FC Bayern im Pokalfinale Zeugnis von Hoeneß: Kovac bekommt eine Eins minus

"Wenn ein Trainer in seiner ersten Saison bei Bayern ins Pokalfinale einzieht, Tabellenführer ist, hat er gute Arbeit geleistet", sagt Hoeneß über Kovac. Foto: firo/Augenklick

Bayern-Präsident Hoeneß lobt Coach Kovac nach dem Einzug ins Pokalfinale: "Er hat gute Arbeit geleistet!" Vorstandsboss Rummenigge ärgert weiter das Aus in der Champions League: "Es schmerzt sehr."

 

München - Mit etwas Abstand wird den Bayern und insbesondere Trainer Niko Kovac die ganze Elfer-Diskussion herzlich egal sein. Für den 47-Jährigen war das 3:2 im Pokalhalbfinale in Bremen ein besonderer Triumph: Zum dritten Mal hintereinander steht er im Endspiel: 2017 (1:2 gegen Dortmund) und 2018 (3:1 gegen Bayern) jeweils mit der Frankfurter Eintracht und nun mit den Münchnern.

Note 1 minus für Nico Kovac von Uli Hoeneß

Drei Mal Cup-Endspiel in Serie: Das gelang zuvor lediglich Otto Rehhagel, natürlich mit seiner ewigen Mannschaft Werder Bremen (1989-1991) und Bayern-Coach Udo Lattek in den Achtzigern (1984-1986). Rehhagel holte dabei nur 1991 den Pott, Lattek 1984 und 1986. Das Novum: Kovac schaffte das Berlin-Triple mit zwei Vereinen. Respekt.

Einen verbalen Ritterschlag gab’s noch am Abend von Uli Hoeneß: "Wenn ein Trainer in seiner ersten Saison beim FC Bayern ins Pokalfinale einzieht und vier Spieltage vor Schluss Tabellenführer ist, hat er gute Arbeit geleistet", sagte der Präsident. Holt Bayern das Double, wäre es eine "sehr gute Saison, absolut", so Hoeneß".

Nachfrage der AZ: "Also Note 1? Trotz des Ausscheidens in der Champions League gegen Liverpool?" Hoeneß antwortet schnell und entschieden: "Eine 1 minus." Erstaunlich. Mindestens.

Kovac, der smarte Spatz in der Hand - darf er bleiben?

Was übersetzt heißt: Holt Kovac das Double, darf er bleiben, sein Vertrag läuft bis 2021. Hinfort mit all den Skeptikern und Zweiflern! Für Hoeneß zählen Titel. Basta. Das, was am Ende der Saison eben rausspringt. Eine spielerische Weiterentwicklung der Mannschaft ist erst einmal sekundär und soll eben parallel zum Trophäenschrank peu à peu wachsen. Konzept-Trainer wie Thomas Tuchel, den er als Nachfolger von Jupp Heynckes für den Sommer 2018 durch sein Zögern verhinderte, sind Hoeneß fremd. Was soll Bayern also mit einem wie dem Italiener Antonio Conte, zuletzt bei Chelsea (gescheitert) und derzeit frei, oder gar mit dem Portugiesen José Mourinho, zuletzt bei Manchester United (gescheitert) und derzeit auf Jobsuche?

Diese Herren tragen wohlklingende Namen im internationalen Business, sie wollen jedoch zu viel Macht und ziehen ihre Spielphilosophie gnadenlos durch. Dagegen war selbst Pep Guardiola ein den besonderen Mia-san-Mia-Umständen angepasster Trainer – auch wenn er das stets mit Sarkasmus betonte. Die Fortführung des nächsten Umbruchs mit dem nicht mehr ganz so juvenilen Arsène Wenger (wird 70), der bisher nur bewies, Arsenal zu können? Allesamt eigenwillige Trainertauben auf einsturzgefährdeten Dächern. Dann lieber der liebe Kovac, der smarte Spatz in der Hand.

Dorn im Auge: Das Rückspiel gegen Liverpool

Hoeneß hätte sich erneut – wie schon bei der Inthronisierung des Kroaten – gegenüber Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, der Kovac viel kritischer sieht und ihm eine Jobgarantie verweigert hatte, durchgesetzt. Vor dem Pokalhalbfinale sagte Rummenigge: "Das Rückspiel gegen Liverpool schmerzt uns sehr, weil wir herzlos und ohne Mut aufgetreten sind." Ein Nachtreten? "Deswegen hoffe ich für die Mannschaft, dass wir ins Finale kommen und in der Bundesliga diesen einen Punkt vor den anderen stehen."

Ziel eins ist erreicht. Zu Kovac meinte Rummenigge kühl: "Ich habe immer gesagt, dass man beim FC Bayern liefern muss. Das gilt für mich und für jeden beim FC Bayern." Mit dem Double hätte Kovac, insbesondere national, geliefert: Und zwar Argumente für sich.

"Ich finde, dass wir seit Weihnachten fantastisch Fußball spielen, bis auf das Spiel gegen Liverpool in München bin ich mit der Mannschaft total zufrieden." Sagt Hoeneß, nicht Rummenigge. "Ich habe gelesen, dass wir mit die beste Rückrunde in der Geschichte des FC Bayern spielen. Und dann wollen wir ja mal nicht anfangen, uns zu beklagen." Sicherlich auf die Medien gemünzt, aber zugleich ein kollegialer Wink mit dem Zaunpfahl: Psst, Kalle!

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