Frust beim FC Bayern So machte Heynckes Robben zum Gefühlsvulkan

Arjen Robben (2.v.r.) durfte gegen Besiktas nur gut eine Halbzeit lang für den FC Bayern aufs Feld - danach fand er deutliche Worte. Foto: dpa

Arjen Robben, der Superstar beim FC Bayern München, ist sauer, weil er gegen Besiktas zuerst nur auf der Bank sitzt. "Jedes Wort wäre eines zu viel", sagt er später. Droht nun Ärger? Was Trainer Jupp Heynckes sagt.

 

München - Arjen Robben bog pfeifend um die Ecke. Flotten Schrittes kam er aus der Umkleidekabine der Allianz Arena, die Lippen gespitzt. Es war kein fröhliches Pfeifen, keine 5:0-Melodie. Eher eine ironisch gute Laune nach dem höchsten Heimsieg, den je ein Team im Hinspiel einer Champions-League-K.o.-Runde feierte, dem 5:0 gegen Besiktas Istanbul. Das Viertelfinale ist so gut wie gebucht, das Rückspiel am 14. März bei Besiktas Istanbul wird für die Bayern zum Schaulaufen.

Und dennoch war Robben angefressen, aber so richtig. Leicht erkältet sei der 34-Jährige, dieses Gerücht machte am frühen Abend die Runde. In der Startelf fehlte Robben, auch Franck Ribéry (34), Bayern begann ohne die Triple-Flügelzange. Dass Kingsley Coman (21) auf der linken Außenbahn den Vorzug vor Ribéry bekam, war nur all zu logisch. Auf einen Coman in dieser Form kann Bayern, kann Heynckes nicht verzichten. Aber auf Robben, den Nimmermüden, durch dessen Adern das pure Adrenalin fließt, in dessen Muskeln Ehrgeiz der stete Antrieb ist?

Arjen Robben: Mehr als 1.000 Worte - mit Blicken

Frage des AZ-Reporters nach Spielende: „Herr Robben, es hieß, Sie waren erkältet?“ – „Was war ich? Ich bin nicht erkältet!“ – „Warum haben Sie nicht von Beginn an gespielt?“ – „Das weiß ich auch nicht.“ – „Sie waren überrascht?“ – „Ich war sehr überrascht. Aber mehr sage ich nicht dazu.“ Sagte er doch. Mehr als 1000 Worte – mit Blicken. Und im TV bei Sky, angesprochen auf seine Laune aufgrund der Jokerrolle: „Jedes Wort wäre eines zu viel. Wenn ich jetzt meine Emotionen ausspreche, was ich fühle, was ich denke, dann bin ich morgen bei Brazzo (Sportdirektor Hasan Salihamidzic, d.Red.) oder bei Herrn Rummenigge und dann weiß ich nicht, was es dann gibt. Besser, dass ich das nicht mache.“ Dann ließ der Holländer doch in seine Seele blicken: „Ich bin Profi. Ich bin 34 Jahre alt und arbeite jeden Tag für diese Spiele. Das ist das Sahnehäubchen.“

Unterm Strich aber beherrschte sich Robben, in der 44. Minute für den leicht verletzten James (Wadenverhärtung, die Diagnose) ins Spiel gekommen. Mit Robben, so Hoeneß, „ist es dann prima gelaufen.“ Weil er mit Thomas Müller und Joshua Kimmich die Gäste nun über die rechte Seite auseinandernahm.

Heynckes machte Robben zum Gefühlsvulkan

Doch warum nicht gleich so? Warum startete Robben nicht? Weil Heynckes lieber auf Nummer sicher ging, Robben zum Gefühlsvulkan machte. „Ich wollte kein Risiko von Anfang an eingehen, daher habe ich im Mittelfeld mit Vidal und Martínez gespielt, damit wir zu null spielen“, erklärte Heynckes. Weil Müller auf die rechte Seite rückte und James wie Lewandowski gesetzt sind, musste Robben raus. Obwohl es „nur“ Besiktas war – in diesen Spielen kommt der vorsichtige Heynckes durch, also: Safety first, Egos second.

Diesmal erwischte es Robben. Den Frust seines Außenstürmers nahm Heynckes mit Verständnis auf. „Arjen ist ein Top-Profi. Dass er von Anfang spielen will, ist doch ganz klar. Das ist eine Momentaufnahme und überhaupt kein Problem.“ Allerdings sprach er eine klare Warnung aus angesichts von aktuell 21 fitten Profis (Bernat, Rudy und Thiago saßen sogar nur auf der Tribüne) mit Blick auf die nächsten Wochen: „Wer beim FC Bayern einen Vertrag unterschreibt, der muss damit rechnen, dass er hier und da mal nicht von Anfang an spielt.“ Seine Rolle umschreibt Heynckes so: „Ich muss das managen und ich mache das, was ich für richtig halte. Das muss jeder akzeptieren. Punkt.“ Ende der Ansage.

Und: Recht hat er. Bei 23 Erfolgen in 24 Pflichtspielen seit Anfang Oktober sowieso. Dass Robben frustriert ist, ist sein gutes Recht. Droht nun immer Aufstellungszoff? Nicht, wenn alle ihre Emotionen richtig kanalisieren, sich wie Robben rechtzeitig auf die Zunge beißen und Heynckes die Einsätze der Stars perfekt dosiert und moderiert. Denn: Reibung erzeugt Triple.

 

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