FC Bayern FC Bayern vogelwild: Louis und die Papageien

Louis van Gaal reagiert auf die Kritik der Klub-Ikonen Scholl und Kahn gewohnt kämpferisch. Foto: dpa

Vor der Partie in Bremen kontert Cheftrainer Louis van Gaal die Kritik der Klub-Ikonen Oliver Kahn und Mehmet Scholl: „Das ist das Geplapper von Papageien!“ Und seinen Zwist mit Präsident Hoeneß setzt er fort.

 

MÜNCHEN Er hat gewusst, worauf er sich einlässt. Der FC Bayern sei schließlich eine große Nummer. Auch in Holland. Sogar schon bevor er, Louis van Gaal, sein Amt antrat. „Ich wusste vorher genau, was hier los ist. Diese Geschichten mit Hollywood und so, sind auch in Holland bekannt“, sagte Louis van Gaal am Freitag vor dem Spiel am Samstag in Bremen (15.30 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de). So seien eben der FC Bayern und sein Umfeld. Immer etwas nervös, wenn die Ergebnisse mal nicht so stimmen. Immer bereit zum Streit, zu Grundsatzdebatten, die nur weinselige Friedensgipfel wieder auflösen können. Oder eben Erfolg.

Van Gaal wusste das alles – und sagte bei seiner Vorstellung 2009 dennoch: „Das bayerische Lebensgefühl passt zu mir wie ein warmer Mantel. Mir san mir! Wir sind wir! Und ich bin ich! Selbstbewusst, arrogant, dominant, ehrlich, arbeitsam, innovativ, aber auch warm und familiär.“

Vielleicht hätte van Gaal noch „dickköpfig“ und, nun ja, „diskussionsfreudig“ in diese Auflistung hinzufügen sollen. Am Freitag jedenfalls erklärte van Gaal, sich bei Bayern noch „sehr wohl“ zu fühlen. „Das ist so“, meinte er. Tatsächlich steht er den übrigen Protagonisten beim FC Bayern in Sachen Diskussionsfreudigkeit in nichts nach. Wer van Gaal angreift, der darf, der muss mit einer im besten Fall süffisanten Reaktion des Niederländers rechnen.

Am Donnerstag etwa griffen ihn Oliver Kahn und Mehmet Scholl, beides Klub-Ikonen, an. „Ich halte es für problematisch, während der Saison Spieler abzugeben – dazu einen so erfahrenen, wichtigen Mann wie Mark van Bommel“, schrieb Kahn im „kicker“. „Der Mann geht seinen Weg, links und rechts fällt einer um. Das passt jedenfalls nicht zu dem warmen Verein, den ich kennengelernt habe“, sagte Scholl in der ARD.

Van Gaal ließ das nicht auf sich sitzen – auch, wenn er vorgab, dass ihn das Gerede der zwei Ex-Spieler nicht aufrege. „Das ist Papageienmusik“, sagte er, „das ist nur das Geplapper von Papageien, die nur das sagen, was man ihnen vorgesagt hat.“ Und weiter: „Mit Kahn habe ich noch nie gesprochen, mit Scholl, der ja letztes Jahr bei uns war (als Drittliga-Trainer, die Red.), hatte ich auch nicht so viel Kontakt. Ich habe nur mit meinem Vorstand zu tun. Und der unterstützt mich, genauso wie meine Mannschaft und mein Stab“, so van Gaal.

Kahn und Scholl Papageien? Ohne eigenen Willen? Getrieben von, ja wem eigentlich? Vielleicht von Uli Hoeneß, van Gaals Chef-Kritiker. Der Präsident wirkt schon seit Monaten nicht glücklich über das mitunter selbstherrliche Auftreten des Trainers, über dessen Beratungsresistenz und dessen einsamen Entschluss, in der Winterpause Keeper Jörg Butt das Vertrauen zu entziehen und Thomas Kraft ins Tor zu stellen. Am Freitag setzte van Gaal noch einen drauf: „Ja, der Präsident hat Kritik geäußert, das ist so. Das war vor drei Monaten auch so. Wenn eine Person das macht“, sagte van Gaal, machte eine Kunstpause, ehe er hinzufügte: „Aber diese Person ist nicht immer an der Säbener Straße.“

Hoeneß’ Reaktion wird wohl nicht lange auf sich warten lassen. Jene von Mehmet Scholl ist übrigens schon da. „Ja, Louis van Gaal hat recht. Ich bin ein komischer Vogel“, sagte er – ironisch wie er gerne ist – zur AZ. Van Gaal wird da nicht widersprechen. Ansonsten hält er Scholls Worte, der inhaltlich nichts von seiner Kritik zurücknehmen möchte, für falsch. „Wir haben van Bommel gegönnt, dass er geht“, sagte er, „das war eine menschliche Entscheidung. Bayern ist ein warmer Verein, sehr ehrlich und menschlich.“ Und manchmal eben vogelwild.

Filippo Cataldo, Patrick Strasser

 

0 Kommentare