteck - natürlich in den bayerischen Landesfarben Weiß und Blau. Gebirgsschützen der Kompanie Tegernsee, in der Strauß Ehrenmitglied war, geleiten Seehofer in traditionellen Monturen in die Kirche. Schon vor dem Gottesdienst hat Seehofer Strauß als "großartigen und außergewöhnlichen Menschen" gewürdigt. "Er war einer der Baumeister Deutschlands und Schöpfer des modernen Bayern", sagt Seehofer über den durchaus umstrittenen Politiker in die Kameras. Der langjährige Münchner Oberbürgermeister und spätere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel hat Strauß am Tag zuvor im "Münchner Merkur" anders beschrieben: ein "Kraftwerk, dessen Turbinen hundert Megawatt erzeugen können, das aber nur mit Sicherungen für drei Stall-Laternen ausgestattet ist".

In seiner Predigt geht der Ortsgeistliche Klaus Vogl auf das Sonntagsevangelium mit dem Motto "Öffne dich für Gott und die Welt" ein. "Diesem Aufruf hat sich Franz Josef Strauß gestellt", sagt der katholische Priester, und diesem Aufruf müsse sich jede Generation neu stellen. Eine Enkeltochter von Strauß singt von der Empore das "Ave verum" von Wolfgang Amadeus Mozart.

Vor der Gruft im Friedhof neben der Kirche sind mehrere Kränze aufgestellt - von Seehofer, der Berliner CSU-Landesgruppe, auch der Bundestagsfraktion insgesamt. "In Liebe - Deine Kinder" steht auf der Schleife eines weiteren Gebindes. Bei nasskaltem Wetter legen Seehofer und die Strauß-Kinder die Kränze nach dem Gottesdienst in der Gruft nieder. Dort ist der am 3. Oktober 1988 gestorbene Politiker neben seiner vier Jahre zuvor tödlich verunglückten Frau Marianne beerdigt.

Beim anschließenden Empfang kündigt Seehofer für den abendlichen Berliner Koalitionsgipfel zur Flüchtlingskrise Klartext gegenüber Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an. Er fordert eine eindeutige Position bei der Verteilung der Flüchtlinge in der EU. "Wir können nicht als Bundesrepublik auf Dauer bei 28 Mitgliedsstaaten beinahe sämtliche Flüchtlinge aufnehmen." Konkret fordert der CSU-Vorsitzende deutlich schnellere Asylverfahren für Menschen ohne Bleibeperspektive. Er denke dabei an nur wenige Tage oder Wochen, präzisiert Seehofer.

Eine brisante Veröffentlichung ausgerechnet am 100. Geburtstag über eine mögliche Agententätigkeit von Strauß für den amerikanischen Militärgeheimdienst OSS im Zweiten Weltkrieg spielt bei der Feier keine Rolle. Neu entdeckte Akten der Staatssicherheit (Stasi) der früheren DDR sowie des Bundesnachrichtendiensts (BND) sollen bislang unbekannte Hinweise auf eine mögliche nachrichtendienstliche Verbindung von Strauß zu den USA enthalten. Darin werde behauptet, Strauß habe im Oktober 1944 geheime Unterlagen zur Luftverteidigung süddeutscher Städte an amerikanische Agenten übergeben.

 

13 Kommentare