Gamsei Cocktails aus dem Wald

Das Gamsei ist das neue Experiment des hochdekorierten Barkeepers Matthew Bax (2. von rechts). Foto: Gregor Feindt

Das Gamsei im Glockenbachviertel ist keine gewöhnliche Bar. Als Zutaten für die Drinks dient alles, was vor der Haustür wächst.

 

Es ist vermutlich kein purer Zufall, dass die Rückwand im Gamsei aussieht wie ein alter Apothekerschrank. Schließlich ziehen Matthew Bax und seine Kollegen oft wie Druiden durch den Perlacher Forst und sammeln in der Natur ein, was sie für ihre Cocktails brauchen.

Das Gamsei – das wird schon auf der Türschwelle klar – ist keine gewöhnliche Bar. Man ist noch ganz verwirrt von den vielen unerwarteten Eindrücken, von den Lederschürzen der Barkeeper, von den beiden Holztribünen, die als Sitzgelegenheit dienen, und davon, dass einem gleich am Eingang die Jacke abgenommen wird, da geht an dem Apothekerschrank ein Türchen auf, und auf einem Schiefertablett kommt ein Löffelchen „Biersand” herein, geeister Bierschaum, der im Gamsei als Amuse Gueule gereicht wird.

Mit dem angenehm malzigen Geschmack des Biersands im Mund sitzt man dann auf einer Stufe der Holztribüne und schaut auf die vielen Steinzeugflaschen an der Decke, quasi die Vorratskammer im Gamsei.

In den Flaschen lagern Rum, Likör und Wermutessig – alles schon im vergangenen Sommer angesetzt, denn die Drinks im Gamsei werden ausschließlich aus regionalen und saisonalen Produkten gemixt. „Und wenn wir da nicht schon im Sommer vorgesorgt hätten, gäb’s gerade nur Cocktails aus Kraut”, scherzt Timon Kaufmann, der oberste Barkeeper im Lokal.

Mit dem Gamsei wollte Matthew Bax, der mit seinem alten Lokal „Der Raum” in Melbourne schon einige Preise gewonnen hat, eine Bar mit ökologischem Bewusstsein schaffen. „Wir wollen zeigen, dass auch das gut ist, was direkt vor der Haustür wächst”, sagt der Australier. Zitronen und Limetten, alles eben, was schon einmal um den halben Globus gereist ist, wird im Gamsei jedenfalls nicht verwendet. Die auf Papyrus geschriebene Karte, die die Getränke nach ihren Geschmacks-Koordinaten ordnet, ist deshalb auch recht reduziert.

Zwischen süß und sauer steht auf der Karte gerade etwa der „Lavender Drunk Bee”, ein eleganter Cocktail aus Grammelbeerschnaps, Verjus und Lavendelhonig (13 Euro). Wer es geschmacklich lieber bodenständig mag, kann sich auch ein Bier bestellen. Eine Stunde vor Betriebsschluss wird in der Bar ein Fass aus der Forschungsbrauerei angezapft. Tagsüber gibt es zudem Kaffee aus einer kleinen Münchner Rösterei. Man muss also im Gamsei nicht unbedingt einen Cocktail trinken, nur eines muss man dort: sich, bevor man die Holztribüne betritt, ein Paar von den grauen Hausschlappen anziehen. Auch das ist Teil des Öko-Konzepts.

Buttermelcherstraße 9, Di. bis Sa. 12-17 Uhr Kaffee, 18-2 Uhr Cocktails, www.gamsei.com

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