FC Bayern Breitner beim ZDF: Schöne, heile Welt

„Wir wollen den Weltfußball mitdominieren und von oben betrachten”, sagte Bayerns Markenbotschafter Paul Breitner im Sportstudio. In der AZ legt er nun nach – und spricht über Dominanz-Ansprüche sowie „Flüchtigkeitsfehler”

 

München - Er war die Idealbesetzung. Paul Breitner war ein Weltklasse-Fußballer, kickender Sympathieträger, bekennender Querkopf, Vorstandsberater und derzeit: Markenbotschafter des FC Bayern.

Wer also wäre an Tagen wie diesen, an denen Bayern und Borussia Dortmund durch ihre Triumphe über Barça und Real Madrid für eine Götterdämmerung gesorgt und speziell Bayern eine Zeitenwende eingeleitet haben könnte im europäischen Fußball, ein geeigneterer Gesprächspartner für das „Aktuelle Sportstudio” gewesen?

Breitner ist immer zur Stelle, wenn es darum geht, die Stärke der Bayern zu erklären, für ihn ist diese eine Selbstverständlichkeit. „Wir orientieren uns nicht primär an der Bundesliga. Wir wollen wieder dorthin, wo wir mal waren, dass wir den europäischen Fußball, und damit den Weltfußball, mitdominieren und von oben betrachten”, sagte er nun im ZDF. Bayern als Weltherrscher des modernen Fußballs?

Am Sonntag konkretisierte Breitner dies im Gespräch mit der AZ: „Die Spitze im europäischen Fußball zu erreichen bedeutet, Spitze im Weltfußball zu sein”, sagte er.
Den stärksten Kader aller Zeiten hätten die Bayern bereits, so Breitner. Nun hätte die Klasse von 2013 sogar die Chance, die beste Bayern-Mannschaft aller Zeiten zu werden. „Derzeit sehe ich noch die Mannschaft von 1974 ganz vorne. Doch wenn es die aktuelle Mannschaft schafft, die Champions League zu gewinnen und diesen Erfolg auch bestätigen kann, dann wären sie für mich die besten Bayern aller Zeiten.”

Auch aus diesem Anspruch heraus begründet Breitner die jüngsten Aktivitäten auf dem Transfermarkt. Dass Bayern neben Mario Götze auch Robert Lewandowski verpflichten möchte von Borussia Dortmund, begründet Breitner so: „Wenn man sich jedes Jahr ein wenig verbessern will, braucht es die besten Spieler.” Bayern wildere nicht bei den Konkurrenten. Im Gegenteil. „Jeder Spieler in der Bundesliga hat den Traum, irgendwann einmal für den FC Bayern zu spielen”, sagt er. Spieler wie Marco Reus, der sich letzte Saison für Dortmund und gegen Bayern entschied, würden „möglicherweise den Kampf um die Kaderplätze bei Bayern” scheuen. Und kleinere Vereine, die Spieler an Bayern verlören, könnten dies auch als „ Auszeichnung” verstehen.

Dass die schöne, heile Bayern-Welt aber derzeit nicht nur so heile ist wie sie Breitner beschreibt, muss nicht mal unbedingt über den Ärger von Präsident Uli Hoeneß und neuerdings auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge mit dem Fiskus reden. Das Steuer-Thema verbat sich Breitner sowohl im ZDF als auch im Gespräch mit der AZ. Dass Bayern trotz des mitreißenden Fußballs in dieser Saison zuletzt Sympathien verspielt hat, merkt spätestens, wer sich in der Liga umhört. So bezeichnete Mainz-Manager Christian Heidel das Verhalten der Ligagötter aus München bei der Verpflichtung von Verteidiger Jan Kirchhoff als „eines Meisters nicht würdig”. Bis heute habe sich kein Verantwortlicher bei ihm gemeldet. Auch in Dortmund hatte es Irritationen gegeben, dass vor Götzes Wechsel kein Bayer zum Telefon gegriffen hatte. In Richtung Heidel hatte Sportvorstand Matthias Sammer am Samstag zwar zugegeben, dass man nicht frei von Fehlern sei, aber dennoch etwas patzig geantwortet, dass der Kollege dies gar nicht beurteilen könne, schließlich „wird er wahrscheinlich nie Meister” werden.

Breitner reagierte mit etwas mehr Größe: „Wenn man das große Ganze im Blick hat wie wir, dann können einem solche Flüchtigkeitsfehler schon mal passieren, dass man mal einen Anruf” vergesse. „Wir haben es gar nicht nötig, kleineren Klubs wie Mainz oder Freiburg weh zu tun.” Schon gar nicht in einer schönen, heilen Welt. 

 

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