Für die AZ blättert er im Fotoalbum Peter Pongratz wird 70: Der ewig junge Lausbub

"Ich wollte schon immer irgendwann auch Wiesn-Wirt sein": Peter Pongratz beim traditionellen Einzug der Wirte auf die Wiesn. Foto: dpa

Peter Pongratz wird heute 70 – für die AZ blättert er im Fotoalbum und verrät, was für ihn noch schöner war, als Wiesn-Wirt zu werden.

 

Die Biergarten-Gäste schauten verdutzt: Erst wurde mitten vor ihren Bierbänken ein meterlanger roter Teppich ausgerollt – und über diesen spazierten dann Promis wie Theo Waigel, Opernstar Anna Maria Kaufmann, Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann, Inge Rodenstock, Ralph Siegel und 650 weitere Gäste, allesamt schick herausgeputzt in Abendkleid und Smoking.

Unvergessen jenes Zwei-Stunden-Defilee auf dem Nockherberg, das so lange dauerte, weil der Gastgeber es sich nicht nehmen ließ, so gut wie jeden seiner 650 "engen Freunde“ zur Begrüßung zu herzen. Das war vor genau zehn Jahren. Damals feierte Wiesn-Wirt Peter Pongratz seinen 60. Geburtstag – ganz im Pongratz-Stil: groß, opulent, fröhlich und herzlich, mit viel Prominenz und Medien-Interesse, kurz sensationell (was Peters oft benutztes Lieblingswort ist).

"Schon Wahnsinn, wie die Zeit vergeht“, sagt Pongratz, während er in seinem Fotoalbum blättert: "Ich merk’ das irgendwie gar nicht.“ Und so sprudelt er auch nach wie vor vor Energie und Lebenslust. Dass der ewig junge Lausbub vom Nockherberg am Freitag 70 wird, mag man kaum glauben: "Meine Mama ist fassungslos“, sagt er lachend.

Irmgard Pongratz (inzwischen fitte 89 Jahre alt) brachte ihren Sohn am 7. April 1947 zur Welt. Dass dieser einmal ein erfolgreicher Gastronom werden sollte, war ihm nicht in die Wiege gelegt. Peter stammt aus keiner Wirte-Dynastie. Seine Mutter war Sekretärin, sein Vater Beamter. "Doch immerhin bin ich in der Lindwurmstraße aufgewachsen, nur wenige Meter von der Wiesn entfernt“, sagt Pongratz schmunzelnd: "Fakt ist, dass ich sehr früh wusste, dass ich keine Banklehre machen will, was der Traum meiner Eltern war.“

So begann er nach der Mittleren Reife (wo er mit Michael Ande und Jörg Hube die Schulbank drückte) eine Ausbildung im legendären Restaurant Humplmayr am Maximiliansplatz. Es folgten Hotelfachschule und erste Anstellung: "Ich war Empfangssekretär im Regina-Palast-Hotel, dann kam ich zur Bundeswehr, wo ich Vorzimmerdame des Regimentskommandeurs war.“ 1975 nahm er "ganz begeistert“ das Angebot von Wirte-Napoleon Richard Süßmeier an, der ihm sein Forsthaus Wörnbrunn verpachtete. Sieben Jahre später wechselte Pongratz ein letztes Mal in die Hotellerie, als Direktor der Tenne in Kitzbühel – "um dann endgültig als Wirt durchzustarten“: im Spöckmeier am Marienplatz.

Seit inzwischen 27 Jahren ist er als Wirt nun ganz oben: Hoch droben auf dem Nockherberg. Seinem im November 1999 bis auf die Grundmauern niedergebrannten Salvatorkeller folgte der völlig neu gebaute Paulaner am Nockherberg. Außerdem gehört ihm die schmucke Grünwalder Einkehr. Andere Wirte wären mit dieser Karriere vollauf zufrieden, doch Pongratz trieb stets eine Idee an: "Ich wollte schon immer irgendwann auch Wiesn-Wirt sein.“ 2004 bekam er schließlich den Zuschlag für das Paulanerzelt, das Winzerer Fähndl. Seine Augen leuchten, als er sagt: "Das war das Größte für mich.

Größer war nur jener Tag 1994, als ich meine spätere Frau Arabella kennenlernte.“ Inzwischen sind sie glücklich seit 22 Jahren verheiratet und stolze Eltern von Ramona (20) und Alexander (18). Seine zwei älteren Kinder Michael (49) und Verena (34) haben Peter zum "glücklichen Opa“ von fünf Enkeln gemacht. Was wünscht er sich zum 70.? "Nichts! Ich bin glücklich.“ Um künftig mehr Zeit für sich und seine Familie zu haben, hat er sich entschlossen, Ende April den Nockherberg zu verlassen.

"Ich freu mich, dann mehr Zeit für meine Hobbys zu haben: Golf, Tennis und meine lieben Briefmarken“. Gefeiert wird der Geburtstag untypisch im kleinen Kreis. Am Nockherberg gibt’s noch viel zu tun. Auch seine verbleibenden Mitarbeiter will der Jubilar noch gut in neuen Arbeitsstellen unterbringen. "Da kann ich jetzt nicht groß feiern.“ Doch Pongratz wäre nicht Pongratz, wenn es nicht doch ein Fest geben würde – zeitversetzt im Sommer in seiner Grünwalder Einkehr. Bleibt abzuwarten, ob es dann ein Zwei-Stunden-Defilee geben wird.

 

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