Fehlende Typen bei 1860 Möhlmann-Löwen: Zu jung für den Klassenerhalt?

Hoffnungsvolle Talente, aber noch keine gestandenen Typen: Trainer Benno Möhlmann mit den Junglöwen (v.l.) Korbinian Vollmann, Sertan Yegenoglu, Nico Karger, Emanuel Taffertshofer und Maximilian Wittek. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der TSV 1860 schickt regelmäßig mit die jüngste Elf in den Abstiegskampf der Zweiten Liga. Reicht das, um die Klasse zu halten? Trainer Möhlmann bekennt: "Es fehlen schon ein paar Typen."

 

München - Sertan Yegenoglu hat einen beeindruckenden Karrieresprung hingelegt. Vor einem Jahr kickte er noch vom FC Hennef 05 in der Mittelrheinliga, im Sommer verstärkte der junge Deutsch-Türke die Regionalliga-Mannschaft der Löwen. Weil mit Kai Bülow, Rodnei und Gui Vallori drei erfahrene Verteidiger fehlen, hat der 20-jährige Youngster jetzt schon sein siebtes Zweitliga-Spiel auf dem Buckel. Und gegen den FSV Frankfurt mit einem individuellen Patzer dafür gesorgt, dass dem TSV 1860 einmal mehr wertvolle Punkte durch die Lappen gegangen sind.

Die Szene vor dem verwandelten Elfmeter zur 0:1-Pleite gegen Möhlmanns Ex-Verein ist neben Yegenoglus zweiten folgenschweren Patzer gegen den KSC (0:1) nur ein weiteres von mehreren Beispielen, die belegen, dass es dem Tabellen-Vorletzten der Zweiten Liga nach der Hinrunde an diversen Attributen mangelt: Abgeklärtheit, Routine, Erfahrung. Mit Emanuel Taffertshofer (20) und Fejsal Mulic (21) durften dagegen zwei weitere Junglöwen gegen den FSV ihre Startelf-Debüts feiern – Taffertshofer gar seinen ersten Profi-Einsatz überhaupt. Wie auch Nico Karger (22), der eingewechselt wurde. Schlecht waren sie nicht, aber anhand der Vielzahl von jungen Spielern muss man sich schon fragen: Sind diese Löwen zu jung für den Klassenerhalt?

„Es fehlen schon ein paar Typen, die schon gestandene Fußballer sind, die wissen, wie Zweitligafußball geht und das dort schon nachgewiesen haben, oder sogar höher“, sagt Trainer Benno Möhlmann zur AZ. Er weiß, dass sein Team noch etwas grün hinter den Ohren ist. Seine Aufstellung gegen Frankfurt war keinesfalls einer Verjüngungstaktik geschuldet, sondern das Produkt mangelnder Alternativen.

Im Vergleich mit den restlichen Zweitliga-Teams standen aber auch sonst meistens eher jugendliche Löwen als gestandene Profis auf dem Platz: Mit 24,8 Jahren haben die Löwen den viertjüngsten Kader, an ganzen sieben Spieltagen schickte der TSV 1860 im Durchschnitt die jüngste Elf aller Zweitliga-Teams auf den Platz. Nicht nur unter Ex-Trainer Torsten Fröhling (zweimal), auch unter Möhlmann (fünfmal) und dessen Vertreter Kurt Kowarz (einmal). Das Durchschnittsalter der Löwen gegen Frankfurt? 23,9 Jahre.

„Wenn man sieht, wie viele junge Spieler wieder gespielt haben, spricht das für den Verein, aber nichtsdestotrotz sind viele dabei, die ihre ersten Spiele machen. Wenn dann einer ausfällt wie Gary (Kagelmacher, Anm. d. Red.), ist es natürlich bitter für uns“, meinte Daniel Adlung nach der siebten Löwen-Pleite im 17. Spiel. Klar, man kann stolz sein auf die Benders, Vollands, Weigls auch aktuell viele talentierte Nachwuchs-Spieler, die schnell so gut sind, dass sie bei den Profis Fuß fassen können. Klar ist aber auch, dass sie wegen ihrer Unerfahrenheit dort schwankenden Leistungen unterworfen sind.

Daher will Möhlmann in der Winterpause reagieren. Sportchef Oliver Kreuzer sprach zuletzt (und vor der Frankfurt-Pleite) noch davon, dass man womöglich gar keine Winter-Transfers tätigen müsse, Möhlmann klingt anders: „Wir brauchen nicht irgendwelche superbegnadeten Techniker, die Kunststückchen machen, sondern Hausmannskost. Gute Hausmannskost. Fußballer, wie das annehmen und wissen, wie es geht. Die Selbstbewusstsein ausstrahlen.“ Kommt auch nicht von ungefähr, wer als Kandidaten gilt: Georg Niedermeier (29) und Sascha Mölders (30). Zwei gestandene Typen. Und gute Hausmannskost.

 

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