Gastronomen, Sänger, TV-Persönlichkeiten Bekannte Stadtratskandidaten: Diese Promis wollen ins Rathaus

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Auch ein paar Prominente wollen ins Münchner Rathaus einziehen. Foto: Sina Schuldt/dpa

Mit bekannten Namen versuchen vor allem kleinere Parteien, Wähler für sich zu gewinnen. Darunter Gastronomen, Sänger, TV-Persönlichkeiten und Aktivisten.

 

München - Über einen Meter lang wird er sein, der Wahlzettel für die Stadtratswahl am 15. März. Der Umfang des Papiers ist in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung – für Wähler, aber auch für die Parteien. Denn das Bekanntheitsproblem, das schon die Oberbürgermeisterkandidaten haben (den amtierenden SPD-OB Dieter Reiter ausgenommen), haben auch die allermeisten Stadtratskandidaten.

Viele Namen sind den meisten Wählern unbekannt, vor allem kleinere Parteien haben ein Problem aufzufallen. "Natürlich freuen wir uns, wenn wir Unterstützung durch die Promis bekommen", gibt etwa Claudia Stamm, Chefin der Partei Mut, deshalb zu.

Stadtbekannte Namen auf der Mut-Liste

Auf der Mut-Liste finden sich gleich mehrere stadtbekannte Namen. Darunter der Soul-, Jazz-, Chansonsänger und Kabarettist Ecco Meineke (58) aus dem Dreimühlenviertel, der besser als Ecco DiLorenzo bekannt ist. Mit seiner Funktion als Zugpferd geht Claudia Stamm offen um. "Ecco hat eine Zeit lang überlegt, ob er auf einem vorderen Platz kandieren will, damit er in dieser Stadt etwas bewegen kann", sagt sie.

Jetzt ist er eher in der Unterstützerfunktion auf Platz 28. "Weil Stadtrat ein Fulltimejob ist", erklärt er, "den könnte ich nur dann gut ausfüllen, wenn ich meinen Künstlerberuf für sechs Jahre aufgeben würde."

Ebenfalls für Mut (auf Platz 16) tritt Michi Kern (53) an, Gastronom, Veranstalter und Betreiber des Jivamukti-Yoga-studios am Gärtnerplatz. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er aus strategischen Gründen kandidiert. "Es geht mir in erster Linie darum, die Mut als kleinere Partei bekannter zu machen", sagt er.

Patricia Riekel kandidiert für die FDP

Auf der Liste der FDP-Fraktion ist der wohl prominenteste Name der von Ex-"Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel (Listenplatz 8). Sie will sehr wohl in den Stadtrat und sich dort für lebendige Viertel einsetzen.

Beim Aufstellungsparteitag sagte sie zur AZ: "Die kleinen Geschäfte und Cafés, die verwinkelten Straßen – die stehen für mich für das italienische Flair von München, das bewahrt werden muss."

SPD mit TV-Anwalt Vorländer und Liedermacher Hefter

Münchens SPD-Parteivize Roland Fischer sagt, dass der Promi-Status von Kandidaten in der SPD eher keine Rolle spiele. Prominente Namen auf der SPD-Liste gibt es dennoch. Einer der bekannteren ist TV-Anwalt Christian Vorländer (Platz 5), der aktuell auch Vize-Fraktionschef seiner Partei im Rathaus ist. Parteichefin Claudia Tausend bezeichnete ihn im AZ-Interview als "frische Persönlichkeit, die politische Inhalte auch gut präsentieren kann".

Neu für den Stadtrat kandidiert der Liedermacher Roland Hefter (52) aus Ramersdorf (Listenplatz 9). Er war kurz vor der Landtagswahl mit seinem Anti-AfD-Song "Mia ned" (aufgenommen mit der Initiative "Künstler mit Herz") zum Star geworden, es war in wenigen Wochen auf Facebook drei Millionen Mal aufgerufen worden.

Seit Freitag macht sein neues Video in den sozialen Netzwerken die Runde: die München-Hymne "München unsere Stadt", die er von OB Dieter Reiter singen lässt. "Das Lied habe ich schon lange in der Schublade", erklärt Hefter der AZ, "es war nicht als Wahlkampfsong gedacht, sondern als lässiges Heimatlied. Ich freu mich sehr, dass Dieter Reiter zugestimmt hat, das mit einem bissl abgewandelten Text einzusingen, er macht das nicht schlecht."

In den Stadtrat will Hefter unbedingt. "Ich finde, dass die SPD das in München super macht. Wo es in der Macht der Stadt liegt, kümmert sie sich um die Armen und um die Alten. Ich will mithelfen, dass es den Einzelnen gut geht."

Die Parteien versuchen nicht nur durch Prominenz, sondern auch durch Aktivisten von außerhalb, Stimmen für sich zu gewinnen. Als politischen Quereinsteiger hat OB Reiter Andreas Schuster (43; Platz 13 der SPD-Liste) nominiert. Schuster ist Mobilitätsexperte bei Green City und Mitinitiator des Bürgerbegehrens Radentscheid.

Die Linken setzen unter anderem auf ihren OB-Kandidaten Thomas Lechner (58; Platz 4), der maßgeblich an der Organisation der Großdemo #ausgehetzt beteiligt war.

Dem Kampf gegen Kaffee-Einwegbecher hat sich die Unternehmerin Julia Post (Platz 5 der Grünen-Liste) mit ihrer Initiative Coffee-to-go-again verschrieben. Und Auto-Begeisterten dürfte Michael Haberland (52) ein Begriff sein. Er ist Präsident des Vereins "Mobil in Deutschland" und kandidiert bei der CSU auf Listenplatz 26.

Wie viel der Bekanntheits-Status am Ende bringen wird? Es sind noch knapp vier Wochen bis zur Kommunalwahl am 15. März. Dann wird man’s wissen.

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