FC Bayern Robben, der Einzelkämpfer

Er hat sich mittlerweile entschuldigt: Arjen Robben ging in Bremen auf Thomas Müller los. Foto: Bongarts/Getty Images

Als Thomas Müller sich über Alleingänge des Holländers beschwert, wird dieser handgreiflich. Ohnehin gilt Bayerns Kreativ-Künstler intern als Einzelgänger, der sich gerade neu positioniert

 

BREMEN Das Spiel war aus. Und los ging’s. Auf dem Platz, neben dem Platz. Raus mit den Gefühlen, Anpfiff für die Emotionen.

Mit 3:1 hat der FC Bayern soeben bei Werder Bremen gewonnen. Auskosten war das Motto, einen Rückstand in einen Sieg zu drehen – das hatte man nur im September in Hoffenheim (2:1) geschafft. An der Trainerbank fiel man sich in die Arme, jeder herzte jeden. Besonders verhaltensauffällig: der ausgewechselte neue Kapitänsvize Bastian Schweinsteiger, der Trainer Louis van Gaal mehrmals an sich drückte, und auch die Ersatzspieler, die nicht zum Einsatz gekommen waren (Butt, van Buyten, Altintop), ganz besonders liebkoste – als guter Onkel der Kompanie.

Die Gute-Laune-Abteilung verpasste beinahe, was auf dem Platz passierte. Arjen Robben hatte sich Thomas Müller vorgeknöpft: Böse Blicke, Drohungen – und dann war die Hand an der Gurgel des Mitspielers. Gomez, Klose und Tymoshchuk trugen das Entsetzen über die Fehde im Gesicht, sie schlichteten, trennten die beiden.

Nur Robben, im Spiel von den Bremern kaum zu stoppen, war nicht zu bändigen. Im ARD-Interview direkt vor der Kabine ließ er seinen Frust raus: „Eine Diskussion auf dem Platz ist gut, aber man soll nicht mit den Händen gestikulieren. Ich hasse das. Das ist respektlos gegenüber Kollegen, das brauchen wir nicht machen. Wir müssen ein Vorbild sein, dürfen es uns nicht schwieriger machen als es ist“, schimpfte der Holländer. Gemeint war Müller. Doch wer handelte hier vorbildlich?

Robbens Anklage war: Müller hatte gemeckert, sich über dessen Alleingänge beschwert. Als Müller abfällig den einarmigen Abwinker machte, brüllt er „Hey, Thomas!“ über den Platz und legte den Zeigefinger demonstrativ auf die Lippen. Will sagen: Schnauze, Kollege! Nach Schlusspfiff stellte der Rechtsaußen seinen Kritiker. Und Müller? Er blieb besonnen.

Ein Wesenszug, den Robben sich zum Vorbild nehmen könnte. Der 27-Jährige ist nicht erst seit seinem Comeback vor zwei Wochen von Ehrgeiz durchströmt, dazu fließt eine Menge Jähzorn durch seine Adern. Im Training geriet er auch schon mal mit Philipp Lahm aneinander. Was ihn echauffiert: wenn er angegangen wird, per Tackling oder verbal. Womöglich war in seinem Adrenalin auch noch die Prise Wut und Trauer über den plötzlichen Abschied seines besten Kumpels in der Mannschaft, des Kapitäns Mark van Bommel.

Geduscht klang Robben versöhnlicher: „Solche Dinge passieren auf dem Platz. Wir gewinnen und wir verlieren zusammen. Das ist kein Problem.“ Für Müller nicht. Aus seinem Umfeld hieß es am Sonntag, dass nichts zurückbleibt. Oft darf das jedoch nicht passieren, dass einer glaubt, alles zu können – und sich alles heraus nehmen zu können. Tatsächlich ist Solist Robben der Spieler, der das Niveau der Mannschaft hebt. Kritik empfindet er jedoch als Majestätsbeleidigung: eine gefährliche Mischung, da sich die Hierarchie ohne van Bommel gerade neu formt. Robben ist eher ein Einzelkämpfer, der nun aber mehr Verantwortung übernehmen soll und will. Richtig beliebt machen ihn freilich seine Tore.

Van Gaal argumentierte im Zwist landsmannschaftlich: „In Holland ist es üblich, dass wir miteinander streiten und sagen, was wir zu sagen haben. Das ist eine andere Kultur in Deutschland.“ Sportdirektor Christian Nerlinger: „Es ist gut, dass wir Emotionen auf dem Platz haben.“ Arjen Robben eben.

Patrick Strasser

 

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