Fitnesskurse an der frischen Luft München: KVR straft Sportler im Park ab

So sehen die Kurse in den Grünanlagen aus. Foto: privat

Zwei Münchner bieten Fitnesskurse an. Die Stadt verbietet das, weil es zu kommerziell sei. Vor Ort gibt es Protest.

 

München - Functional Training – das sind schweißtreibende Übungen mit dem eigenen Körpergewicht: Kniebeugen, auch Krafttraining mit Gummibändern. "In Zeiten von Corona ist es besonders wichtig fit zu bleiben und etwas für sein Immunsystem zu tun", sagt Nadja Raoufi (37).

Zusammen mit Sebastian Habersetzer (35) bot sie Functional Training in den Isarauen an, seit 2018. Beide trafen sich zwei- oder dreimal die Woche am Fitness Parcours zwischen Brudermühlbrücke und Rosengarten mit 15 bis 20 sportlustigen Münchnern.

Im Februar 2020 hat das KVR den nebenberuflichen Fitnesstrainern ihre Sportkurse verboten. Kostenpflichtige, also gewerbliche Kurse, erlaubt die Stadt als Eigentümerin der Grünanlagen nicht. "Und das im Corona-Sommer, mit der Begründung, dass die Grünanlagen zu wenig Platz bieten", echauffiert sich Sebastian Habersetzer.

Sportkurse in Parks verbieten? Trainer wollen das nicht akzeptieren

Die Trainer sind "sprachlos und wahnsinnig traurig" darüber. Sie können diese Entscheidung nicht akzeptieren. Deshalb brachten Sie ihr Anliegen jetzt vor den Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Nadja Raoufi erklärt: "Wir bieten Sport an der frischen Luft: ohne Abo, für kleines Geld, für jedes Level, für jeden ab 19 Jahren und für alle Nationalitäten." Ihr Freund Sebastian Habersetzer ergänzt: "Wir bringen verschiedenste Menschen in der Stadt zusammen und in Bewegung. Das ist noch nur gut. Was ist sozial und gerecht daran, das zu verhindern?"

Mit einem Brief und einem Video hatten sich die Münchner an OB Dieter Reiter (SPD) gewandt. "Alle finden bei uns Platz. Wir schaffen Gemeinschaft und Gesundheit. Aber der OB hat nicht mit uns gesprochen. Wir waren sehr enttäuscht", sagt Habersetzer, der im Medienvertrieb arbeitet.

KVR bleibt hart: "Grünanlagen dürfen nicht überlastet werden"

Dafür haben die Sporttrainer den BA für sich gewonnen. Denn: In den Fitnessstudios ist es eng. Im Corona-Sommer ist Sport im Freien als Pandemie-Maßnahme unterstützenswert, so der Tenor im BA. Arne Brach (Grüne) sagt: "Andere Sportgruppen nutzen den öffentlichen Raum auch gewerblich. Und die tun das weiterhin."

Das Fitness-Duo war schon im Kronepark und an der Candidstraße anzutreffen. Immer zu Zeiten, "wo wir nicht stören", um 6.45 morgens und nach 19 Uhr, erklären die beiden. Das KVR bleibt hart: "Die Grünanlagen dürfen nicht überlastet werden. Das gilt umso mehr in der derzeitigen Ausnahmesituation, weil viele ihren Urlaub zu Hause verbringen", sagt gestern KVR-Sprecher Johannes Mayer. Im konkreten Fall hätten Bürgerbeschwerden vorgelegen.

Die beiden machen unterdessen weiter – in kleinem Kreis und kostenlos. Sie hoffen auf Spenden – und, dass die Stadt noch den Kurs ändert.

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