FC Bayern Fans Bayerns Südkurve: Nie mehr Stimmung?

Unten ausgedünnt: Die Südkurve mit den Blöcken 112/113 direkt hinter dem Tor beim Bundesliga-Auftakt gegen Mönchengladbach. Ruhig war’s, fast beschaulich. Foto: M.i.S. Foto: M.i.S.

Die gespenstische Stille beim 3:1 gegen Gladbach war nur ein Vorgeschmack. Auch die nächsten Wochen bleibt es ruhig in der Arena. Rummenigge reagiert genervt: „Können niemanden zwingen”

 

München - Als das Spiel gelaufen war, weil Bayern 3:1 führte, kümmerten sich die 6500 Gladbacher Fans nicht mehr um das Geschehen unten am Rasen, sie wurden persönlich. Zum Leidwesen von Uli Hoeneß. Im „eigenen Reich” musste er sich derbe Gesänge anhören. „Hoeneß in den Knast!” oder „Steht auf, wenn ihr Steuern zahlt!”

Nur zur Erinnerung: Bayern hatte ein Heimspiel gegen Mönchengladbach. Dass man bei der Stadionplanung vor der Eröffnung 2005 nicht daran gedacht hat, dass die akustische Wirkung der Auswärtsfans sich dort oben in der Nordkurve unter dem Dach gewaltig erhöht – geschenkt. Das Problem ist ein anderes: Die knapp 65000 Bayern-Sympathisanten in der Arena sind zu ruhig. Weil der Stimmungsmotor Südkurve zuckelt, nicht mal mehr Halbgas geben kann. Durch die neu eingerichtete elektronische Zugangskontrolle per Drehkreuzen zum Unterrang der Südkurve blieb das Zentrum der Stimmung, die Blöcke 112/113, recht leer – und stumm. Ein Auswärtsspiel. Nur noch Auswärtsspiele? „Ich habe damit gerechnet, es waren zu wenige Stimmungsbereite in der Kurve”, sagt Wolfgang Salewski, der Mediator im Streit zwischen Ultras und Verein, in dem es seit Jahren um Kartenzuteilung, Pyrochtechnik und Choreographien geht.

Der ehemalige Polizeipsychologe hielt sich am Freitagabend im Südkurvenbereich auf. Salewski zur AZ: „Es war relativ ruhig und entspannt. Die Ultras haben mir gesagt: ,Es beginnt eine neue Zeitrechnung. Schade!’ Aber es gab keine Konfrontationen, nichts Bösartiges.” Ein Zeichen der Resignation? Doch warum, so fragten sich Stadionbesucher und TV-Zuschauer, blieben die Blöcke direkt hinter dem Süd-Tor so leer? 2100 beträgt nun die maximale Kapazität für 112/113, laut Vereinszählung gingen 1635 Fans in die Blöcke, andere blieben hinter den Drehkreuzen. Im oberen Bereich der Kurve standen die Fans enger – nicht nur wegen der besseren Sicht, auch, so glaubt man bei Bayern, um das Bild einer nicht gefüllten Kurve zu bekommen. Als passende Optik zum Schweigen. Insgesamt kamen 300 Fans weniger in 112/113, als Karten verkauft wurden.

Wie kann das sein? Lag es an der Urlaubszeit? Am Schauerwetter? An der Staugefahr wegen U-Bahn-Teilsperrung? Womöglich, dass manch Jahreskartenbesitzer sich nicht nach Fröttmaning bequemte. Kurios auch: Rund 50 Karten wurden nicht mal verkauft! Denn: Für Jugendliche unter 21 Jahren gab es 100 Tageskarten, abzuholen an der Säbener Straße. Weil sich die meisten derer allerdings aus dem neuen Online-Kontingent von 300 Tickets bedienten, die es ab Montag (7 Uhr) auf der Bayern-Homepage zu bestellen gab, fehlte wohl das Interesse. Ungewohnte, neuartige Abläufe – bis zum Nürnberg-Heimspiel (24.8.) wohl behoben. Ein weiterer Grund für die Leere: Karten für die Blöcke 112/113 kann man nicht wie alle anderen Jahreskarten auf der Ticket-Börse Viagogo kurzfristig verkaufen, lediglich persönlich weitergeben.

Und die Stimmung? Künftig unvermeidlich mau, weil Blöcke-Schmuggler nicht mehr in den Kern der Kurve kommen? „Es gibt einen permanenten Fandialog – und fertig. Wenn dann 200 bis 300 meinen, sie müssten ruhig bleiben, dann kann man das nicht ändern”, sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, „wir können niemanden zwingen, uns anzufeuern.” Die Ultras oder der „Club Nr.12”, die Vereinigung der aktiven Bayern-Fans, werfen dem Verein die „gezielte Zerschlagung der aktiven Fanszene im Stadion” vor. „Es gab Versuche aus der Nordkurve, aber die haben keine Übung”, sagt Vermittler Salewski, „im Süden müssen sich stimmungsbereite Leute erst finden. Das wird wieder. Erstmal geht es noch ein paar Spiele so weiter.” Ärgerlich, vor allem für Uli Hoeneß. 

 

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